Endlagersuche Regierung will Atommüll zusammenlegen

Wohin soll der Atommüll aus dem Bergwerk Asse? Die Bundesregierung will die Fässer in dem geplanten Endlager für Atommüll aus Kernkraftwerken entsorgen.


Der aus dem früheren Salzbergwerk Asse zurückzuholende Atommüll soll voraussichtlich mit in das künftige Endlager für hochradioaktiven Atommüll eingelagert werden. Das teilte Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) am Mittwoch in Berlin bei der Vorstellung des nationalen Entsorgungskonzepts für Atommüll mit.

Hendricks machte damit deutlich, dass der Atommüll aus der Asse sowie möglicherweise weiterer Strahlenmüll aus der Urananreicherung nicht in das für schwach- und mittelradioaktiven Atommüll vorgesehene Endlager Schacht Konrad bei Salzgitter gebracht werden solle.

"Eine Erweiterung von Konrad wollen wir auf diese Weise vermeiden", sagte Hendricks. Damit werde "klar die Richtung vorgegeben". Allerdings könne sie noch nicht "mit endgültiger Gewissheit" ausschließen, dass für den Atommüll aus der Asse letztlich doch noch auf Schacht Konrad zurückgegriffen werden müsse. In diesem Fall sei dort jedoch für eine Erweiterung ein neues Planfeststellungsverfahren erforderlich.

Für das noch zu suchende Endlager für hochradioaktiven Atommüll bedeutet dies, dass die Kapazitäten dort wesentlich umfangreicher sein müssten als bisher angenommen. Allein bei dem Atommüll aus der durch Wassereinbrüche bedrohten Schachtanlage Asse geht es um schätzungsweise 200.000 Kubikmeter vorwiegend schwach- und mittelradioaktive Abfälle.

Medizin, Industrie und Forschung

Dazu kämen möglicherweise weitere etwa 100.000 Kubikmeter Atommüll vorwiegend aus der Urananreicherungsanlage Gronau, sofern diese nicht anderweitig verwertet werden.

Mit dem nationalen Entsorgungskonzept, das am Mittwoch vom Kabinett beschlossen wurde, legt die Bundesregierung auf Grundlage von EU-Vorschriften erstmals eine Gesamtplanung für den künftigen Umgang mit Atommüll vor. Dabei geht es demnach bis 2080 um rund 1100 Castor-Behälter mit vorwiegend hochradioaktivem Atommüll aus Atomkraftwerken, rund 300 Behälter aus der Wiederaufarbeitung bestrahlter Brennelemente sowie 500 weitere Behälter aus Forschungsreaktoren.

Hinzu kommen - einschließlich Asse und Urananreicherung - etwa 600.000 Kubikmeter schwach- und mittelradioaktiver Atommüll. Davon sollen etwa 300.000 Kubikmeter ab 2022 im Schacht Konrad eingelagert werden. Diese Abfälle kommen vor allem aus dem Abriss von Atomkraftwerken, aber auch aus Medizin, Industrie und Forschung.

Was ist mit Bayern?

"Es geht um die verantwortungsvolle und sichere Entsorgung von Atommüll", sagte Hendricks dazu. Dieser solle neben dem Schacht Konrad in dem weiteren - bislang für hochradioaktiven Atommüll vorgesehenen - Endlager untergebracht werden, für das bis 2031 ein Standort festgelegt werden soll. Hendricks machte allerdings auch erneut deutlich, dass eine Inbetriebnahme dieses Lagers vor 2050 unrealistisch sei.

Mit Blick auf Äußerungen des Umweltministeriums in Bayern auf SPIEGEL ONLINE, wonach Bayern für ein solches Endlager nicht in Frage komme, bekräftige Hendricks, die Suche erfolge "in der gesamten Bundesrepublik".

Bund und Länder hatten beschlossen, im gesamten Bundesgebiet nach einem Atomendlager zu suchen. Recherchen von SPIEGEL ONLINE zufolge sperrt sich jedoch ein Land gegen die Suche auf seinem Territorium: Bayern.

boj/AFP

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Seite 1
Bueckstueck 12.08.2015
1. Endlager!
Ach ja, da war doch noch ein Puzzlestück zur billigen, sauberen und sicheren Kernkraft, welches partout nirgends passen will: Das Endlager. Weckt mich also aus dem ewigen Schlaf, wenn es eine absolut zuverlässige Lösung gibt. Das dürfte dann in fernster Zukunft mittlerweile nämlich auch möglich sein... Bis dahin: AKWs abschalten!
ackergold 12.08.2015
2.
Das Zeug wird am besten in einer noch zu bauenden Tiefschacht-Anlage im Kristallin des Bayerischen Waldes aufgehoben sein. Bayern ist bestens für ein Endlager geeignet, denn in Bayern überwiegen die Atomkraft-Befürworter und daher wird dort kaum Widerstand zu erwarten sein. Oder erwartet etwa jemand dort die Gamsbart-Hiasln auf einer satten Anti-Kernkraft-Demo?
webstoney 12.08.2015
3.
Zitat von ackergoldDas Zeug wird am besten in einer noch zu bauenden Tiefschacht-Anlage im Kristallin des Bayerischen Waldes aufgehoben sein. Bayern ist bestens für ein Endlager geeignet, denn in Bayern überwiegen die Atomkraft-Befürworter und daher wird dort kaum Widerstand zu erwarten sein. Oder erwartet etwa jemand dort die Gamsbart-Hiasln auf einer satten Anti-Kernkraft-Demo?
Ist Ihnen Wackersdorf ein Begriff?
tempus fugit 12.08.2015
4. eBEN!
Zitat von BueckstueckAch ja, da war doch noch ein Puzzlestück zur billigen, sauberen und sicheren Kernkraft, welches partout nirgends passen will: Das Endlager. Weckt mich also aus dem ewigen Schlaf, wenn es eine absolut zuverlässige Lösung gibt. Das dürfte dann in fernster Zukunft mittlerweile nämlich auch möglich sein... Bis dahin: AKWs abschalten!
...Unklar ist die Aussage @ Allein bei dem Atommüll aus der durch Wassereinbrüche bedrohten Schachtanlage Asse geht es um schätzungsweise 200.000 Kubikmeter vorwiegend schwach- und mittelradioaktive Abfälle. @ Was liegt denn 'nachwiegend' noch so alles drin, in der ASSE? Da soll man auch PU rein- und runtergejubelt haben! Aber genaues weiss man nicht, (will man nicht?!) weil bei "ganz modernen, wissenschaftlichen Versuchsendlager" neuerdings auf eine penible Erfassung all dessen, was da per Schaufellader höchst wissenschaftlich 'verstürzt' wurde, verzichtet wird! Das damals zuständige Helmholtz-Zentrum - Oberbehörde das Bildungsministerium - war dermassen fachlich geeignet, dass man ihm dann die Verantwortung entzog und 2009 dem Umweltministger Gabriel - Schullehrer - unterjubelte. Heute warten alle klammheimlich, dass die ASSE 2 absäuft u/o in sich zusammenfällt. Aus den Augen, aus dem Sinn!
cindy2009 12.08.2015
5. @ackergold
Besuchen Sie mich, dann werden Sie sehen, wieviele Menschen in Bayern zur Atomkraft stehen. Es reicht das kleine Einmal eins.
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