Ausgegraben - Neues aus der Archäologie Urlauber finden vergoldete Löwenskulptur

Auf eine solche Entdeckung hoffen Archäologen meist jahrelang - jetzt gelang sie Urlaubern: Im Mittelmeer haben sie eine vergoldete Löwenskulptur gefunden. Außerdem im archäologischen Wochenrückblick: Ausgrabungen im ehemaligen Vernichtungslager Sobibor und Dürrespuren in Ägypten.

Was für ein Urlaub! Vor der Küste von Kalabrien, der italienischen Stiefelspitze, haben zwei Touristen und ihr Tauchführer einen vergoldeten Bronzelöwen entdeckt. Das Tier ist rund 50 Zentimeter hoch und wiegt 15 Kilo. Um den Löwen herum lagen antike Vasen, weitere Statuenfragmente sowie Rüstungsteile aus Bronze und Kupfer.

Bronzelöwe: Vor der Küste von Kalabrien von Touristen entdeckt

Bronzelöwe: Vor der Küste von Kalabrien von Touristen entdeckt

Foto: DPA / Quotidiana Online La Riviera

"Als ich unter Wasser war, sah ich eine Statue zwischen den Felsen stecken, und da war auch noch ein Teil von einem Schiff", sagte Bruno Bruzzaniti, einer der Finder. Die Taucher entdeckten den Löwen bereits in der vergangenen Woche, meldeten den Fund aber erst am Montag. Damit verstießen sie gegen das Gesetz, nach dem archäologische Entdeckungen binnen 24 Stunden gemeldet werden müssen. Das Gebiet um die Fundstelle wurde sofort weiträumig abgesperrt und ist nun für Taucher tabu.

Ganz in der Nähe des Fundortes hatte schon einmal ein Urlauber Glück: 1972 entdeckte ein Tourist aus Rom die beiden 2500 Jahre alten Riace-Bronzen. Die zwei Meter großen Statuen zweier Krieger oder Götter gelten als einer der bedeutendsten archäologischen Funde Italiens der vergangenen 100 Jahre.

+++ Als Erstes lernten sie fluchen +++

Römische Ruinen in England: Fluchtäfelchen mit 14 Namen entdeckt

Römische Ruinen in England: Fluchtäfelchen mit 14 Namen entdeckt

Foto: Corbis

Hexenglauben war unter den Römern weit verbreitet. Eine gängige Art, seinen Feinden heimlich Schaden zuzufügen, war, ihren Namen auf Bleitäfelchen zu schreiben und sie dann an Orten zu deponieren, die als Zugänge zur Unterwelt galten. Gräber waren dafür hervorragend geeignet, aber auch Brunnen oder Quellen. Auf einer Farm in East Farleigh haben Archäologen ein solches Fluchtäfelchen gefunden.

Offenbar hatte der rachsüchtige Verfasser der Zeilen viele Feinde: Auf dem Täfelchen standen 14 Namen, geschrieben in Großbuchstaben. Sechs von ihnen sind noch lesbar, vier davon römisch: Sacratus, Constitutus, Constan und Memorianus. Die beiden anderen sind keltische Namen: Atrectus und Atidenus.

Das zehn mal sechs Zentimeter große und einen Millimeter dicke Täfelchen stammt aus dem dritten Jahrhundert n. Chr. Die Römer waren die ersten Einwohner Britanniens, die größtenteils lesen und schreiben konnten. Damit gehört das Fluchtäfelchen zu den frühesten historischen Schriftstücken, die das Leben in Britannien dokumentieren. Roger Tomlin von der Oxford University untersucht derzeit den Fund. Er ist zuversichtlich, nach der gründlichen Reinigung noch weitere Namen entziffern zu können.

+++ Archäologen dokumentieren Vernichtungslager +++

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Ausgegraben: Archäologen dokumentieren Vernichtungslager Sobibor

Foto: Czarek Sokolowski/ AP

Auch wenn mancher Machthaber in der Vergangenheit versucht hat, die Spuren seines Tuns zu vertuschen: Mit Archäologie lässt sich die Wahrheit oft trotzdem finden. Das jüngste Beispiel liegt in Polen, im Südosten des Landes. Hier gräbt der israelische Archäologe Yoram Haimi nach den Überresten des Vernichtungslagers Sobibor.

