Atommüll Berlin plant Stresstests für alle Zwischenlager

Was passiert beim Absturz eines Flugzeugs auf gekühlte Brennstäbe? Die Bundesregierung will alle atomaren Zwischenlager in Deutschland einem Stresstest unterziehen. Ende des Jahres sollen die Ergebnisse vorliegen.

Zwischenlager des Kernkraftwerks Gundremmingen: "Eer unstressig und gemächlich"
dapd

Zwischenlager des Kernkraftwerks Gundremmingen: "Eer unstressig und gemächlich"


Berlin - Fukushima hat die Welt verändert: Nach den Explosionen in den japanischen Meilern standen und stehen Atomkraftwerke weltweit auf dem Prüfstand. Die deutsche Regierung beschloss sogar den Atomausstieg. Berlin will auch sämtliche atomaren Zwischenlager in Deutschland einem Stresstest unterziehen. Dies geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine kleine Anfrage der Grünen-Bundestagsfraktion hervor.

Die Entsorgungskommission (ESK) untersuche "alle Einrichtungen für die Aufbewahrung bestrahlter Brennelemente in Transport- und Lagerbehältern", heißt es in dem Schreiben des Umweltministeriums an die Abgeordnete Sylvia Kotting-Uhl. Überprüft werden soll demnach ausdrücklich auch das Risiko bei einem Flugzeugabsturz.

Untersucht werden sollen oberirdische Zwischenlager in unmittelbarer Nähe von Atomkraftwerken sowie in Ahaus und Gorleben. Das Bergwerk Asse, in dem rund 126.000 Fässer mit radioaktiven Abfällen lagern, ist laut Bundesumweltministerium nicht Gegenstand der Stresstests. Wärme entwickelnde radioaktive Abfälle und bestrahlte Brennelemente werden zunächst nahe der Atomkraftwerkegelagert. Ein Endlager für stark strahlende atomare Abfälle gibt es in Deutschland bislang nicht. Bei der Suche danach sollen die Bürger aktive Mitspracherechte bekommen, hat Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) versprochen.

Ein Kriterienkatalog für den Stresstest wird nach Angaben des Ministeriums von der ESK derzeit erarbeitet. Bevor die eigentliche Untersuchung beginnen kann, muss zudem noch die Frage geklärt werden, welche Sachverständigen den Prozess begleiten. Das Ergebnis der Überprüfung soll voraussichtlich Ende des Jahres vorliegen.

Kritik der Grünen am Verfahren

Kotting-Uhl kritisierte das Tempo der Vorbereitungen für die geplanten Stresstests. Bislang verliefen diese "eher unstressig und gemächlich", sagte sie. "Es wird Zeit, dass jetzt wenigstens einmal der Fragenkatalog auf den Tisch kommt", fügte sie hinzu. Seit der Rücknahme der Laufzeitverlängerung sei bei der Bundesregierung die Luft raus. Zugleich beklagte sie, dass die Kriterien des AKW-Stresstests zu lasch gewesen seien und forderte eine strengere Grundlage für die Sicherheitsüberprüfung der Zwischenlager.

In den Stresstest sollen "nach bisheriger Einschätzung" unter anderem auch "Einrichtungen für die Be- und Verarbeitung" einbezogen werden, zu denen insbesondere die Landessammelstellen gehören, in denen Abfälle aus Industrie, Forschung und Medizin gelagert werden. Die Abklingbecken der Atomkraftwerke werden hingegen von der Reaktorsicherheitskommission untersucht.

Hinweis: Asse ist nicht Teil der geplanten Stresstests. Im Schacht Konrad lagert bislang noch kein Atommüll, die Anlage wird derzeit für eine künftige Einlagerung vorbereitet.

