Marodes Bergwerk Bundesamt prüft Verbleib von Atommüll in der Asse

Mehr als 120.000 Fässer mit schwach und mittelstark strahlendem Atommüll liegen im maroden Bergwerk Asse. Eigentlich soll der Atommüll gehoben werden. Doch jetzt prüft das Bundesamt für Strahlenschutz, ob er nicht doch unter der Erde bleiben kann.

Radioaktiv: Aufgebrochene Einlagerungskammer in der Asse
dapd

Radioaktiv: Aufgebrochene Einlagerungskammer in der Asse


Braunschweig - Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) hält weiterhin an seinem Plan fest, die radioaktiven Abfälle aus dem maroden Atommülllager Asse bergen zu wollen. Gleichzeitig prüft die Behörde aber auch, was bei einem Verbleib des Atommülls in dem früheren Bergwerk passieren würde. Rund 126.000 Fässer mit radioaktivem Abfall liegen in der Asse unter der Erde, ein Teil davon befindet sich in einsturzgefährdeten Stollen des ehemaligen Salzbergwerks.

Es werde untersucht, "ob die Schutzziele des Atomgesetzes auch bei einem Verbleib der radioaktiven Abfälle in der Anlage erreicht werden können", sagte BfS-Vizepräsidentin Stefanie Nöthel der "Braunschweiger Zeitung". Bei den Prüfungen handele es sich zunächst um eine "Konzeptskizze". Der "BfS-interne" Auftrag hierfür sei am 19. September erteilt worden.

"Wenn es tatsächlich das Resultat seriöser und vertrauenswürdiger Berechnungen wäre, dass die Abfälle unten bleiben können, ohne dass langfristig die Sicherheit gefährdet ist, dann wäre das für alle erfreulich", sagte Nöthel weiter. Dies würde für die Menschen bedeuten, dass sie keine unzulässigen Belastungen befürchten müssten - weder aus der Erde, noch durch eine Rückholung. Sie rechne aber nicht mit einem solchen Ergebnis, fügte Nöthel hinzu.

BfS muss für plötzliche Flutung vorbereitet sein

2010 hatte sich das BfS nach einem Vergleich verschiedener Optionen zur Sanierung für die Bergung der Abfälle entschieden. Nur so könne die langfristige Sicherheit von Menschen und Umwelt gewährleistet werden, hieß es. "Wir verfolgen konsequent die Rückholung", sagte Nöthel nun dem Blatt. "Es gibt aber die Möglichkeit, dass sie nicht gelingt oder dass es einen plötzlichen großen Wasserzutritt gibt". Für diesen Fall müsse das BfS vorbereitet sein und wissen, wie dann mit der neuen Situation umzugehen sei.

Zudem bringe eine Rückholung Belastungen für die Bergleute und für die Menschen über Tage mit sich, betonte Nöthel. "Um die Abfälle zurückholen zu können, muss sich zeigen, dass es unter Tage nicht möglich ist, die Abfälle langfristig sicher unterzubringen. Wenn ich diesen Nachweis nicht erbringen kann, dann wird uns das niedersächsische Umweltministerium keine Genehmigung für die Rückholung erteilen".

Die Gesellschaft für Strahlen- und Umweltforschung (GSF) hatte die Asse 1965 im Auftrag der Bundesrepublik für 900.000 Mark erworben und ein Atommülllager eingerichtet. Bei der Einlagerung der rund 126.000 Atommüllfässer in das frühere Salzbergwerk soll es zahlreiche Mängel gegeben haben.

