Atommüll Neuer Verdacht auf hochradioaktive Abfälle in der Asse

Das einsturzgefährdete Atommüll-Endlager Asse könnte wieder Ärger machen: Ein Forscher behauptet, dass in dem Bergwerk knapp 50 Fässer mit hochradioaktivem Müll liegen. Strahlenschützer glauben das allerdings nicht.

Atommülllager Asse (September 2010): "Das kann nur hochradioaktiver Müll sein."
DPA

Atommülllager Asse (September 2010): "Das kann nur hochradioaktiver Müll sein."


Remlingen - Im maroden Atommülllager Asse lagern möglicherweise doch hochradioaktive Abfälle. Das jedenfalls behauptet der Physiochemiker Rolf Bertram, der als Mitglied der "Arbeitsgruppe Optionenvergleich" das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) berät. In den sogenannten Begleitlisten, in denen die Einlagerungen in dem niedersächsischen Atomlager verzeichnet sind, will er eine brisante Eintragung ausgemacht haben: Es geht um 49 Fässer, die im Januar 1977 vom Forschungszentrum Karlsruhe in die Asse geschickt wurden.

Die in den Unterlagen verzeichnete Dosisleistung der Fässer, so sagt Bertram, sei extrem hoch - zwischen 55 und 70 Sievert pro Stunde. "Das kann nur hochradioaktiver Müll sein", sagt Bertram im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. Einen Schreibfehler schließt der Forscher aus, da die Angaben in den Listen mehrfach gemacht werden mussten. Auch die Wahl der Gefäße für den strahlenden Abfall deute auf stark strahlenden Inhalt: Stahlfässer mit 24 Zentimetern Wandstärke und einer Beton-Ummantelung seien zum Einsatz gekommen.

Die Fässer seien in den letzten Monaten vor der bereits angekündigten Schließung in die Asse gelangt. Möglicherweise, so sagt Bertram, seien die Kontrollen damals eher lax gewesen, da in dieser Zeit besonders große Mengen Müll angeliefert worden seien. Doch im Bezug auf die fraglichen Fässer sei klar: "Das wäre auch nach der damaligen Gesetzeslage rechtswidrig gewesen."

BfS-Chef will Dokument prüfen lassen

Vermutlich sei der Müll aus Karlsruhe in die Kammer für mittelradioaktiven Abfall gebracht worden. Diese sogenannte Kammer 8a liegt auf der 511-Meter-Sohle des Bergwerks. Dort wurden die Müllbehälter durch ein Loch im Boden von oben in einen Hohlraum fallen gelassen. Das Bundesumweltministerium hatte bereits eingeräumt, dass wegen eines "Übertragungsfehlers" die dort vorliegenden Bestände an Plutonium deutlich höher sind als zuvor vermutet.

Beim BfS geht man hingegen mittlerweile davon aus, dass Bertram Unrecht hat. "Die laufenden Überprüfungen des Abfallinventars haben bislang keine Hinweise auf Abfälle erbracht, die den Tatbestand von hochradioaktiven Abfällen erfüllen", heißt es in einer Stellungnahme der Behörde vom Donnerstagnachmittag. Weil dem Amt aber "keine umfassenden Angaben" über eingelagerten Abfälle vorlägen, müssten "die geplanten Arbeiten zur Rückholung mit Sicherheitsvorgaben versehen werden, die diese Unsicherheiten berücksichtigen."

In dem ehemaligen Salzbergwerk bei Wolfenbüttel lagern insgesamt rund 125.000 Fässer mit Atommüll. Ein Inventarbericht, der unter Leitung des früher für den Asse-Betrieb zuständigen Helmholtz-Zentrums verfasst wurde, hatte vor wenigen Wochen bestätigt, dass auch rund 15.000 Fässer mit mittelradioaktiven Abfällen unter der Erde lagern. Bis dahin hatten offizielle Stellen lediglich von 1800 Fässern gesprochen.

SPD-Chef Sigmar Gabriel hat unterdessen Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) aufgefordert, die Sorgen der Asse-Anwohner ernster zu nehmen. Auch ein Jahr nach seinem Amtsantritt habe Röttgen noch keinen Kontakt zu den Menschen der Region gesucht. Daher könne der Eindruck entstehen, das Thema der Rückholung des Atommülls aus dem einsturzgefährdeten Bergwerk werde im Bundesumweltministerium verschleppt.

Röttgen habe zwar die Rückholung als beste Lösung für die Sicherheit der Bevölkerung akzeptiert. "Das darf aber nicht so lange dauern, bis vielleicht nur noch die zweitbeste Lösung möglich ist", sagte Gabriel. BfS-Chef König warnte vor Ungeduld. Die Vorbereitung der Rückholung benötige geraume Zeit. Im Vordergrund stehe dabei die Sicherheit der Beschäftigten und der Anwohner. Erforderlich seien "solide Planungen", zumal die Erfahrungen aus anderen Anlagen nicht auf die Asse übertragbar seien.

chs/dpa

insgesamt 8 Beiträge
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Seite 1
groj 28.10.2010
1. Zur keiner Zeit...
...bestand irgendeine Gefahr für die Bevölkeru...ähhh die Verantwortlichen. Wer noch hier in den Foren mir irgendwas über Verantwortung oder Ungefährlichkeit der Atomindustrie ertzählen will,soll lieber Märchen vorlesen,denen nehme ich den Wahrheitsgehalt ab.
Da_Niel 28.10.2010
2. so kommet aus den Löchern....
Zitat von groj...bestand irgendeine Gefahr für die Bevölkeru...ähhh die Verantwortlichen. Wer noch hier in den Foren mir irgendwas über Verantwortung oder Ungefährlichkeit der Atomindustrie ertzählen will,soll lieber Märchen vorlesen,denen nehme ich den Wahrheitsgehalt ab.
da bin ja mal gespannt wann die ersten PR-Zombies darauf aufmerksam machen, dass das aber-auch-rein-gar-nichts mit der Atomindustrie zu tun hat, da ja das Forschungszentrum Karlsruhe die Fässer hat einlagern lassen....
mitbürger 28.10.2010
3. Atomkraftgegner
Es gibt ein Volk, die tragen ständig ihre toten Verwandten mit sich herum. So ähnlich ist es mit dem Atommüll, der noch 1000 000 Jahre bewacht und vermutlich noch häufiger verlegt werden muss in dieser langen Zeit. Wir sind die Enkel, die das jetzt ausbaden dürfen. Aber es ist zu spät, das Kind ist in den Brunnen gefallen.
cromagnon 28.10.2010
4. Es irritiert mich,
dass dieser Bericht unter der Rubrik "Wissenschaft" erscheint. Es scheint mir nicht so, also ob es hier irgendetwas zu erforschen gäbe. Die Dinge sind bekannt, werden jedoch verheimlicht. Es gilt sie zu ermitteln. Ergo wäre eine Rubrik "Kriminalfälle" angemessener.
freivogel, 01.11.2010
5. Asse und die Zukunft
Leider brauchen wir ein Endlager, aber wenn man die Art und Weise betrachtet, wie in Asse mit dem gefährlichen Müll umgegangen wurde, kann man nur schwarz sehen. Fehler in der Dokumentation, Verwendung eines instabielen Bergwerks und sicher noch viele andere Fehlleistungen, die Milliarden kosten und eine Gefahr für die Zukunft darstellen.
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