Marodes Atommülllager Umweltminister Altmaier will Asse räumen

Was soll mit den 126.000 Fässern Atommüll im niedersächsischen Bergwerk Asse geschehen? Ein Regierungsberater hält eine Bergung für unmöglich - doch Umweltminister Altmaier widerspricht. Auch andere Politiker wollen die Räumung des maroden Lagers.
Atommüll im Lager Asse: Bergung oder liegen lassen?

Atommüll im Lager Asse: Bergung oder liegen lassen?

Foto: dapd

Hamburg/Hannover - Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) und die niedersächsischen Landtagsfraktionen von CDU und FDP bekennen sich ungeachtet der Kritik eines hochrangigen Beraters weiter zur Bergung der radioaktiven Abfälle aus dem Atommülllager Asse. "Ich bin für die Rückholung, wenn sie möglich ist", sagte Altmaier der "Braunschweiger Zeitung". "Und ich werde alles versuchen, damit sie möglich wird. Dazu stehe ich, darauf können sich alle Beteiligten verlassen."

Der Vorsitzende der Entsorgungskommission des Bundes, Michael Sailer, hatte zuvor Zweifel an der Machbarkeit der Räumung geäußert und diese als "Mission Impossible" bezeichnet. Altmaier sagte, er habe sich über die Aussage Sailers "gewundert". Sie sei auch nicht neu. "Wir alle wissen, dass es ein schwieriges Unterfangen ist und dass es lange dauern kann". Eine von Atomkraftgegnern verlangte Abberufung Sailers von der Kommissionsleitung lehnte Altmaier jedoch ab.

Auch die niedersächsischen Landtagsfraktionen von CDU und FDP setzen sich weiter für die Rückholung des Atommülls aus dem maroden Atommülllager Asse ein. Das Herausholen der Fässer sei die einzige Möglichkeit, eine langfristige Sicherheit herzustellen, sagte der CDU-Abgeordnete Martin Bäumer bei der Vorstellung des gemeinsamen Abschlussberichts zum Asse-Untersuchungsausschuss am Dienstag in Hannover.

Mehr Strahlenmüll als angegeben

Bei der Einlagerung der radioaktiven Abfälle in das frühere Slazbergwerk habe es zahlreiche Mängel gegeben, heißt es in dem Papier. Die rund 126.000 Atommüllfässer im maroden Salzbergwerk Asse sind nach Ansicht von CDU und FDP im niedersächsischen Landtag widerrechtlich eingelagert worden. Politik, Wissenschaft und Wirtschaft hätten gemeinsam Schuld an den Problemen in dem Atommülllager, erklärten beide Fraktionen am Dienstag in ihrem Abschlussbericht zum Asse-Untersuchungsausschuss des Landtags.

Zudem sei mehr Strahlenmüll als angegeben eingelagert worden. Der Untersuchungsausschuss versuchte mehr als drei Jahre lang, die Schlampereien rund um das Atommülllager aufzuklären. Derzeit prüfen Experten, ob die Fässer aus dem Salzstock geborgen werden können.

SPD und Grüne hatten in der vergangenen Woche bereits angekündigt, eigene Berichte veröffentlichen zu wollen, nachdem eine Einigung auf einen gemeinsamen Abschlussbericht gescheitert war. Der Untersuchungsausschuss war 2009 gebildet worden, um die Pannen und Versäumnisse im Atommülllager Asse aufklären. Das Gremium soll am 18. Oktober ein letztes Mal tagen, der Landtag im November die Abschlussberichte diskutieren.

Nach einem internen Terminplan-Entwurf des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS) könnte bei der derzeitigen Rechtslage vermutlich erst 2036 damit begonnen werden, die Fässer vollständig aus der einsturzgefährdeten Schachtanlage zu bergen.

Im Juni hatte die Anbohrung einer Kammer mit radioaktivem Abfall begonnen, um Informationen über den Zustand der gelagerten Fässer zu bekommen. Zu Beginn waren sie noch sauber gestapelt, später einfach weggekippt worden. So ist unklar, ob sich der Müll überhaupt noch in den Fässern befindet - oder ob eingedrungenes Wasser ihn aufgelöst hat.

Die Gesellschaft für Strahlen- und Umweltforschung (GSF) hatte die Asse 1965 im Auftrag der Bundesrepublik für 900.000 Mark erworben, um ein Atommüll-Endlager oder ein Forschungsbergwerk einzurichten. Nach Pannen und Versäumnissen wurde dem Betreiber GSF, der später im Helmholtz Zentrum München aufging, 2009 die Verantwortung entzogen. Seitdem ist das BfS zuständig, das dem Umweltministerium untersteht. Die 2008 eingesetzte Entsorgungskommission berät das Bundesumweltministerium in Angelegenheiten der nuklearen Entsorgung.

boj/dpa/dapd