Atommüll-Endlager in Baden-Württemberg Landesbehörde hält eigene Region für untauglich

Wohin mit dem hochradioaktiven Abfall? Baden-Württembergs Ministerpräsident Kretschmann hat sich für eine bundesweite Endlagersuche ausgesprochen. Doch seine Geologiebehörde stellt nun klar: Das Bundesland komme für Atommüll nicht in Frage.
Salzstock Gorleben: Stockende Endlagersucher

Salzstock Gorleben: Stockende Endlagersucher

Foto: dapd

Freiburg - Die Suche nach einem Endlager für Atommüll sollte auf ganz Deutschland ausgeweitet werden, fordern Experten von Bundesbehörden seit langem. In den letzten Wochen kamen Signale der Zustimmung von den Ministerpräsidenten aus Baden-Württemberg und Bayern. Doch ihre eigenen Behörden zeigen nun, dass der Widerstand weiterhin groß ist: Erst widersprach das Umweltministerium in Bayern ihrem Ministerpräsidenten Horst Seehofer (CSU): Bayern soll vom Atommüll der Behörde zufolge verschont bleiben. Nun folgt das Landesamt für Geologie in Baden-Württemberg: Das südwestliche Bundesland sei "größtenteils ungeeignet für ein atomares Endlager", erklärt der deren Leiter. Dabei hatte der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) sein Bundesland für die Endlagersuche extra mit eingeschlossen.

Die Bundesregierung will bis Jahresende mit einem Gesetz neue Optionen für die Endlagersuche eröffnen - parallel zur Erkundung des niedersächsischen Salzstocks Gorleben. In der Verantwortung finden sich vor allem die süddeutschen Bundesländer. In Bayern stehen fünf der 17 deutschen Atomkraftwerke (AKW). Baden-Württemberg produziert ähnlich viel hochradioaktiven Atommüll.

Doch die lokalen Behörden gehen auf Verweigerungskurs: "Die Standortsuche dürfte sich in Baden-Württemberg auf die Tongesteine konzentrieren", sagte der Leiter des Landesamtes für Geologie in Baden-Württemberg in Freiburg, Ralph Watzel der Nachrichtenagentur dpa. Lediglich Teile der Schwäbischen Alb und Oberschwabens sowie der Landkreis Konstanz kämen theoretisch infrage. Doch auch dortige Tongesteine seien mit größter Vorsicht zu betrachten, betonte Watzel.

Angebliche Hindernisse

Zwar herrsche Konsens unter Geowissenschaftlern in Deutschland, dass die sichere Endlagerung radioaktiver Abfälle nur in Salz- oder Tongesteinen erfolgen sollte, sagt der Geologe. Dies bedeute aber auch, dass zum Beispiel der überwiegend aus Sand und Kies bestehende Untergrund des Oberrheins mit seinem hohen Wasservorkommen ausgeschlossen sei. Auch die unterirdischen Salzstöcke in Baden-Württemberg, beispielsweise in der Region Heilbronn, seien aber ungeeignet - sie seien nicht stabil genug.

In den Blick gerate aber wohl ein Gebiet, das vom Schaffhauser Land bis nach Ulm reiche, außerdem ein wesentlich kleineres Gebiet am Bodensee im Landkreis Konstanz. Gleichwohl gebe es zahlreiche Gründe, die in große Teile Baden-Württembergs ein Endlager unmöglich machten, glaubt Watzel: "Eines der größten Hindernisse dürften die Frage der Erdbebensicherheit und des möglichen Vulkanismus, die vermutlich zu geringe Dicke des Gesteins sowie vorhandene Grundwasservorkommen sein."

Watzel rechnet selbst auf lange Sicht nicht mit einem Endlager für Atommüll in Deutschland: Bevor eine deutschlandweite Standortsuche beginne, müsse zunächst das Verfahren festgelegt werden. "Bis das Verfahren steht, wird es Jahre dauern; die Suche selbst wird Jahrzehnte in Anspruch nehmen".

In wie weit sich das Landesamt mit seiner Sichtweise durchsetzt, ist allerdings unklar. Es untersucht zwar die geologische Beschaffenheit des Bodens in Baden-Württemberg. Für die deutschlandweite Endlagersuche ist es nicht verantwortlich - diese Aufgabe übernimmt der Bund.

boj/dpa
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