Belgisches AKW Auch bei Tihange-1 erhöhtes Sicherheitsrisiko

Im belgischen Atomkraftwerk Tihange-1 haben sich gefährliche Zwischenfälle gehäuft, berichten WDR und ARD. Im Meiler Tihange-2 waren zuletzt Risse entdeckt worden. Das AKW ist 70 Kilometer von Aachen entfernt.
AKW Tihange

AKW Tihange

Foto: Olivier Hoslet/ picture alliance / dpa

Das grenznahe belgische Atomkraftwerk Tihange ist einem Bericht zufolge offenbar gefährlicher als bislang bekannt. Im Reaktor Tihange-1 hätten sich zwischen 2013 und 2015 potenziell bedrohliche Zwischenfälle gehäuft, berichteten der WDR und das ARD-Magazin "Monitor" am Donnerstag unter Berufung auf ein Schreiben der belgischen Atomaufsicht (FANC).

Zwischen 2013 und 2015 habe es acht sogenannte Precursor-Fälle in Tihange-1 gegeben, also mehr als die Hälfte aller derartigen Vorfälle in ganz Belgien, hieß es vorab aus dem Bericht, der am Donnerstagabend ausgestrahlt werden soll. Demnach können solche Zwischenfälle unter bestimmten Voraussetzungen zu schweren Schäden am Reaktorkern bis hin zur Kernschmelze führen. Das belgische AKW liegt rund 70 Kilometer von Aachen entfernt.

Das deutsche Umweltministerium erklärte auf Nachfrage, es sei über die Anzahl der Vorfälle informiert, wie es in dem Bericht weiter hieß. Allerdings lägen nur der belgischen Atomaufsicht alle notwendigen Unterlagen vor, um die Sicherheit eines AKW bewerten zu können.

Der ehemalige Chef der deutschen Atomaufsicht im Bundesumweltministerium, Dieter Majer, sagte dem WDR, bei den Betreibern in Belgien und dem Bundesumweltministerium müssten eigentlich "die Alarmglocken angehen".

Die Reaktoren Tihange-2 und Doel-3 sind bereits seit Längerem umstritten, weil Risse in Reaktordruckbehältern gefunden wurden. Rebecca Harms, atompolitische Sprecherin der Grünen im Europaparlament, bemängelte: "Schon lange steht auch der Altreaktor Tihange-1 in der Kritik. Die belgischen Behörden dürfen sich nicht weiter blind stellen." Aber auch die Bundesregierung müsse dem eine größere Dringlichkeit geben. "Es ist offenkundig, dass die bisherigen Regelungen den großen Risiken für die Menschen im Grenzgebiet nicht gerecht werden", kritisierte Harms am Donnerstag in Brüssel.

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hda/AFP