Atomlager Asse Erste Müllkammer wird im November angebohrt

Wie geht es weiter bei der Sanierung der maroden Atommülldeponie Asse? Das Bundesamt für Strahlenschutz hat nun einen Zeitplan vorgelegt. Demnach wird im November die erste Abfallkammer angebohrt. Seit mehr als 30 Jahren liegen dort Fässer mit strahlendem Müll.

Atommüll in der Asse (Archivbild): "Seit mehr als 30 Jahren verschlossen und unzugänglich"
DPA

Atommüll in der Asse (Archivbild): "Seit mehr als 30 Jahren verschlossen und unzugänglich"


Remlingen - Rund 126.000 Fässer mit Atommüll liegen in der einsturzgefährdeten Asse. Geht es nach dem Bundesamt für Strahlenschutz (BfS), so sollen sie nach Möglichkeit alle herausgeholt werden. Nun gibt es einen Zeitplan für das Milliardenprojekt: Demnach soll im November die erste Abfallkammer angebohrt werden.

Das sei der erste Schritt einer Probephase zur Rückholung des radioaktiven Mülls, sagte ein BfS-Sprecher. In einem zweiten Schritt würden zwei Einlagerungskammern geöffnet, in einem dritten die Abfälle probeweise geborgen. Das Anbohren der Kammer 7 in 750 Metern Tiefe werde Anfang November beginnen, kündigte das BfS an. Zwei Spezialfirmen träfen derzeit die nötigen Vorbereitungen.

In einer der Kammern waren zwischen 1977 und 1978 mehr als 4300 Fässer mit radioaktiven Abfällen abgekippt oder gestapelt worden. Im Anschluss soll die Kammer 12 angebohrt werden. "Damit werden erstmals die konkreten Bedingungen in einer Kammer erfasst, in der sich die Fässer seit mehr als 30 Jahren verschlossen und unzugänglich befinden", sagte der BfS-Sprecher.

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Atommüll: Schwierigkeiten bei der Endlagerung
Durch das Bohrloch sollen Proben entnommen und Sonden eingeführt werden. Mit ihrer Hilfe soll ermittelt werden, wie stark die Luft in der Kammer radioaktiv belastet ist - und ob sich giftige oder explosive Substanzen darin befinden. Außerdem soll geklärt werden, in welchem Zustand die Kammer und Atommüllbehälter sind - und ob es Salzlauge in der Nähe gibt.

In der Asse wurden bis 1978 Fässer mit schwach- und mittelradioaktivem Abfall eingelagert - dabei galt die Anlage offiziell als Forschungsbergwerk. Das BfS will das unterirdische Lager in einem weltweit bislang einmaligen Vorgang räumen. Die Kosten dafür sollen bei rund 3,7 Milliarden Euro liegen.

Bürgerinitiativen in der Nähe des Atomlagers haben für die Zeit zwischen dem 5. und dem 13. Juni eine Aktionswoche angekündigt. Höhepunkt soll eine nächtliche Demonstration an der Schachtanlage sein.

chs/ddp

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