Atomanlage Sellafield Hohe Strahlung soll natürliche Ursache haben

In Sellafield gibt der Betreiber Entwarnung: Die hohe Radioaktivität in der Atomanlage gehe auf natürliche Radonstrahlung zurück. Wegen der auffälligen Werte sind in Sellafield derzeit nur die wichtigsten Mitarbeiter im Einsatz.
Atomkomplex Sellafield (Archivbild): Ungewöhnlich hohe Radioaktivitätswerte

Atomkomplex Sellafield (Archivbild): Ungewöhnlich hohe Radioaktivitätswerte

Foto: Christopher Furlong/ Getty Images

London - Die Nachricht aus dem britischen Sellafield sorgte am Freitagmorgen für Besorgnis: Wegen erhöhter Werte von Radioaktivität waren die Mitarbeiter der Wiederaufbereitungsanlage aufgefordert worden, zu Hause zu bleiben. Wie der Betreiber mitteilte , laufe das Werk aber im normalen Betrieb weiter - allerdings nur mit den wichtigsten Mitarbeitern. Die Radioaktivitätswerte lägen über den natürlich auftretenden, seien jedoch weit unter denen, bei denen Mitarbeiter reagieren müssten.

Nun gab das Unternehmen bekannt, die Ursache der auffälligen Strahlungswerte gefunden zu haben: "Nach unseren Analysen können wir nun bestätigten, dass diese Werte auf natürlich vorkommende Radon-Hintergrundstrahlung zurückgehen." Ein Risiko für die Mitarbeiter oder die Öffentlichkeit habe nicht bestanden. Zudem hätten Tests gezeigt, dass alle Anlagen korrekt und normal liefen.

In einer Mitteilung des Energieministeriums hieß es: "Wir stehen in ständigem Kontakt mit Sellafield, aber wir haben keinen Grund zu glauben, dass die Lage ernster ist, als sie sagen." Auch von der Gewerkschaft Prospect, die rund 5000 Atomspezialisten in Sellafield vertritt, hieß es, die Werte seien innerhalb der akzeptablen Grenzen und stellten keine Gefahr für die Gesundheit von Menschen oder die ganze Anlage dar.

Zuletzt wegen Wintereinbruchs abgeschaltet

Die Anlage in Sellafield ist seit Jahrzehnten umstritten. Sie wird zur Lagerung nuklearer Abfälle und zur Wiederaufbereitung benutzter Brennelemente verwendet. Sie ist der älteste und größte Atomkomplex in Europa und wird auch von deutschen Kraftwerksbetreibern zur Wiederaufbereitung benutzter Brennstäbe verwendet. Auf dem Gelände befinden sich noch etliche Castoren mit hochradioaktivem Abfall, die zurück nach Deutschland transportiert werden sollen.

Im vergangenen März musste der Betrieb der Atomanlage im Nordwesten Englands vorübergehend ausgesetzt werden, weil Sturmböen und Schnee die Sicherheit der Mitarbeiter gefährdeten. "Sellafield besteht aus mehr als 1300 Gebäuden, und wenn die Anlage in Betrieb ist, gleicht sie einer kleinen Stadt - mit mehr als 10.000 Leuten, die dort arbeiten und sich auf dem Gelände bewegen", erklärte der Betreiber damals.

Wegen der Sturmböen, des starken Schneefalls und der Tatsache, dass viele Straßen bereits gesperrt seien, sei es für die Arbeiter schlicht nicht sicher genug. Also versetzte der Betreiber die Atomanlage als Vorsichtsmaßnahme in "einen kontrollierten Abschaltungszustand" und schickte die Beschäftigten der Wiederaufbereitungsanlage und Einrichtungen zur Lagerung von Atommüll nach Hause. Eine Gefahr für die Sicherheit der Anlage habe auch im März 2013 nicht bestanden.

Schwere Zwischenfälle 1957 und 2005

Der schwerste Zwischenfall in der früher nach dem Nachbarort Windscale benannten Anlage ereignete sich im Oktober 1957. Damals brach in einem zum Bau von Bombenplutonium genutzten Reaktor ein Feuer aus. Beim Versuch, den Brand zu löschen, entwichen radioaktive Gase in die Atmosphäre und verseuchten ein Gebiet von mehreren hundert Quadratkilometern. Zeitweilig war hier die Milcherzeugung verboten. Der Reaktor wurde stillgelegt.

Einen weiteren Skandal gab es 2005, als bekannt wurde, dass nach einem Rohrbruch etwa 20 Tonnen eines hochaktiven Uran-Plutonium-Gemischs in Salpetersäure in eine Auffangwanne geflossen waren. Für Menschen und Umwelt habe keine Gefahr bestanden, betonte der Betreiber.

che/dpa/AP/Reuters
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