Ausgegraben - Neues aus der Archäologie Asterix' mysteriöse Vorfahren

Warum wurden in einem Vorort der heutigen Stadt Troyes gallische Krieger und einige reiche Frauen begraben - scheinbar weit ab von jeder Siedlung? Außerdem im archäologischen Wochenrückblick: eine vermurkste Steinzeitaxt und das Grab eines chinesischen Tyrannen.

Südöstlich von Paris sind Archäologen auf einen Friedhof möglicher Vorfahren von Asterix und Obelix gestoßen. Auf dem Baugelände einer Lagerhalle in einem Vorort der Stadt Troyes fanden sie die Gräber von fünf gallischen Kriegern und weiteren Stammesmitgliedern. Im Comic trägt Asterix stets sein Schwert umgegürtet. Auch einer der Krieger wurde mit seinem Schwert begraben. Es ist 70 Zentimeter lang und steckt noch in der Scheide. Die kostbare Waffe und der Schild mit Metallrahmen sprechen dafür, dass er zu den Anführern seines Stammes zählte.

Fund nahe Troyes, Frankreich: Gräber von Asterix' Vorfahren

Fund nahe Troyes, Frankreich: Gräber von Asterix' Vorfahren

Foto: FRANCOIS NASCIMBENI/ AFP

Unmittelbar daneben fanden die Archäologen Frauengräber. Die Frauen trugen keine Waffen, dafür aber wertvollen Schmuck. Um die Hälse hatte man ihnen sogenannte Torques gelegt - gedrehte Metallringe mit offenen Enden, der typische Gallierschmuck jener Zeit. Außerdem trugen sie Broschen, die mit Korallenstücken verziert waren. Die Gallier starben während der La-Tène-Zeit, zwischen 325 und 260 vor Christus - also deutlich vor Asterix, dessen Comic-Wirken sich um 50 vor Christus entfaltet. Während der La-Tène-Zeit begaben sich die Kelten - nur von den Römern "Gallier" genannt - auf Wanderschaft und begannen, ihr Reich auszudehnen. Am Ende erstreckte es sich von Schottland im Norden bis zur spanischen Atlantikküste im Süden.

Seltsamerweise ist in der Gegend des Friedhofs keine Siedlung bekannt, nicht einmal ein "kleines gallisches Dorf". Auch fanden die Ausgräber weder Keramik noch Essensreste in den Gräbern, wie es sonst üblich war. Allerdings standen ganz in der Nähe bronzezeitliche Grabhügel, die in der La-Tène-Zeit noch weithin sichtbar gewesen sein müssen.

+++ Hausaufgaben in der Steinzeit +++

Kein Meisterwerk: Kinder mussten das Herstellen von Steinwerkzeugen üben

Kein Meisterwerk: Kinder mussten das Herstellen von Steinwerkzeugen üben

Foto: Terje Tveit/ Archaeological Museum at the UC of Stavanger

Wer auch immer das Stück Flint aus Hundvåg im norwegischen Stavanger in der Steinzeit in den Händen hielt, hatte keine Ahnung, was er tat. Mit mehreren Schlägen versuchte er, ein Werkzeug herzustellen. Doch sie alle misslangen so gründlich, dass der Stein am Ende unbrauchbar war.

Für die Archäologin Sigrid Alræk Dugstad von der Universität Stavanger ein klarer Fall: Hier übte ein Kind. In einem Fachartikel beschreibt sie, wie es sich damals zugetragen haben könnte. Kinder, so vermutet die Archäologin, versuchten sich nicht an Miniaturwerkzeugen, sondern lernten die gezielten Schläge zur Werkzeugherstellung gleich an den richtigen Steinen.

Auch die Erwachsenen waren nicht immer treffsicher, davon zeugen viele Objekte. Doch während Erwachsene in der Lage waren, Fehler zu korrigieren und vorausschauend ihre nächsten Schläge zu planen, ist das Stück aus Hundvåg einfach nur total vermurkst. Anhand solcher missratenen Steine versucht Dugstad, die Rolle der Kinder in einer steinzeitlichen Siedlung zu erforschen. "Es ist offensichtlich, dass die Kinder ein wichtiger Teil des Lebens in steinzeitlichen Siedlungen gewesen sein müssen", sagt sie. "Der Kontrast zwischen der Anzahl der Kinder, die lebten, und die Schwierigkeit, sie anhand des archäologischen Materials zu finden und ihre Rolle zu definieren, ist erstaunlich."

