Streit um Kraftstoffe Forscher erteilen Bioenergie klare Absage

Biotreibstoffe sind heftig umstritten: Kritiker warnen seit langem, dass die vermeintliche Öko-Energiequelle alles andere als umweltfreundlich ist. Jetzt senken Forscher erneut den Daumen: Der Kraftstoff vom Acker könne nicht entscheidend zur Energiewende in Deutschland beitragen.
Rapsfeld: Bis 2020 sollen etwa 10 Prozent des Treibstoffs aus Biomasse produziert werden.

Rapsfeld: Bis 2020 sollen etwa 10 Prozent des Treibstoffs aus Biomasse produziert werden.

Foto: Peter Förster/ picture-alliance/ ZB

Hamburg - Treibstoffe wie Bioethanol, Biodiesel oder Biogas stehen seit Jahren in der Kritik: In Schwellenländern wie Brasilien werden Regenwälder gerodet, um Anbauflächen für Ölpflanzen zu schaffen. Zugleich steigen die Lebensmittelpreise, weil der Platz auf den Äckern knapp wird. Jetzt warnen Forscher auch die deutsche Bundesregierung vor den Folgen der Biospritproduktion. In einer Studie  der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina kommen sie zu dem Schluss, dass Bioenergie keinen quantitativ wichtigen Beitrag zur Energiewende in Deutschland leisten kann.

Die rund 20 beteiligten Wissenschaftler kritisieren, dass der Anbau von Ölpflanzen in Deutschland wesentlich mehr Fläche verbrauche als andere regenerative Energiequellen. Auch weisen sie darauf hin, dass bei der Produktion von Biotreibstoffen klimaschädliche Gase entstehen und der Anbau der Pflanzen die Nährstoffbelastung der Böden und Gewässer fördert.

Bereits als der Biosprit E10 vergangenes Jahr eingeführt wurde, standen Biokraftstoffe in Deutschland in der Kritik, weil der Anbau von Ölpflanzen mit der Lebensmittelherstellung konkurriert. In diesem Zusammenhang bemängeln die Forscher auch einen Bericht des Weltklimarats IPCC von 2011 . Die Zusammenfassung des Beitrags hinterlasse den Eindruck, dass Bioenergie weder klimaschädlich sei noch mengenmäßig limitiert werden müsse. Die Leopoldina-Forscher meinen jedoch, dass man Pflanzen für Bioenergie hierzulande nur anbauen sollte, wenn Nahrungsmittel- und Bioenergie-Produktion kombiniert werden könnten.

Der Bioökonomierat (BÖR), der die Bundesregierung berät, hat vor kurzem in einem Bericht erklärt , dass 23 Prozent der in Deutschland verbrauchten Energie im Jahr 2050 durch Bioenergie abgedeckt werden könnte, vornehmlich allerdings über Importe. Auch die Europäische Union will bis 2020 zehn Prozent des Treibstoffs für Transportzwecke aus erneuerbaren Energiequellen bereitstellen.

Die Leopoldina-Forscher sind skeptisch: Mit Ausnahme der Nutzung von biogenen Abfällen sei die Verwendung von Biomasse als Energiequelle in größerem Maßstab keine wirkliche Option für Deutschland. Vorrang sollten die Einsparung von Energie sowie die Verbesserung der Energieeffizienz haben.