Atomwaffen Rechentricks lassen Abrüstung größer erscheinen

Mit großem Tamtam haben die USA und Russland ihre jüngsten Fortschritte bei der nuklearen Abrüstung gefeiert. Jetzt aber stellt sich heraus, dass kreative Rechentricks die Erfolge größer aussehen lassen, als sie in Wahrheit sind.

US-Atomrakete im Silo: Rechenkünste verringern Zahl der Atombomben
AP

US-Atomrakete im Silo: Rechenkünste verringern Zahl der Atombomben


Um Erfolg auf dem Weg zu einer atomwaffenfreien Welt nachzuweisen, greift die US-Regierung zu Methoden der kreativen Buchführung. 68 Tonnen Waffenplutonium, also je 34 Tonnen wollen Russland und die USA künftig zivil nutzen oder endlagern. Aus diesen 68 Tonnen könnte man 17.000 Atomwaffen bauen, verkündete vergangene Woche das US-Außenministerium anlässlich des Washingtoner Gipfels zur Nuklearsicherheit.

Wer nachrechnet, stellt fest: Für jeden Nuklearsprengkopf haben Hillary Clintons Experten vier Kilogramm Plutonium angesetzt. Genau das Doppelte, nämlich acht Kilogramm pro Waffe, kalkulierten die Internationale Atomenergiebehörde und die US-Regierung bislang öffentlich pro Atomwaffe. Experten wissen schon lange, dass man auch mit vier oder fünf Kilogramm eine Nuklearwaffe bauen kann. Bestätigt wird dies erst jetzt, da gute Nachrichten über die atomaren Abrüstungsbemühungen gefragt sind. Statt 8500 können nun also 17.000 Bomben weniger gebaut werden - ganz offiziell.

Ihre Fähigkeit zur kreativen Buchführung zugunsten der Abrüstung stellten Russen und Amerikaner auch bei der Unterzeichnung des neuen Start-Vertrags in Prag unter Beweis. In diesem Vertrag werden strategische Atombomber für atomare Marschflugkörper, die bis zu 20 Atomwaffen tragen können, jeweils als nur eine einzige Waffe auf die neue Obergrenze von 1550 stationierten Nuklearwaffen angerechnet. Einige Hundert Waffen fallen so auf beiden Seiten aus der Statistik und schönen die Abrüstungsbilanz - ohne dass eine einzige Waffe tatsächlich verschrottet werden müsste.

ona



insgesamt 2 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
frubi 22.04.2010
1. .
Zitat von sysopMit großem Tamtam haben die USA und Russland ihre jüngsten Fortschritte bei der nuklearen Abrüstung gefeiert. Jetzt aber stellt sich heraus, dass kreative Rechentricks die Erfolge größer aussehen lassen, als sie in Wahrheit sind. http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/0,1518,690510,00.html
Und wo ist die News? Sowas rechne ich mitlerweile mit ein. Es wird doch überall nur noch beschönigt. Angefangen von Beschönigungen bei Produkten (Actimel etc.), über Arbeitszeugnisse (die man erstmal entschlüsseln muss) bis hin zu den Politikern die genau wie Ärzte keine Fehler eingestehen. Irgendwann sagen nur noch "die Dummen" die Wahrheit. Ergebnisse in der Politik wurden schon immer "gepimpt". Man erinnere sich an G W Bush Siegesfeier auf einem Schiff der US Marine. "Mission erfüllt". Jawoll. Oder noch besser: Die Beschönigung des deutschen Arbeitsmarkt. Wer dabei keine Magengeschwüre bekommt ist entweder ein harter Hund oder jemand der schon längst resigniert hat.
Vergil 22.04.2010
2. Skandal?
Zitat von sysopMit großem Tamtam haben die USA und Russland ihre jüngsten Fortschritte bei der nuklearen Abrüstung gefeiert. Jetzt aber stellt sich heraus, dass kreative Rechentricks die Erfolge größer aussehen lassen, als sie in Wahrheit sind. http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/0,1518,690510,00.html
Ich verstehe den Artikel nicht so ganz. Man kann, so SpOn, auch mit 4-5 kg eine Bombe bauen, das wüssten Wissenschaftler schon länger. Nur wurde das offenbar bislang nicht offiziell zugegeben? Und jetzt wurde es indirekt dadurch zugegeben, dass die Menge von 17.000 Atomwaffen nur stimmt, wenn man von 4-5 kg ausgeht? Und wo bitteschön ist jetzt der Rechenfehler, wo ist das Skandälchen? Man hat das Gefühl, der Autor des Artikels hat erst sehr spät spitzbekommen, dass auch 4-5 kg ausreichen und dass die Zahl von 17.000 Atomwaffen nicht falsch ist...
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.