+++ Chinesisches Tyrannengrab gefunden +++

Zu Lebzeiten war der chinesische Kaiser Yangdi ein menschenverachtender Tyrann. Seine Untertanen mussten unter unmenschlichen Bedingungen für ihn schuften, um für sein Vergnügen Paläste und Luxusschiffe en masse zu bauen. Für seine ambitionierten Großprojekte wie den Kaiserkanal, der Beijing und Hangzhou miteinander verbindet, sollen zeitweise bis zu acht Millionen Menschen geknechtet haben: Der Kaiserkanal ist bis heute die längste von Menschen geschaffene Wasserstraße der Welt.

Möglicherweise haben chinesische Archäologen in der östlichen Provinz Jiangsu die letzte Ruhestätte des Kaisers Yangdi gefunden, wie sie jetzt bekanntgaben. In dem 20 Quadratmeter großen Grab entdeckten sie zumindest einen Grabstein mit seinem Namen darauf. Auch das in einer Inschrift notierte Sterbedatum passt zu den antiken Überlieferungen. "Allerdings sind wir noch nicht ganz sicher, ob es die endgültige Ruhestätte des Kaisers ist, da historische Quellen berichten, dass sein Grab mehrmals umgelegt wurde", sagt Shu Jiaping vom Archäologischen Institut Yangzhou der chinesischen Nachrichtenagentur Xinhua.

Neben der Kammer lag ein zweites Grab, das der Kaiserin gehört haben könnte. Der zweite und letzte Kaiser der Sui-Dynastie regierte von 604 bis zu seiner Ermordung im Jahr 618. Mit ihm ging auch die kurzlebige Dynastie zu Ende. Das könnte erklären, warum der den Luxus liebende Kaiser letztendlich in einem relativ bescheidenen Grab endete.

+++ Ältester Hafen der Welt +++

Der ägyptische Pharao Cheops ist vor allem berühmt für den Bau seiner großen Pyramide auf dem Plateau von Gizeh. Doch unter seiner Herrschaft wurde noch weitaus mehr gebaut als sein gewaltiges Grabmal. An der Küste des Roten Meeres im Wadi al-Jarf hat ein französisch-ägyptisches Archäologenteam um Pierre Tallet von der Université Paris-Sorbonne einen Hafen aus der Regierungszeit des Cheops gefunden. Cheops war der zweite Pharao der vierten altägyptischen Dynastie.

"Belege, die wir dort ausgegraben haben, zeigen, dass der Hafen noch einmal tausend Jahre älter ist als jede andere Hafenstruktur der Welt", sagt Tallet der Website Discovery News. Bereits 1823 hatte der britische Ägyptologe Sir John Garner Wilkinson hier zwar Strukturen im Fels entdeckt, er hielt sie jedoch für Katakomben. In Wahrheit wurden hier die Schiffe verwahrt, bis sie den Hafen wieder für weitere Expeditionen verließen. Die Ausgräber fanden Schiffsteile, Seile und Keramik. In den Gewässern unmittelbar davor zählten Taucher 25 Anker aus der Zeit der vierten Dynastie. Weitere knapp hundert Anker lagerten rund 200 Meter entfernt in einem Gebäude. Auf einigen sind in Hieroglyphen Namen vermerkt - eventuell die Namen der Schiffe, zu denen sie gehörten.

Besonders bedeutsam war auch die Entdeckung eines Archivs mit Hunderten von Papyrusfragmenten - ebenfalls die ältesten bekannten. Viele davon beschreiben, wie die Regierung unter Cheops Nahrungsmittel - hauptsächlich Bier und Brot - an die Expeditionen verteilte, die den Hafen verließen. Ein Papyrus aber ist das Tagebuch des Beamten Merrer, der am Bau der Cheopspyramide beteiligt war. Die Ausgräber konnten drei Monate seiner Aufzeichnungen rekonstruieren. Hauptsächlich beschreibt er seine Touren in den Steinbruch von Turah, wo er die Beschaffung der Steine für die Pyramide beaufsichtigte. Es ist das erste Mal, dass Ägyptologen einen so tiefen Einblick in den Alltag Altägyptens bekommen.

