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Atommüll: Die 152 Castorfässer aus Jülich

Foto: Oliver Berg/ dpa

Castoren aus Jülich Atommüll-Export in die USA ist laut Gutachtern illegal

Die Bundesregierung will Atommüll aus dem Forschungszentrum Jülich zur Aufarbeitung und Endlagerung in die USA schicken. Ein Rechtsgutachten erklärt den geplanten Export von 152 Castoren jetzt für illegal.

Berlin - Seit 25 Jahren ist der Kernreaktor im Forschungszentrum Jülich  stillgelegt. Trotzdem sorgt die Anlage bis heute für heftigen Streit - genauer gesagt, ihr Atommüll. 152 Castorfässer lagern in einer Halle in Jülich. Das Zwischenlager gilt jedoch als unsicher, weil es beispielsweise keinen Schutz im Falle von Flugzeugabstürzen bietet.

Wohin aber mit dem Müll? Das Bundesforschungsministerium überlegt, die Fässer zur Aufarbeitung und anschließenden Endlagerung in die USA zu liefern . Partner dafür wäre die Atomanlage Savannah River Site in South Carolina. Das Vorhaben gilt als heikel, weil die deutschen Atomgesetze eine Ausfuhr von nuklearem Abfall untersagen. Das Ministerium behauptet jedoch, Jülich sei ein Forschungsreaktor gewesen, für den diese Regel nicht gelte .

Ein Gutachten der Hamburger Kanzlei Günther  kommt nun zu dem Schluss, dass der geplante Castortransport in die USA illegal wäre. Die Umweltschutzorganisation Greenpeace hatte die Anwälte mit dem Gutachten beauftragt. Die Anwälte bestreiten, dass Jülich tatsächlich als Forschungsreaktor eingestuft werden kann.

Die Anlage habe von 1966 bis 1988 insgesamt 1,5 Milliarden Kilowattstunden Strom produziert und ins öffentliche Netz eingespeist. Betreiber und Eigentümer des ersten deutschen Hochtemperaturreaktors sei ein Konsortium von 15 kommunalen Elektrizitätsunternehmen gewesen. Im Jahr 2003 hätten die bundeseigenen Energiewerke Nord GmbH die Geschäftsanteile übernommen. Seither sei die öffentliche Hand Eigentümer der Anlage.

Als kommerzieller Reaktor geführt

Auch wenn die Anlage immer wieder als "Forschungsreaktor Jülich" bezeichnet werde, besitze sie diesen Status nicht, argumentiert Rechtsanwalt Ulrich Wollenteit. In den Unterlagen des Bundesamts für Strahlenschutz etwa werde der Reaktor schon immer als Kernkraftwerk geführt. In der Liste der Forschungsreaktoren tauche er demgegenüber nicht auf. Auch in der Aufstellung der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA werde Jülich als stillgelegter kommerzieller Reaktor aufgeführt ("permanent shut down").

Der Reaktor sei als kommerzielle Anlage einzustufen, schreibt Wollenteit, ein Export seines Atommülls sei daher nicht zulässig. "Die Castoren müssen in Deutschland bleiben", sagt Heinz Smital, Greenpeace-Experte für Atomenergie. Land und Bund hätten die Verantwortung für den Atomstandort Jülich fahrlässig verschleppt. Der geplante Transport zeige die Krise, in der deutsche Behörden mit der Entsorgung illegaler Abfälle steckten.

Das Bundesforschungsministerium hatte erst kürzlich mitgeteilt, dass es Jülich für einen Versuchsreaktor halte. Er sollte "der Untersuchung der grundsätzlichen Machbarkeit eines Kugelhaufenreaktors dienen", heißt es in einer Antwort auf die Kleine Anfrage des Bundestagsabgeordneten Hubertus Zbedel von der Linkspartei .

Ein Kugelhaufenreaktor ist eine spezielle Variante eines Hochtemperaturreaktors, der bei besonders hohen Temperaturen arbeitet. Als Kernbrennstoff dienten in Jülich Uran-235 und Thorium-232. Im Reaktor befanden sich tennisballgroße Kugeln des Brennstoffs, die während des Betriebs automatisch zugegeben und entnommen werden konnten. Der Atommüll aus Jülich besteht hauptsächlich aus 300.000 solcher Atomkugeln.

Der Jülicher Reaktor steht seit Jahren in der Kritik. 2011 hatte die Betreibergesellschaft eine Expertengruppe mit der Aufarbeitung der Reaktorgeschichte beauftragt. Ihr im April 2014 vorgelegter Bericht benennt teils haarsträubende Missstände. Demnach kam es über Jahrzehnte immer wieder zu Störfällen und wahrscheinlich mindestens zweimal zu Kontaminierungen der Umwelt.

Wie auch immer der Streit um die Castoren ausgeht - es wird teuer. Ein Endlager in Deutschland ist nach wie vor nicht in Sicht. Seriöse Kostenschätzungen dafür sind derzeit nicht möglich. Der vom Forschungsministerium erwogene Export der Fässer in die USA könnte eine Milliarde US-Dollar kosten. Diese Zahl wird in einem Bericht der Zeitung "The Augusta Chronicle"  genannt.

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