Tihange 2 und Doel 3
Hendricks bittet Belgien, Atomkraftwerke abzuschalten
Trotz Rissen in Druckbehältern laufen die belgischen Atomreaktoren Tihange 2 und Doel 3 weiter. Umweltministerin Barbara Hendricks forderte die belgische Regierung nun dazu auf, die Meiler vom Netz zu nehmen.
Die Bundesregierung hat Belgien ersucht, zwei Atomreaktorblöcke aus Sicherheitsgründen vorübergehend vom Netz zu nehmen. Umweltministerin Barbara Hendricks bat die Regierung in Brüssel, Tihange 2 und Doel 3 "bis zur Klärung offener Sicherheitsfragen" herunterzufahren, wie ihr Ministerium am Mittwoch mitteilte.
In den Reaktordruckbehältern der beiden Anlagen waren Risse gefunden worden. Die unabhängige Reaktorsicherheitskommission kann demnach nicht bestätigen, dass sie auch im Störfall sicher wären. Hinweise auf das Gegenteil gebe es allerdings auch nicht.
Der Schritt "wäre ein starkes Zeichen der Vorsorge", erklärte Hendricks, die sich zurzeit zum deutsch-chinesischen Umweltforum in der chinesischen Stadt Nanjing aufhält, der Mitteilung zufolge. "Und er würde zeigen, dass Belgien die Sorgen seiner deutschen Nachbarn ernst nimmt." Eine rechtliche Handhabe hat die Ministerin nicht.
Sicherheit bei Störfall unklar
Hendricks habe ihre Bitte aufgrund einer
Stellungnahme der deutschen Reaktorsicherheitskommission (RSK)
und nach Gesprächen mit Brüssel geäußert, teilte ihr Ministerium mit. Anfang April hatte sich eine neu gegründete deutsch-belgische Arbeitsgruppe zur nuklearen Sicherheit mit Tihange 2 und Doel 3 befasst. Dem Umweltministerium zufolge befürworten deutsche wie belgische Experten weitere Untersuchungen, Belgien habe dazu schon Vorschläge gemacht.
Aus dem Bericht der unabhängigen RSK-Experten geht hervor, dass sie davon ausgehen, dass die Wände der Reaktordruckbehälter im Alltagsbetrieb keine Probleme machen. Im Hinblick auf einen Störfall sind die Experten aber nicht sicher, ob ausreichend Sicherheitsreserven eingehalten werden. Wörtlich schreibt die RSK: "Aus heutiger Sicht gibt es keine konkreten Hinweise, dass die Sicherheitsabstände aufgezehrt sind. Es kann aber auch nicht bestätigt werden, dass diese sicher eingehalten werden."