Atom-Katastrophe Aufräumarbeiten in Fukushima können noch Jahrzehnte dauern

Japan wird noch jahrelang mit den Auswirkungen der Atomkatastrophe von Fukushima zu kämpfen haben - so lautet erstmals die Prognose der Regierung in Tokio. Allein zehn Jahre würde es dauern, bis die geschmolzenen Brennstäbe in dem havarierten AKW entnommen werden können.
Anlage von Fukushima Daiichi im Juni: Wann die Schäden beseitigt sind, ist unklar

Anlage von Fukushima Daiichi im Juni: Wann die Schäden beseitigt sind, ist unklar

Foto: DPA /TEPCO

Tokio - Vor knapp vier Monaten führte ein Erdbeben zur Havarie des Fukushima-Reaktors in Japan und löste damit die weltweit schwerste Atomkatastrophe seit dem Super-Gau von Tschernobyl aus. Jetzt äußerte sich die japanische Regierung erstmals zu einem Zeitrahmen für die umfassenderen Aufräumarbeiten Atomanlage. Demnach wird das Land noch Jahrzehnte mit der Beseitigung der Schäden zu kämpfen haben.

Zahlreiche Menschen hätten aus dem Gebiet der Anlage in Sicherheit gebracht werden müssen und es werde wohl bis zu zehn Jahre dauern, um die Situation in der Atomanlage Fukushima unter Kontrolle zu bekommen, sagte Japans Regierungschef Naoto Kann in Tokio. "Bis der Unfall komplett ausgestanden ist, könnten sogar noch mehrere Jahrzehnte vergehen", fügte er hinzu.

Berichten des TV-Senders NHK zufolge gehen die japanische Atomenergiebehörde und der Betreiber der Anlage in Fukushima, Tepco, davon aus, dass sie erst 2021 mit der Entnahme der in drei Reaktoren geschmolzenen Brennstäbe beginnen können. Bis zum endgültigen Abriss der beschädigten Reaktoren könnten laut NHK-Bericht auch Tepco zufolge noch Jahrzehnte vergehen.

Mitte März hatten ein Erdbeben der Stärke 9,0 und eine nachfolgende Tsunamiwelle im Nordosten Japans verheerende Schäden angerichtet. Infolge dessen wurden Teile der Anlage in Fukushima schwer beschädigt, in drei der sechs Reaktoren kam es zu einer Kernschmelze. Dadurch trat erhöhte Radioaktivität aus und die größte Atomkatastrophe seit dem Reaktorunfall von Tschernobyl vor 25 Jahren wurde ausgelöst.

Derweil steht Kans Regierung weiterhin für ihr Krisenmanagement in der Kritik. Kan hat bereits seinen Rücktritt für einen unbestimmten Zeitpunkt nach Bewältigung der ersten Notmaßnahmen angekündigt. Zwischen AKW-Betreibern und der Regierung ist unterdessen ein Streit über geplante Stresstests für Atomkraftwerke entbrannt, der den Zeitplan für das Wiederhochfahren stillgelegter Meiler verzögern könnte. Derzeit sind nur 19 der 54 Atomkraftwerke am Netz - Japan drohen nun Stromengpässe auch über den Sommer hinaus. Die Regierung hat bereits offiziell Stromsparen angeordnet, um einen Kollaps zu vermeiden.

lgr/AFP/Reuters
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