Nach einem Aufstand im Oktober 1943 hatten die Nazis das Lager dem Erdboden gleichgemacht und einen Wald über dem Gelände gepflanzt, um die Spuren ihrer Verbrechen zu beseitigen. In den 18 Monaten davor hatten sie 250.000 Juden vergast. Es gibt kaum Überlebende aus dem Lager gab - insgesamt sind nur 64 bekannt - und es existieren keine Listen oder Aufzeichnungen.

Haimi gelang es nun, den Grundriss des Lagers zu bestimmen. Über die Pfostenlöcher des Zauns fand er die sogenannte Himmelsstraße, auf der die nackten Häftlinge zu den Gaskammern marschieren mussten, und an deren Ende die Kammern selbst. Die großen Mengen an Asche leiteten den Ausgräber zu der Vermutung, dass noch mehr als 250.000 Menschen hier vergast und verbrannt worden sein könnten. Zwischen den Zähnen und Knochensplittern fand er auch Schlüssel, Münzen und Schmuck. In einem Fall konnte er einem der Opfer einen Namen geben: Eine Metallmarke trägt den Namen von Lea Judith de la Penha, einem sechsjährigen Mädchen aus den Niederlanden.

Für Haimi gewinnt die Archäologie in der Holocaustforschung zunehmend an Bedeutung, da es mittlerweile kaum noch Augenzeugen der Geschehnisse gibt: "Die Archäologie ist die Methode der Zukunft für die Erforschung des Holocaust."

+++ Mega-Hafen der Wikinger entdeckt +++

Insel Björkö: Einst der bedeutendste Handelsplatz Skandinaviens

Insel Björkö: Einst der bedeutendste Handelsplatz Skandinaviens

Foto: Corbis

Im heute beschaulichen Dorf Björkö auf der gleichnamigen schwedischen Insel war zwischen dem achten und zehnten Jahrhundert einiges los. Damals lag hier Birka, der bedeutendste Handelsplatz Skandinaviens, an dem die Wikinger Waren aus aller Welt tauschten.

Unterwasserarchäologen haben nun die alten Hafenanlagen untersucht. Dabei stellten sie fest, dass die Anleger noch weitaus größer waren als bisher angenommen. Sie fanden Hinweise darauf, dass sie über 90 Meter weit ins Meer hinausragten und somit Platz für zahlreiche Schiffe boten. Wahrscheinlich war die Siedlung Birka ein Drittel größer als bisher vermutet.

Außer Anlegern aus Holz fanden die Taucher auch Piers aus Steinen, die in eine Tiefe von bis zu acht Metern hinunterreichten. "Bisher hatte es niemand für möglich gehalten, dass die Wikinger Steinpiers in solchen Tiefen bauen konnten", sagt Grabungsleiter Andreas Olsson. Birka gilt als die älteste Stadt Schwedens. Sie war ganz dem Handel gewidmet, während die Könige auf der Nachbarinsel Adelsön bei Hovgården residierten.

+++ Dürre beendete Zeitalter der Pyramiden +++

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Ausgegraben: Dürre beendete Zeitalter der Pyramiden

Foto: A2800 epa Mike Nelson/ dpa

Dürreperioden hinterlassen ihre Spuren im Boden: In den Erdschichten aus Trockenzeiten liegen weniger Pollen von Feuchtgebietpflanzen, dafür findet sich mehr Holzkohle von Flächenbränden. Vier solcher extremen Dürrezeiten konnten Wissenschaftler vom US Geological Survey (USGS) und der University of Pennsylvania im Sediment des Nildeltas nachweisen. Die Studie wurde in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift "Geology" veröffentlicht.

Die älteste Trockenphase datiert demnach aus die Zeit vor 6000 Jahren. Auch vor 3000 Jahren gab es eine Dürre. Wahrscheinlich war sie für den Fall des Königreiches von Ugarit und die größten Hungersnöte in Babylonien und Syrien verantwortlich. Auch vor 4200 konnten die Forscher eine globalen Mega-Dürre ausmachen, die flächendeckende Hungersnöte auslöste. Sie führte vermutlich zum Niedergang des Alten Reiches in Ägypten - jenes Zeitalters, in dem die großen Pyramiden erbaut wurden.

"Selbst die mächtigen Erbauer der Pyramiden fielen der Dürre zum Opfer, als sie auf den Klimawandel nicht entsprechend reagieren konnten", sagt USGS-Direktorin Marcia McNutt. "Die Studie zeigt, dass die Verfügbarkeit von Wasser damals die Achillesferse Ägyptens war - so wie wohl heute auch für einen Planeten, auf dem sieben Milliarden durstiger Menschen leben."