Fukushima: Strahlende Wassermassen
AKW-Ruine Fukushima Wasserdrama dauert noch ein Jahrzehnt
Wasser - in der AKW-Ruine Fukushima Daiichi gibt es kaum noch ein anderes Thema. Die strahlenden Wassermassen, die auf dem Gelände in riesigen blauen Tanks gelagert werden, sind für den ehemaligen Anlagenbetreiber Tepco zu einem immensen Problem geworden. Eines, das der japanische Stromkonzern vermutlich wohl kaum mehr allein in den Griff bekommen wird: Der frühere Chef der US-Atomaufsichtsbehörde NRC, Dale Klein, hält eine schnelle Lösung für das radioaktiv kontaminierte Wasser für unmöglich. Das Problem "wird noch ein Jahrzehnt bestehen bleiben", sagte Klein dem SPIEGEL.
Wasser ist für die Sanierer des zerstörten AKW Fukushima I unerlässlich: Täglich pumpt Tepco etwa 400 Tonnen Wasser von oben in die Reaktorgebäude, um sie zu kühlen. Anschließend muss das hochbelastete Kühl- und Grundwasser wieder aus dem Gebäudekomplex an die Oberfläche zurückgepumpt und zwischengelagert werden. Mehr als tausend Tanks sind auf dem Gelände inzwischen befüllt. Ein Leck in einem dieser Tanks hatte kürzlich zum Austritt radioaktiven Materials und damit zu einem "ernsten Störfall" geführt.
Erst vor wenigen Tagen hatte die japanische Atomaufsichtsbehörde (NRA) einen neuen Höchstwert radioaktiver Strahlung um die Wassertanks gemeldet: Der Behörde zufolge wurden dort 2200 Millisievert pro Stunde gemessen - eine Dosis, die eine ungeschützte Person innerhalb weniger Stunden tötet.
Bisher, so sagte Klein dem SPIEGEL, taumele Tepco "von Krise zu Krise". Offenbar sei die Firma dem Wasserproblem nicht gewachsen. Der Atomaufseher forderte Japan auf, "eine neue Firma zu gründen, die sich mit dem Wissen internationaler Experten um die Aufräumarbeiten kümmert". Bei seinen zahlreichen Besuchen in Tokio will Klein festgestellt haben, dass sich die Vorbehalte der japanischen Regierung gegen ausländische Experten abschwächten.
Diese hatte sich in der Zwischenzeit eingeschaltet und einen Notfallplan zur Eindämmung der Lecks im havarierten AKW beschlossen: 47 Milliarden Yen (360 Millionen Euro) sollen unter anderem in den Bau eines unterirdischen Eisrings fließen. Diese sogenannte Bodenvereisung soll das radioaktiv kontaminierte Areal abdichten. Ob diese Technik auch Erfolg haben kann, ist jedoch umstritten.
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"In den nächsten Monaten", so erwartet Klein, werde Japan Fachleute aus Europa und den USA um Unterstützung bitten. Klein, der eigentlich als "unabhängiger Berater" von Tepco verpflichtet ist, hatte die Firma schon zuvor scharf kritisiert. "Sie wissen nicht, was sie tun", hatte Klein dem Tepco-Management kürzlich vorgeworfen. "Sie haben keinen Plan."