Ausgegraben - Neues aus der Archäologie Brutale Schlacht im dänischen Sumpf

Hunderte Männer kämpften vor 2000 Jahren im Norden Dänemarks - jetzt fanden Archäologen die schrecklichen Spuren der Schlacht. Außerdem im archäologischen Wochenrückblick: Riesenkühlschrank soll ein Wrack konservieren, Haie in der Wüste - und ein Märtyrer-Kloster.

Die Funde erzählen eine grausame Geschichte: In einem Sumpf in Dänemark haben Archäologen die Zeugnisse einer brutalen Schlacht entdeckt. Vor 2000 Jahren starben hier Hunderte von Männern. Schon seit Jahren kamen in der Alken Enge Marsch nahe des Sees Mossø in Ostjütland immer wieder Knochen zum Vorschein.

Verletzter Schädel: Mit einer Axt durchschlagen

Verletzter Schädel: Mit einer Axt durchschlagen

Foto: Ejvind Hertz / Skanderborg Museum

Bei einer systematischen Ausgrabung fanden die Forscher um den Archäologen Ejvind Hertz vom Scanderborg Museum nun die Überreste des Schlachtens. Sie entdeckten schwer beschädigte Knochen, darunter einen eingeschlagenen Schädel und ein Schienbein, das mit einer Axt durchgeschlagen wurde. Dabei lagen die Waffen, die diese grausamen Wunden verursacht hatten: Äxte, Speere und Keulen. Auch Schilde fanden die Ausgräber. Nun hoffen sie, aus den Knochen noch mehr Einzelheiten über den genauen Ablauf der Schlacht oder die Herkunft der Männer erfahren zu können.

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Ausgegraben: Schlachtenopfer in Ostjütland

Foto: Ejvind Hertz / Skanderborg Museum

Auch die damalige Landschaft wollen sie rekonstruieren. Offenbar wurden die Leichen und Waffen am Boden eines kleinen Sees deponiert, aus dem erst später ein Sumpf wurde. Der Grundwasserspiegel änderte sich im Laufe der Jahrhunderte mehrmals.

+++ Kühlschrank für ein Schiff +++

Fast wäre Texas eine französische Kolonie geworden. Dann würden die Ölbarone mit den breitkrempigen Hüten heute beim Barbecue vielleicht keine Riesensteaks grillen, sondern Schnecken schlürfen und Froschschenkel knabbern. Denn im Jahr 1682 beanspruchte der Entdecker Rene-Robert Cavelier Sieur de La Salle als erster Europäer das Land entlang des Mississippi für Frankreich. Er rückte mit 300 Siedlern auf vier Schiffen an, um an der Mündung des großen Flusses eine Stadt zu gründen. Doch La Salle verfehlte den Mississippi um hunderte von Meilen und landete stattdessen in der Nähe des heutigen Mexiko.

Eines dieser Schiffe war die La Belle. Als sie 1686 mit Versorgungsgütern an Bord auf dem Weg zu der neuen Kolonie sank, bedeutete es das Aus für die Neugründung. Ohne den Nachschub war die von Krankheiten, Hunger und Indianerüberfällen gebeutelte Stadt verloren. Die Siedler gaben auf - und das Gebiet des heutigen Texas lag nun für die Spanier zur Eroberung bereit. Am Ende schaffte es die La Belle doch noch nach Texas.

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Ausgegraben: Das Schiff im Kühlschrank

Foto: Michael Graczyk/ AP

Unterwasserarchäologen fanden das Wrack im Jahr 1995. Seitdem basteln sie an einer Lösung, um das empfindliche Holz der Planken retten zu können.

Die Lösung ist ein Riesenkühlschrank. Mit 12 mal 2,4 Metern ist es der größte Kühlschrank auf dem Nordamerikanischen Kontinent. Er steht auf der alten Bryan Air Force Base und soll jetzt das Schiff aufnehmen. In dem Kühlschrank wird durch Gefriertrocknung nach und nach das Wasser aus dem alten Holz entfernt. Würde das Holz an der Luft trocknen, wäre die Belastung zu groß und es würde einfach zerkrümeln.

+++ Irisches Märtyrer-Kloster gefunden +++

Kloster des Heiligen Donnan

Kloster des Heiligen Donnan

Foto: J. R. Hunter

Auf der schottischen Hebriden-Insel Eigg haben Archäologen das Kloster des Heiligen Donnan gefunden. Er war einer der ersten Märtyrer, die bei dem Versuch starben, im Dunklen Zeitalter die Pikten zum Christentum zu bekehren. Auf Eigg gründete er ein muinntir, eine kleine Klostergemeinschaft. Damit zog er den Groll der Piktenkönigin von Moidart auf sich. Zwar waren ihre eigenen Leute zu feige, Donnan zu beseitigen, doch die Normannen erledigten den Job. Am Ostersonntag des Jahres 617 töteten sie während der Messe Donnan und 50 seiner Mönche.