+++ Riesenhügel auf dem Seegrund +++

Struktur im See Genezareth: von fast zehn Metern Höhe und 70 Metern Durchmesser

Struktur im See Genezareth: von fast zehn Metern Höhe und 70 Metern Durchmesser

Foto: Tel Aviv University

Vor mehr als 4000 Jahren errichteten Menschen dort, wo heute der See Genezareth liegt, einen riesigen Steinhaufen. Sie schleppen Felsbrocken von bis zu einem Meter Größe herbei und türmten sie aufeinander zu einem Hügel von fast zehn Metern Höhe und 70 Metern Durchmesser. Damit ist er so groß, dass die ungefähr zur selben Zeit errichteten Steinkreise von Stonehenge komplett darin verschwinden würden. Insgesamt, schätzen die Archäologen bewegten die Erbauer etwa 60.000 Tonnen Gestein für den Berg. Was sollte das riesige Steinmal markieren?

"Eine nähere Untersuchung zeigte, dass die Struktur aus Basaltblöcken von bis zu einem Meter Länge ohne erkennbares Muster zusammengesetzt wurde", schreiben die Forscher um Yitzhak Paz von der israelischen Antikenbehörde und der Ben-Gurion University im "Journal of Nautical Archaeology". Es könnte, so mutmaßen sie, ein Grab gewesen sein. Ähnliche riesige Steinhaufen sind auch von anderen Orten bekannt, einige davon wurden über Bestattungen errichtet - allerdings auf dem Trockenen.

Die Forscher vermuten, dass auch dieser Hügel zunächst auf dem Trockenen erbaut und erst dann geflutet wurde, als der Wasserspiegel des Sees anstieg. In der näheren Umgebung des Sees Genezareth liegen mehrere Stätten aus dem 3. und 4. Jahrtausend v. Chr. Dazu gehört beispielsweise Khirbet Beteiha rund 30 Kilometer nordöstlich des Hügels auf dem Seegrund. Khirbet Beteiha besteht aus drei konzentrischen Steinkreisen, von denen der größte einen Durchmesser von 56 Metern hat. Ganz dicht lag auch die Stadt Bet Yerah. Im 3. Jahrtausend lebten in ihr schon bis zu 5000 Menschen.

+++ Die Tinte der Macht +++

Römerlager in Westfalen: Schülerin bei der Grabung in Haltern

Römerlager in Westfalen: Schülerin bei der Grabung in Haltern

Foto: LWL/Tremmel

Um Kriege zu führen und Länder zu erobern braucht man nicht nur Soldaten, sondern auch Schreiber. Davon zeugt der Fund eines kleinen Tintenfässchens im ehemaligen Römerlager bei Haltern am See. Üblicherweise drückten die römischen Schreiber ihre Notizen mit Griffeln aus Eisen, Bronze oder Knochen auf mit Wachs beschichtete Holztäfelchen. Die Variante war weitaus günstiger, als mit Tinte auf teurem Pergament zu schreiben. "Aber auch Tinte und Feder waren den Römern bekannt", erklärt Dr. Bettina Tremmel vom Fachreferat Provinzialrömische Archäologie der LWL-Archäologie für Westfalen in einer Presseerklärung. "Mit Hilfe der Federn, die aus filigranen Gänsekielen bestanden, schrieben die Römer auf Papyrus oder Pergament."

Die zarten Federn zerfielen schnell im Boden - erhalten blieben aber sehr wohl die Tintenfässchen aus Bronze oder aus Ton. Gefunden hat das kleine Tintenfässchen der Bochumer Student Jona Schröder bei Ausgrabungsarbeiten im Vorfeld des geplanten "Römerparks Aliso". Das Lager bei Haltern war die Schaltzentrale der römischen Macht im rechtsrheinischen Germanien. Bis zu 5000 Soldaten lebten in dem Lager mitten im Feindesland. Von hier aus wurde die Eroberung des gesamten Gebietes geplant und betrieben. Hier war auch eine der berühmtesten Legionen der Geschichtsschreibung stationiert: die 19. Legion, die im Jahre 9 n.Chr. schmählich in der Varusschlacht unterging.

Der Römerpark soll neben dem LWL-Römermuseum auf dem Gelände des ehemaligen Römerlagers entstehen. Ab 2014 wollen die Archäologen mit dem Aufbau von Rekonstruktionen römischer Militärbauten sowie eines Tores und einer Wehrmauer beginnen.

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