Ausgegraben - Neues aus der Archäologie Suche nach dem geschändeten König

Seine Leiche wurde nackt in einem Wirtshaus ausgestellt - doch wo der englische König Richard III. begraben liegt, ist unklar. Forscher fahnden nun in den möglichen Resten eines alten Klosters. Außerdem im archäologischen Wochenrückblick: magische Steinfiguren und ein Lobgedicht auf eine Mörderin.
Fotostrecke

Richard III.: Wo liegt er begraben?

Foto: University of Leicester

Wo liegt Richard III.? Richard Buckley, Archäologe von der University of Leicester, hofft, das Grab des letzten Herrschers aus dem Hause Plantagenet unter einem Parkplatz in Leicester zu finden. Als Richard im Jahr 1485 in der Schlacht von Bosworth starb, parkten hier allerdings noch keine Autos. Stattdessen gab es vermutlich ein Franziskanerkloster namens Greyfriars. In jenes wurde der König nach seinem Tod gebracht und unter dem Altar begraben - allerdings erst, nachdem zuvor sein Leichnam geschändet und nackt im Wirtshaus The New Wake ausgestellt worden war.

Erst zehn Jahre später spendierte sein Besieger und Nachfolger Heinrich VII. seinen Knochen einen Marmorsarkophag und ihm ein Alabastermonument in dem Greyfriars Kloster. Es gibt jedoch verschiedene Geschichten darüber, was später mit den Knochen des Königs geschah. Im Jahr 1612 zeigte Alderman Herrick Besuchern das Grab - in seinem Garten. Eine andere Version besagt, bei der Auflösung der Klöster habe man die Knochen des Königs ausgegraben und in den Fluss Soar geworfen. Wieder andere behaupteten, den Sarg habe man anschließend als Pferdetränke benutzt.

Schon gleich nach Grabungsbeginn stießen die Archäologen auf Mauerreste. Ob sie zu dem Kloster gehören, ist allerdings noch nicht klar. Sollten die Archäologen unter dem Parkplatz tatsächlich Knochen finden, wollen sie DNA-Tests durchführen.

+++ Magische Steinfiguren +++

Fotostrecke

Jungsteinzeit: Zufallsfund in Tel Moza

Foto: Yael Yolovitch / Israel Antiquities Authority

Sie sehen aus wie Kinderspielzeug: ein Widder und ein Ochse, die Archälogen in der Nähe von Jerusalem gefunden haben. Doch die beiden etwa 15 Zentimeter großen Steinskulpturen hatten wahrscheinlich eine ganz andere Bedeutung: Die Ausgräber vermuten, dass sie in der Jungsteinzeit Jägern Glück bei der Jagd bringen sollten. Dafür schnitten sie vor 9000 bis 9500 Jahren die beiden Tiere aus Stein, den Widder aus Kalkstein, den Ochsen aus Dolomit.

"Es ist bekannt, dass die Jagd in dieser Zeit eine der Hauptaktivitäten war", sagt Grabungsdirektor Hamoudi Khalaily. "Die beiden Figuren könnten eine zentrale Rolle in einer traditionellen Zeremonie gespielt haben, die von den Jägern vor der Jagd abgehalten wurde." Die Fundstücke stammen aus dem präkeramischen Neolithikum B, als die Menschen der Region gerade begannen, das Leben als Jäger und Sammler aufzugeben und sesshaft zu werden.

Mitgräberin Anna Eirikh hat deshalb auch eine andere Theorie als Khalaily. Sie vermutet, die Figuren stünden im Zusammenhang mit der Domestizierung der Tiere. Dass sie überhaupt gefunden wurden, ist ein Zufall. Die Ausgrabung ist eine Notgrabung in Tel Moza, bevor dort der Highway 1 zwischen Jerusalem und Tel Aviv erweitert wird.

+++ Virtuelle Grabkammererkundung +++

Kammergrab Maeshowe aus der Jungsteinzeit: Besuch nun auch am Computer möglich.

Kammergrab Maeshowe aus der Jungsteinzeit: Besuch nun auch am Computer möglich.

Foto: Corbis

Der Weg auf die Orkneys im Norden von Schottland ist schon verdammt weit. Wer es nicht schafft, selbst dort hin zu kommen, kann aber ab sofort das Kammergrab Maeshowe virtuell erkunden. Die virtuelle Tour zeigt Maeshowe zur Wintersonnenwende, wenn die Strahlen der tiefstehenden Sonne direkt durch den Eingang fallen und den Hauptraum ganz mit Licht erfüllen. Aber auch von außen kann man mit der Maus um den Grabhügel herumgehen und ein Querschnitt zeigt, wie das Kammergrab konstruiert wurde - lange vor den Pyramiden in Ägypten.