hda/dapd

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keksguru 13.02.2012
1. jämmerliches Schwabentum
seit zig Jahren gibt es laserverschweißte Edelstahlfässer, die mit Helium auf Dichtigkeit geprüft werden - und für ein Kilo schwachaktive Abfälle kriegen die Entsorger 500 Euro. In so ein Faß passen 152 Liter rein - warum zum Henker haben die damals die Dreistigkeit gehabt den Müll in BLECHFÄSSER einzufüllen? Bloß um ein paar Märker zu sparen? Alleine deshalb gehört die gesamte Atomindustrie VERBOTEN. Es hätte auch bei der Entsorgung eine halbwegs saubere Sache sein können, jedoch weiß jedes Kind daß salzige Athmosphäre und Blech sich nicht vertrgaen, deshalb rosten Autos an der Nordseeküste doppelt so schnell wie z.B. in Stuttgart. Sowieso gehört die ganze deutsche Stromwirtschaft grundlegend renoviert, ansonsten ist es einfach nicht einzusehen, daß da bei den Herstellern, Netzbetreibern bis hin zum Endverbraucher ein unglaubliches SCHMAROTZERTUM betrieben wird, das aus ca. 1 cent/kWh 20 cent machen. Ok, ein wenig Steuern ist ok, Erneuerbare Energieabgabe sind acuh ein paar Cent, aber der Großteil versickert in Verwaltungsgebühren, Trafogebühren, Durchleitungsgebühren, Konzessionsabgaben..... ab 100.000 kWh im Jahr lassen sie sich noch zu nem Industrietarif herab, 9,6 Cent nachts und 19 tagsüber.... aber als Privatverbraucher ist man dem machtlos gegenüber ausgeliefert. Das DESY in Hamburg, die Affinierie (jetzt Aurubis) sind davon befreit.... die bezahlen ca. 2 Cent / kWh. In Frankreich, wo die gesamte Energieerzeugung in staatlihcer Hand ist kost ne kWh ca. 5 Cent, in Schweden auch. Und bei uns lachen Investmentgesellschaften auf den Cayman Inseln sich tot.
Altesocke 13.02.2012
2.
Stresstestergebnise erst Ende des Jahres? Warum dauert das so lange? Oder muessen die gewuenschten Ergebnisse erst noch Lager fuer Lager ausgewuerfelt werden, bevor der Test dann entsprechend bestanden werden kann? Ich denke gerade an den EU-Stresstest der Banken, mit dem Ergenis 'Alles ist gut', und den notwendigen Milliarden 6 Monate spaeter, um eben diese Banken nicht 'in Schieflage' geraten zu lassen. Wer prueft, der Atombetreiber-Tuev aus Bayern?
Schiebetürverriegler 13.02.2012
3. Zuerst
Zitat von AltesockeStresstestergebnise erst Ende des Jahres? Warum dauert das so lange? Oder muessen die gewuenschten Ergebnisse erst noch Lager fuer Lager ausgewuerfelt werden, bevor der Test dann entsprechend bestanden werden kann? Ich denke gerade an den EU-Stresstest der Banken, mit dem Ergenis 'Alles ist gut', und den notwendigen Milliarden 6 Monate spaeter, um eben diese Banken nicht 'in Schieflage' geraten zu lassen. Wer prueft, der Atombetreiber-Tuev aus Bayern?
müssen die Foristen "Promethium" und "x+n" (oder wars n+x ?) noch ihr OK dafür geben. Erst dann wird das Ergebnis freigegeben.
no-panic 13.02.2012
4.
Zitat von AltesockeStresstestergebnise erst Ende des Jahres? Warum dauert das so lange? Oder muessen die gewuenschten Ergebnisse erst noch Lager fuer Lager ausgewuerfelt werden, bevor der Test dann entsprechend bestanden werden kann? Ich denke gerade an den EU-Stresstest der Banken, mit dem Ergenis 'Alles ist gut', und den notwendigen Milliarden 6 Monate spaeter, um eben diese Banken nicht 'in Schieflage' geraten zu lassen. Wer prueft, der Atombetreiber-Tuev aus Bayern?
Das Zeug liegt jetzt schon teilweise Jahrzehnte einfach so in der Gegend rum, bzw wurde, wie in der ASSE, "verstürzt"! Da kommt es auf ein paar Monate mehr doch nicht an, oder? Das Ergebnis ist sowieso klar: "Deutscher Atommüll ist sicher, eßbar und mit dem "BIO" Siegel versehen! Außerdem verdienen da ein paar Leute echt viel Geld dran und deshalb ist die derzeitige Lagerung alternativlos!" ;)
basti313 13.02.2012
5. Scheinheiliges Getue von den Urhebern des Problems
Zitat von AltesockeStresstestergebnise erst Ende des Jahres? Warum dauert das so lange? Oder muessen die gewuenschten Ergebnisse erst noch Lager fuer Lager ausgewuerfelt werden, bevor der Test dann entsprechend bestanden werden kann? Ich denke gerade an den EU-Stresstest der Banken, mit dem Ergenis 'Alles ist gut', und den notwendigen Milliarden 6 Monate spaeter, um eben diese Banken nicht 'in Schieflage' geraten zu lassen. Wer prueft, der Atombetreiber-Tuev aus Bayern?
Jetzt brauchen wir ganz dringend einen Stresstest? Wieso haben wir diesen nicht gebraucht als Rot/Grün den ganzen Atommüll 2000 nur noch in besseren Lagerhallen abgestellt sehen wollte? Man machte schön.....[/QUOTE] Mooooment....wer hat da was falsch gemacht und wer soll "die Atomindustrie" in Bezug auf die Asse sein? "Die Atomindustrie" besteht in dem Fall immerhin mit aus Medizin und der Grundlagenforschung, die schwach- bis mittelradioaktive Abfälle einlagern haben lassen. Nun zum "paar Märker sparen": Hauptkunde der Asse waren staatliche Stellen. Das Geld ging auch an den Staat. Im Endeffekt eine Nullsumme. Das man den Preis und die Anforderungen für die Privatwirtschaft nicht entsprechend hoch angesetzt hat, bzw. überhaupt einlagern hat lassen ist nicht der Fehler der Privatwirtschaft, sondern ein Fehler der Verwaltungsbehörden die die Asse betrieben haben. Man kann leicht mit dem Finger auf die "Privatwirtschaft" zeigen, aber die ist in dem Fall am wenigsten Schuld. Man hätte die Beamten die für die Sauerei verantwortlich waren zur Verantwortung ziehen müssen und jede Regierung die die Räumung der Asse bisher verschleppt hat (ja, auch Rot/Grün) muss sich den Schuh anziehen hier geschlampt zu haben. Können sie sich nicht ausmalen wie die Situation aussieht? Da wir die Endlagersuche über 10 Jahre verschleppt haben stehen wir mit ner Menge Atommüll da. Dieser Atommüll verschwindet weder durch einen Atomausstieg noch durch irgend eine andere grüne Phantasie. Dieser Atommüll lagert nun in völlig ungeeigneten Lagerhallen. Jetzt soll ein Stresstest gemacht werden, der alle deutschen Zwischenlager sicher disqualifiziert wenn er eine ganz leichte Schärfe besitzt die noch lange nicht angemessen und ausreichend ist. Am Ende haben wir KEIN Endlager, KEIN Zwischenlager aber einen Haufen Müll den wir mit derzeitigen Möglichkeiten gar nicht lagern dürfen...tolle Situation.
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