Flugzeugabsturz in Indonesien Untersuchungsbericht kritisiert verschwundene Wartungsprotokolle

Laut dem offiziellen Untersuchungsbericht zum Absturz einer Boeing 737 haben Konstruktionsfehler an der Lion-Air-Maschine zu fatalen Entscheidungen im Cockpit geführt. Offenbar wurde aber auch bei der Wartung geschlampt.

Aufnahme aus dem März: Boeing 737 Max von Lion Air auf dem Flughafen von Jakarta
REUTERS/Willy Kurniawan

Aufnahme aus dem März: Boeing 737 Max von Lion Air auf dem Flughafen von Jakarta


Vor rund einem Jahr stürzte eine Boeing 737 Max des Billigfliegers Lion Air in Indonesien ab, 189 Menschen starben. Bevor die Maschine auf der Meeresoberfläche zerbarst, hatten die Piloten verzweifelt versucht, die Kontrolle über die Maschine zurückzuerlangen. Das Unglück war der tragische Beginn eines gigantischen Skandals, in dessen Zentrum seitdem der neue Flugzeugtyp Boeing 737 Max, der Konzern selbst und die amerikanische Flugaufsichtsbehörde FAA steht.

Am Freitag ist nun der lange erwartete Abschlussbericht der Untersuchung des Lion-Air-Absturzes veröffentlicht worden. Eine ganze Reihe von Gründen hat nach Ansicht der indonesischen Ermittlungsbehörden zum Absturz geführt: Laut Bericht empfehlen die Experten eine technische Umgestaltung der Maschine. Zudem müssten die Piloten künftig besser trainiert werden. Das berichtet die Nachrichtenagentur Reuters, der der Bericht vorliegt.

Problematisch ist vor allem das automatische Steuerungsprogramm Maneuvering Characteristics Augmentation System (MCAS), das von Boeing eigens für die 737 Max entwickelt wurde. Dieses System führt zum automatischen Absenken der Flugzeugnase bei drohendem Strömungsabriss. Die Piloten können MCAS mittels zweier Schalter im Cockpit wieder abstellen, das geschah bei dem Unglücksflug aber nicht.

Laut dem Bericht war einer der Piloten, der erste Offizier, mit dem System nicht vertraut genug. Zudem habe er schon während des Trainings mit der Maschine Probleme gehabt.

Außerdem lieferte ein außen angebrachter Sensor falsche Daten. Laut dem Bericht soll er von einer Reparaturwerkstatt in Florida falsch kalibriert worden sein, zudem sei er wohl später vom Wartungspersonal von Lion Air nicht getestet worden.

Offenbar hatte Boeing auch unterschätzt, dass die Piloten bei Problemfällen mit dem System der 737 mehr Zeit benötigen, um zu reagieren. Nach den Schätzungen des Herstellers betrug dieser Zeitraum drei Sekunden. Beim Unglücksflug waren es aber acht.

Der Bericht bemängelt außerdem, dass 31 Seiten aus den Wartungsprotokollen der Fluggesellschaft fehlen. Auf eine Anfrage zu diesen Seiten habe Lion Air bisher nicht reagiert, berichtet Reuters.

US-Luftfahrtbehörde in der Kritik

Bereits am Mittwoch hatten die Ermittler den Bericht den Angehörigen präsentiert und dabei erklärt, dass laut ihren Untersuchungen ein Konstruktionsfehler die Unglücksursache war und die Piloten zu schlecht trainiert waren.

Zuvor hatte auch die US-Luftfahrtbehörde FAA wegen angeblicher Versäumnisse bei der Zulassung der 737 Max Vorwürfe gegen Boeing erhoben. Der Flugzeughersteller habe ein Dokument, in dem sich ein technischer Leiter negativ über die Flugeigenschaften der 737 Max geäußert hatte, schon vor Monaten aufgetrieben, dem Verkehrsministerium jedoch erst am späten Donnerstag vorgelegt.

Demnach soll sich der technische Chefpilot Mark Forkner bereits vor Jahren nach Testflügen in einem Flugsimulator über die schlechten Flugeigenschaften der 737 Max beschwert haben.

Neben Boeing ist aber auch die FAA selbst durch die 737-Max-Abstürze in die Kritik geraten. Bei einem weiteren Absturz desselben Flugzeugtyps von Ethiopian Airlines starben im April 157 Menschen. Bei beiden Unglücken kamen insgesamt 346 Menschen ums Leben.

joe/Reuters



insgesamt 42 Beiträge
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Seite 1
anders_denker 25.10.2019
1. Ah, jetzt wird versucht
der Fluggesellschaft und den Piloten die Schuld zuzuschieben. Das lässt sich Boing sicher einiges kosten!
j1958 25.10.2019
2. Na sowas aber auch
So ein Zufall, Wartungsverichte fehlen. In diesen Ländern reichen ein oaar tausend gut plazierte Dollar und die ganze Airlihe verschwindet aus den Büchern. Boeing muss angesichts der zu erwartenden Schadenersatzforderujgen dringend sehen mehr Schuld7ge ins Boot zu bekommen. Da US Betriebe völlig unbedarft schmieren dürfen wenn die nationale Sicherheit bedroht ist (uhd bei einem der größten Rüstungskonzern darf man das annehmen) wäre ich da sehr misstrauisch.
allesmir 25.10.2019
3. @1
Wo lesen sie das denn? Sie haben entweder den Artikel nicht gelesen oder der Wunsch war hier wohl Vater des Gedanken. Es steht im Bericht nicht drin was man nicht schon wusste. Und vor allen steht da definitiv nicht, das es kein Problem mit dem Flugzeug gibt. Ganz in Gegenteil.
The Restless 25.10.2019
4. 31 Seiten
eines Wartungsprotokolls können unter normalen Umständen nicht einfach verschwinden - im Routinefall nicht, und schon gar nicht im Falle eines Absturzes, in dem jedes Wartungsdokument wertvolle Daten zur möglichen Unglücksursache enthalten kann. Wenn diese Seiten fehlen, dann gibt es einen Grund dafür. Mir scheint: Hier vereint sich der technische Fehler von Boeing mit dem Kontrollfehler der FAA und der Schlamperei der Fluggesellschaft bei der Wartung. Pfusch auf allen Ebenen, denn der Gewinn muss stimmen.
ein-berliner 25.10.2019
5. Fluggesellschaften?
Business as usual
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