Maeshowe wurde in der Jungsteinzeit errichtet und gehört zusammen mit den Siedlungen Skara Brae und Barnhouse sowie den Steinkreisen von Stennesse und Brodgar zu der Unesco-Weltkulturerbestätte "Heart of Neolithic Orkney". Die Monumente sind alle aufeinander ausgerichtet - so zeigt zum Beispiel das tempelartige Gebäude auf dem Ness of Brodgar direkt nach Maeshowe und der Hügel ist auch direkt in der Lücke zwischen den zwei großen Steinen, die im Zentrum der Stones of Stenness stehen, eingerahmt.

Die virtuelle Tour ist entstanden als Teil des "Scottish Ten" Projektes. Historic Scotland, die Glasgow School of Art und die Firma CyArk dokumentieren dafür fünf schottische und fünf internationale Unseso-Weltkulturerbestätten mit 3D Laserscans, um sie über das Internet allen zugänglich zu machen und den heutigen Erhaltungszustand zu bewahren.

+++ Lobgedicht auf eine Mörderin +++

Fotostrecke

Papyrusfund: Gedicht über Neros Gattin

Foto: AP

Eine Papyrus-Entzifferung aus der ägyptischen Stadt Oxyrhynchus hat ein seltsames Gedicht ans Licht gebracht. Es handelt sich um eine Vergöttlichung der Poppaea Sabina, der Frau des Kaisers Nero. Aufgeschrieben wurde es allerdings rund 200 Jahre nach deren Tod. In dem Gedicht steigt Poppaea Sabina zum Himmel auf und wird dort zur Göttin. Aphrodite sagt zu ihr: "Mein Kind, weine nicht und beeile Dich: Zeus' Sterne heißen Dich herzlich willkommen und richten Dir Deinen Platz auf dem Mond."

Poppaea Sabina war eine sehr umstrittene Figur. Angeblich bekam sie den Kopf von Neros erster Ehefrau, Octavia, präsentiert, nachdem Nero diese hatte umbringen lassen. Auch soll sie die treibende Kraft hinter der Ermordung von Neros Mutter gewesen sein. Poppaea Sabina allerdings starb auch keinen schönen Tod - sie kam durch einen Tritt Neros in ihren Unterleib ums Leben, als sie schwanger war.

Der Schriftsteller Sueton gab auch den Grund für Neros Wutausbruch an: Poppaea Sabina soll den Kaiser gescholten haben, als dieser zu spät vom Wagenrennen nach Hause kam. In dem Gedicht wird die Kaisergattin als liebevolle Ehefrau geschildert. Warum es aber 200 Jahre nach ihrem Tod und im weit von Rom entfernten Ägypten noch einmal aufgeschrieben wurde, ist nicht bekannt.

+++ Spuren der Belagerung +++

Kriegsspuren bei Charleston: Der Hafen wurde im US-Bürgerkrieg vier Jahre lang belagert.

Kriegsspuren bei Charleston: Der Hafen wurde im US-Bürgerkrieg vier Jahre lang belagert.

Foto: University of South Carolina

Es ist ein Gewirr aus mutwillig und zufällig versenkten Schiffen: Archäologen von der University of South Carolina sind nun fertig mit der Kartierung des Hafens von Charleston zu Zeiten des amerikanischen Bürgerkrieges. Als die Konföderierten und die Union um die Vormacht in Amerika kämpften, ging es hier hoch her: Der Hafen wurde vier Jahre lang belagert, von 1861 bis 1865.

Die Karte zeigt an, wo gekämpft wurde, wo Sperren gebaut wurden und wo Blockadenbrecher erwischt und versenkt wurden. Dabei gingen die Archäologen vor wie bei der archäologischen Untersuchung eines Schlachtfeldes an Land. Berühmtes Beispiel unter den Funden ist die First Stone Fleet, eine Reihe von Walfänger- und Handelsbooten aus Neuengland, die von den Truppen der Union mit Steinen gefüllt als Barrikade im Maffitt's Channel versenkt wurden.

Damit wollten sie verhindern, dass an dieser Stelle Schiffe mit Nachschub für die Stadt passieren konnten. Die Perspektive der Konföderierten hingegen war aus umgekehrter Richtung, von Charleston aus. Sie bauten Befestigungen, wie Fort Ripley, Fort Sumter und Fort Moultrie, um die feindlichen Schiffe beschießen zu können. Im Internet kann man eine virtuelle Tour   durch den Hafen zu Bürgerkriegszeiten machen.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.