AKW in Frankreich Greenpeace warnt vor Terrorgefahr durch Drohnen

Die Umweltorganisation Greenpeace warnt vor Sicherheitsmängeln an alten französischem Atomkraftwerken. Sie seien nicht ausreichend vor Drohnenangriffen geschützt. Zuvor waren mehrere unbemannte Fluggeräte über den Anlagen gesichtet worden.
Atomkraftwerk Cattenom im Osten Frankreichs (Archiv): Verwundbar durch Drohnenangriffe

Atomkraftwerk Cattenom im Osten Frankreichs (Archiv): Verwundbar durch Drohnenangriffe

Foto: JEAN-CHRISTOPHE VERHAEGEN/ AFP

Die Umweltorganisation Greenpeace hat wegen Terrorgefahr eine vorübergehende Abschaltung der französischen Atomkraftwerke in Cattenom und Fessenheim gefordert. Hintergrund ist eine Serie von ungeklärten Drohnenflügen über Nuklearanlagen. "Die überalterten Atomanlagen müssen abgeschaltet werden, bis die Hintergründe der Drohnenüberflüge geklärt sind", heißt es in einer Mitteilung vom Dienstag.

"Die Anlagen sind absolut unzureichend gegen Angriffe gesichert", kritisierte Greenpeace-Atomexperte Heinz Smital. Eine aktuelle Untersuchung  belege die ernsthafte Gefährdung der Sicherheit in Frankreich, Deutschland und anderen europäischen Ländern.

Die französischen Nuklearanlagen sind auf 19 Standorte verteilt. In den vergangenen Wochen wurden dort rund 30 unbemannte Drohnen gesichtet. Es ist verboten, Atomanlagen zu überfliegen. Als Konsequenz soll nach unbestätigten Informationen französischer Stellen bereits "eine Reihe technischer Geräte" wie Militärradar installiert worden sein.

"Verwundbar durch Angriffe mit Drohnen"

Greenpeace nennt die Vorfälle besorgniserregend. "Es ist offensichtlich, dass die Sicherheitsbehörden diese Flüge weder aufklären noch verhindern können", sagte Smital.

Für die Greenpeace-Studie hat die Diplom-Physikerin Oda Becker aus Hannover die Anfälligkeit der veralteten grenznahen Meiler Cattenom und Fessenheim sowie des größten Atomkraftwerks des Landes in Gravelines untersucht. Drei Szenarien - ein Angriff von Betriebsangehörigen, per Hubschrauber oder mit Drohnen - wurden dafür durchgespielt.

Im schlimmsten Fall drohe in den angegriffenen Reaktoren "ein nicht mehr beherrschbarer Kühlmittelverlust und damit ein Kernschmelzunfall", heißt es. Bei der "gefährlichsten und folgenschwersten Variante" - einer offenen Schutzhülle nach einem Anschlag - wird nach Berechnungen der Wissenschaftlerin radioaktives Material nicht nur in Frankreich, Deutschland oder Belgien, sondern je nach Wetterlage über Europa bis nach Schweden verteilt.

Während einer Anhörung der französischen Nationalversammlung wies auch der britische Atomexperte John Large am Montagabend in Paris auf die selbst von der Atomaufsicht ASN festgestellten Mängel der Kraftwerke hin. Laut Large, dessen umfassendere Studie für Greenpeace Frankreich aus Sicherheitsgründen nicht veröffentlicht wurde, sind "französische Atomkraftwerke verwundbar durch Angriffe mit Drohnen".

jme/dpa
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