LNG-Schiffe Wie klimaschädlich ist meine Kreuzfahrt?

Mit Flüssiggas angetriebene Kreuzfahrtschiffe sind weniger umweltschädlich. Können Urlauber nun guten Gewissens an Bord gehen, wenn ihnen Klimaschutz wichtig ist?
"Aida Nova" fährt mit Flüssiggas

"Aida Nova" fährt mit Flüssiggas

Foto: Mohssen Assanimoghaddam/ picture alliance/dpa

Spätestens seit "Fridays for Future" gelten Kreuzfahrten als Umweltsünde. Reedereien werben deshalb mit ihren neuen Schiffen, die mit LNG-Antrieb ausgestattet sind. LNG ist die Abkürzung für liquefied natural gas, das englische Wort für Flüssigerdgas.

Der Antrieb mit Flüssiggas ist weniger umweltschädlich, Emissionen werden reduziert. Eine Kreuzfahrt ohne schlechtes ökologisches Gewissen gibt es jedoch auch mit den Flüssiggas-Schiffen nicht. Der Ausstoß von Feinstaub und Schwefeloxiden wird bei LNG zwar nahezu vollständig vermieden, und die Stickoxidemissionen sind geringer. Das hilft der Luft in den Häfen und der Gesundheit der Passagiere an Bord.

Flüssiggas spart kaum CO2

Der Haken: Die CO2-Emissionen eines LNG-Kreuzfahrtschiffs sind nur etwas geringer. Aida Cruises spricht von minus 20 Prozent im Vergleich zu einem Marinediesel-Schiff. Tui Cruises geht von zehn Prozent weniger Emissionen aus, wenn man die gesamte Lieferkette von der Produktion bis zur Nutzung berücksichtigt.

"Fossiles LNG hat beim Klimaschutz keinen großen Vorteil", räumt die Nachhaltigkeits-Managerin von Tui Cruises, Lucienne Damm, ein. "Es ist bezogen auf den CO2-Ausstoß lediglich eine Brückentechnologie."

1,5 Tonnen CO2 für eine Woche Urlaub

Onlinerechner von Anbietern für Klimakompensation wie Myclimate geben einen groben Überblick, wie viel CO2 jeder Fahrgast auf seiner Reise verursacht, abhängig vom Kabinentyp, der Belegung, der Größe des Kreuzfahrtschiffes und der Dauer des Urlaubs. Beispiel: Auf einer siebentägigen Kreuzfahrt auf einem Schiff mit 2000 bis 3000 Passagieren zu zweit in einer Standardkabine ist der einzelne Gast für 1,5 Tonnen CO2 verantwortlich.

Fasst das Schiff nur 500 bis 1000 Gäste, sind es laut dem Rechner von Myclimate schon 2,4 Tonnen. Zum Vergleich: Eine Flugreise von Frankfurt am Main nach Barbados hin und zurück verursacht laut dem Rechner pro Passagier etwa genauso viel CO2.

Reist man dann noch in einer Suite, steigt der Wert auf drei Tonnen. Je kleiner das Schiff und je größer die Kabine, desto größer ist der Anteil des einzelnen Passagiers am gesamten CO2-Ausstoß.

Der Emissionsrechner für Kreuzfahrten berücksichtigt allein die Seereise. Fliegt ein Urlauber zum Hafen, kommen diese Emissionen noch oben drauf. Außerdem geben die Berechnungen nur einen groben Überblick über die CO2-Bilanz, weil beispielsweise das Alter der Schiffe nicht mit einberechnet wird.

Wer will, kann seinen CO2-Ausstoß kompensieren. Das heißt, man zahlt im Gegenzug einen freiwilligen Ausgleich. Mit dem Geld werden Maßnahmen für den Klimaschutz finanziert. Nur: Kaum ein Urlauber macht das bisher. (Mehr dazu lesen Sie hier.) Auch die Kreuzfahrtgesellschaft MSC Cruises hat angekündigt, CO2-Emissionen zu kompensieren, aber keine Details genannt.

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Solange die Kreuzfahrt nicht klimaneutral ist, sehen Klimaschützer in der Kompensation ohnehin nur eine Notlösung. Eine "saubere" Kreuzfahrt wäre erst dann möglich, wenn die Schiffe nicht fossiles, sondern beispielsweise nachhaltig hergestelltes Erdgas tanken würden. Doch wann das so weit sein wird, ist derzeit noch nicht absehbar.

koe/dpa
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