irb/dapd

insgesamt 41 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
haichen 04.10.2012
1.
Wegen diesem Schlamassel bin ich mittlerweile der Meinung, dass Atommüll zumindest für ein paar Jahrhunderte noch rückholbar gelagert werden sollte. Große Bunkerhallen, ein paar Meter mit Erde bedeckt wären wohl die beste Lösung.
no-panic 04.10.2012
2.
Über Wahnvorstellungen ließe sich trefflich diskutieren, Sie dürfen für Ihre Beispiele sicher nicht nur Zustimmung ernten ;) Zum Thema Asse: Verbleibt der Müll unter Tage, entzieht man ihn jeglicher Kontrolle und der Möglichkeit, noch einmal darauf zugreifen zu können, um eine Katastrophe zu verhindern. Einmal verfüllt und verschlossen, wird man nie mehr wissen, wie sich das Lager entwickelt. Es gibt keine Möglichkeit, den Müll und die Umgebung zu kontrollieren. Man wird nicht feststellen können, ob Wasser eindringt und welchen Weg dieses Wasser nimmt. Für den Fall, daß irgendwo, irgendwann einmal kontaminiertes Wasser oder gar festes Material an die Oberfläche gelangt, wird es nur mit unglaublichem Aufwand möglich sein, an den Müll zu gelangen, um ihn eventuell doch noch zu bergen und umzulagern. Ein weiterer Nachteil, den ich sehe, ist eher psychologischer Natur. "Aus den Augen, aus dem Sinn", so wird heute schon oft gehandelt und auch gefordert. Macht man die Asse jetzt zum Präzedenzfall und verschließt den Müll vor der Welt, ist der Schritt zum nächsten Lager dieser Art nicht weit. Die Option, irgendwo ein Loch zu graben und Müll darin zu verschliessen, wird in greifbare Nähe rücken. Die Asse in ihrem maroden Zustand ist der denkbar schlechteste Ort, um Müll sich selbst und dem Vergessen zu überlassen!
dlmaj 04.10.2012
3. Aha!
"...Sie rechne aber nicht mit einem solchen Ergebnis, fügte Nöthel hinzu." Das nennt man dann wohl ergebnisoffene und neutrale Untersuchung.
sapperlot 04.10.2012
4.
sonst würde er nicht solch hanebüchenen Unsinn von sich geben. Würde er in der Gegend um die Asse leben und müsste befürchten, dass spätestens seine Kinder durch Radioaktivität im Grundwasser geschädigt werden können, würde er anders schreiben. Die Geschichte ist einfach zu erklären: Eisen ohne wasser = hält lange, Eisen mit Wasser = langssames Rosten, Eisen mit Wasser uns Salz = schnelles (Durch-) Rosten. Solange die Fässer noch trocken liegen, ist es teuer, aber noch relativ einfach, sie aus der Asse zu holen, sobald Wasser in die Kammern mit den Fässern eindringt, wird es noch teurer, schwierig und muss schnell gehen, damit die Fässer nicht durchrosten. Wartet man zu lange, wird es unbezahlbar, z.T. technisch unmöglich und es besteht die Gefahr, dass radioaktives Material ins Grundwasser gelangt. Warum Bundes- und Landesregierungen das den Bürgern nicht sa eifach sagen können (oder wollen?) ist mir unbegreiflich. Wie schwer die Schäden im ungünstigsten Fall, nämlich dem, dass die Fässer liegen bleiben und massenhaft durchrosten, lässt sich nicht beziffern, dass es große Schäden sein werden, sogar zu Katastrophe kommen kann, sollte auch im Bundesamt für Strahlenschutz heute schon klar sein. Oder greift die Arbeit dieser Behörde erst, wenn der Schaden da ist?
ANDIEFUZZICH 04.10.2012
5. Erkenntnisse
Zitat von sysopdapdMehr als 120.000 Fässer mit schwach und mittelstark strahlenden Atommüll liegen im maroden Bergwerk Asse. Eigentlich soll der Atommüll gehoben werden. Doch jetzt prüft das Bundesamt für Strahlenschutz, ob er nicht doch unter der Erde bleiben kann. http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/asse-bfr-prueft-verbleib-der-radioaktiven-abfaelle-im-atommuelllager-a-859463.html
Jetzt würde man gerne noch wissen, wieviele von den Fässern überhaupt noch intakt sind, seit mehreren Jahren wird das ja angeblich erkundet. Gerne würde man auch erfahren, ob es nicht Erkenntnisse über hochradioaktiven Müll gibt, der dort eventuell auch eingelagert wurde, denn allein mit schwach und mittelradioaktivem Müll, lässt sich doch eine besondere Gefährdung der Arbeiter nicht erklären. Das ganze riecht immer mehr nach taktischem Zeitspiel.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.