Die Ausgräber fanden nun ovale Fundamente im Kildonnan Graveyard. Kirchen aus jener frühen Zeit waren von runden oder ovalen Mauern umgeben, mit denen die Welt Gottes von der normalen Welt abgeschirmt werden sollte. Piktische Keramik in den Gräbern aus dem 7. Jahrhundert bezeugt, dass der Ort schon damals besiedelt war.

Der Legende nach hatte Donnan zunächst den Heiligen Columba in Iona gefragt, ob er bei der Christianisierung der Pikten sein annam cara sein würde - sein Seelenfreund. Columba aber lehnte ab, weil er angeblich "den roten Mantel des Märtyrers" bereits um Donnans Schultern liegen sah.

+++ Onkel Toms Schmiede +++

Rileys Farm: Schmiede aus Onkel Toms Zeit

Rileys Farm: Schmiede aus Onkel Toms Zeit

Foto: MATT HOUSTON/ ASSOCIATED PRESS

Im Jahr 1852 veröffentliche Harriet Beecher Stowe ihren Roman "Onkel Toms Hütte" - der gleich nach der Bibel das meistverkaufte Buch des 19. Jahrhunderts in den USA werden sollte. Der Roman trug maßgeblich zum Wachstum der Anti-Sklaverei-Bewegung bei, die schließlich neun Jahre später zum amerikanischen Bürgerkrieg führte.

Als Vorlage für den Roman diente die Autobiographie des entlaufenen Sklaven Jesiah Henson. Er musste 35 Jahre lang, von 1795 bis 1830, auf der Farm des Landbesitzers und Schmieds Isaac Riley in North Bethseda im US-Bundesstaat Maryland schuften, bevor ihm die Flucht nach Kanada gelang.

Jetzt haben Archäologen auf dem Gelände der Farm Rileys eine Schmiede gefunden, die aus den Tagen Hensons stammen könnte. Das Gebäude stand jedenfalls am Ende des 17. Jahrhunderts und zu Beginn des 18. Jahrhunderts. Die Fundamente waren auf Luftbildern sichtbar und konnten mit Hilfe von Bodenradar sicher lokalisiert werden.

Der Besitzer des Grundstücks hat nun ebenfalls seine Einwilligung für eine Ausgrabung gegeben. Die ehemalige Schmiede liegt an der Old Georgetown Road. Die Straße ist heute von millionenschweren Anwesen gesäumt.

+++ Hai-Paradies in der Wüste +++

Highway 89A in Arizona: Haie im Perm

Highway 89A in Arizona: Haie im Perm

Foto: Corbis

Im Perm wurde Arizona beherrscht von Haien. Neue Ausgrabungen in der Kaibab Formation im nördlichen Arizona haben zahlreiche neue Haiarten ans Tageslicht gebracht. Mittlerweile steht fest, dass vor rund 270 Millionen Jahren das heutige Arizona die größte Haivielfalt des mittleren Perm beherbergte.

Von den Neuentdeckungen berichten der Paläontologe John-Paul Hodnett von der Northern Arizona University und Kollegen in der jüngsten Ausgabe der Zeitschrift Historical Biology. Zu den neu entdeckten Arten gehören der kleine Nanoskalme natans (Schwimmende Zwergklinge), der mittelgroße Neosaivodus flagstaffensis (neuer Saivodus aus Flagstaff) oder der große Kaibabvenator swiftae (Swifts Kaibab-Jäger), der ähnlich dem heutigen großen weißen Hai ebenfalls andere Haiarten fraß.

Im Perm war die Region von einem flachen, warmen Meer bedeckt. Heute ist es ein Hochplateau, dicht bewachsen mit Gelbkiefern. Die neuen Funde zeigen, wie vielfältig das damalige Leben im Meer war - und das bereits 45 Millionen Jahre, bevor die ersten Dinosaurier auftauchten.

"Zu der Zeit waren Haie die weitverbreitetsten Wirbeltier-Räuber der Meere, sowohl in der Zahl als auch in den Arten", sagt Hodnett. "Sie füllten Nischen, die erst später von Knochenfischen und sogar Säugetieren wie Walen ausgefüllt wurden."

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