Moderne Kriegsführung Autonome Waffe könnte Menschen erstmals eigenständig angegriffen haben

Ein Uno-Bericht legt nahe, dass eine Kriegsdrohne in Libyen erstmals einen Menschen attackiert haben könnte, ohne ferngesteuert worden zu sein. Allerdings bleiben viele Fragen offen.
Kargu-Drohnen des türkischen Herstellers STM

Kargu-Drohnen des türkischen Herstellers STM

Foto: Anadolu Agency / Anadolu Agency / Getty Images

Im vergangenen Jahr könnte in der libyschen Hauptstadt Tripolis eine Militärdrohne zum ersten Mal autonom, also ohne gezielt gesteuert worden zu sein, Menschen angegriffen haben. Das legen Schilderungen der Vereinten Nationen (Uno) in einem Bericht  nahe. Zunächst hatte der »New Scientist«  das Thema aufgegriffen.

Eine Drohne vom Typ Kargu-2 des türkischen Herstellers STM habe bei einem Gefecht libyscher Regierungstruppen gegen eine abtrünnige Militärfraktion einen Konvoi auf dem Rückzug »gejagt und aus der Ferne angegriffen«, so die Uno. Die Details sind allerdings noch unklar, auch, ob es Opfer gab.

Manche Fachleute zweifeln gar, dass es sich um einen autonomen Angriff handelte. Über den Einsatz autonomer Waffen, die mithilfe künstlicher Intelligenz entscheiden, wen sie angreifen, wird seit Jahren international diskutiert. (Mehr dazu lesen Sie hier.)

Angriff ohne Datenverbindung

Kurgu-2-Drohnen gehören zu den sogenannten Loitering Weapons, was grob mit »herumlungernde Waffen« übersetzt werden kann. Diese werden ohne bestimmtes Ziel gestartet, später kommt ein Signal vom Boden, das bestimmt, wo sie angreifen.

Die Kurgu-2 besitzt eine Software, die anhand von gesammelten Daten, man könnte sagen Erfahrungswerten, lernen kann, geeignete Ziele zu identifizieren. An Bord befindet sich eine Sprengladung. Die Uno schreibt von einer tödlichen autonomen Waffe. Diese sei so programmiert worden, dass sie ohne Datenverbindung zwischen Bodenkontrolle und Drohne Ziele angreifen konnte, so die Organisation.

Wahrscheinlich handele es sich um den ersten Vorfall, bei dem Drohnen Menschen ohne Anweisung angegriffen hätten, zitiert der »New Scientist« den Sicherheitsberater Zak Kellenborn, einen Experten für unbemannte Waffensysteme. Beim Einsatz solcher Waffen stelle sich die Frage, wie gut Ziele erkannt würden – und wie oft es zu Fehlentscheidungen komme.

Zweifel an Interpretation der Lage

Es gibt allerdings auch Zweifel an der Interpretation des von der Uno geschilderten Vorfalls in Libyen. So werde nicht erläutert, ob die Drohne tatsächlich Menschen oder Fahrzeuge getroffen hätte, schreibt Jack McDonald, der am King’s College London zu Recht und Ethik neuer Kriegstechnologien unterrichtet.

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Zudem weist er darauf hin, dass unklar sei, ob die Kurgu-2 nicht doch programmiert gewesen sei und verweist auf die geringe Reichweite von nur fünf Kilometern. Ein denkbares Szenario sei, dass jemand eine Loitering Weapon darauf programmiert habe, Menschen zu töten, die Verbindung zu dem fliegenden Gerät dann aber womöglich abgebrochen sei.

Die Drohnen daher als tödliche und autonome Waffen zu bezeichnen, sei zumindest diskussionswürdig, so der Forscher. Zumal nicht klar sei, ob die Autonomiefunktion bei dem fraglichen Einsatz überhaupt genutzt worden sei. »Fazit: Es gibt keine Beweise dafür, welches Szenario (oder eine Variante dazwischen) tatsächlich passiert ist«, so McDonald.

jme
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