Testflüge bei Boeing Erste 737 Max fliegen mit neuer Software

Boeing kämpft um die Wiederzulassung der 737 Max. Nun liegen die Ergebnisse der ersten Testflüge vor.

Boeing 737 MAX 8: Erst wenn die US-Luftbehörde das Update freigibt, dürfen die Flugzeuge wieder regulär starten
STEPHEN BRASHEAR/ AFP

Boeing 737 MAX 8: Erst wenn die US-Luftbehörde das Update freigibt, dürfen die Flugzeuge wieder regulär starten


Boeing hat nach eigenen Angaben erfolgreich Testflüge mit der Boeing 737 Max 8 durchgeführt, auf die zuvor ein Softwareupdate aufgespielt wurde. Dieses soll den automatischen Einsatz der umstrittenen Steuerungssoftware MCAS stark beschränken.

MCAS steht im Verdacht, die zwei Flugzeugabstürze in Äthiopien und Indonesien mitverursacht zu haben, bei denen 346 Menschen starben. Boeing hat die Probleme inzwischen eingestanden. Das Update soll dafür sorgen, dass solche Unfälle "nie wieder passieren", teilte Boeing mit.

Es seien bereits 96 Flüge mit einer Dauer von insgesamt über 159 Stunden zum Testen des Updates absolviert worden, sagte Boeing-Chef Dennis Muilenburg am Donnerstag bei einer Konferenz in Dallas. In den kommenden Wochen würden weitere Tests durchgeführt, um zu zeigen, "dass wir sämtliche Vorgaben für die Zertifizierung identifiziert und erreicht haben".

MCAS soll die Piloten eigentlich unterstützen: Weil die aktuellste Version des Boeing-Evergreens 737 wegen ihrer neuen Triebwerke in manchen Flugsituationen dazu neigt, die Nase zu stark zu heben, senkt die Software sie ohne das Zutun des Piloten wieder. So soll ein Strömungsabriss und ein Absturz des Jets verhindert werden.

Doch die bisherigen Ermittlungsergebnisse deuten darauf hin, dass das System durch falsche Sensordaten unbeabsichtigt aktiviert wurde und bewirkte, dass der Bordcomputer die Maschinen automatisch Richtung Boden lenkte. Das von Boeing nun vorgestellte Update dieser Software soll den Eingriff künftig deutlich eingrenzen. Bislang konnte das System die Nase der Maschine offenbar wiederholt gen Boden senken - auch wenn die Piloten am Knüppel die Maschine nach oben zogen.

Zudem soll sich das System bei möglichen Messfehlern jetzt selbst deaktivieren. Weichen die Daten zweier Sensoren an der Außenhaut des Flugzeugs zu stark voneinander ab, blinkt im Cockpit eine Warnleuchte, und das MCAS wird deaktiviert. Die Warnleuchte bot Boeing bislang bei der Auslieferung nur gegen Aufpreis an, künftig soll sie zur Grundausrüstung des Fliegers gehören.

Bisher bezog sich das MCAS zudem immer nur auf die Daten eines Sensors und ignorierte die Daten des anderen. Ein für die Luftfahrt unübliches Verfahren: Dort gilt aus Sicherheitsgründen das Gesetz der Redundanz, alles muss im Prinzip mindestens doppelt vorhanden sein, um den Ausfall eines Systems ausgleichen zu können.

Erst wenn die US-Luftbehörde FAA das Softwareupdate freigibt, kann die 737-Max-Flotte in den USA wieder starten. In der EU muss die Europäische Agentur für Flugsicherheit (EASA) grünes Licht geben.

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insgesamt 84 Beiträge
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schnubbeldu 12.04.2019
1. Die Überarbeitung von Boing ...
... kann selbst ein gut programmiertes Arduino-Board übernehmen. Selbst mit zwei weiteren Boards könnte man zwei Boards von einem dritten überwachen lassen und dann im Not-/Störungsfall deaktivieren und den Piloten im Cockpit anzeigen lassen. Klingt alles sehr plausibel und schnell umsetzbar.
Peer Pfeffer 12.04.2019
2. Wenn
Wenn Boing es wirklich geschafft hat, MCAS sicher(er) zu machen, beide Sensoren genutzt werden, die Piloten besser eingreifen können etc. etc., und die FAA das dann auch noch glaubhaft seriös prüft und zertifiziert, dann würde ich wieder in eine Max einsteigen.
hileute 12.04.2019
3. dass boeings Testergebnisse
hervorragend ausfallen ist klar. Ebenso aber auch das das Modell nunmal keine Zukunft hat, weil der Ruf hinüber ist.
sikasuu 12.04.2019
4. Vielleicht?!:-) Aber du wirst das Arduino-Board als Hardware....
Zitat von schnubbeldu... kann selbst ein gut programmiertes Arduino-Board übernehmen. Selbst mit zwei weiteren Boards könnte man zwei Boards von einem dritten überwachen lassen und dann im Not-/Störungsfall deaktivieren und den Piloten im Cockpit anzeigen lassen. Klingt alles sehr plausibel und schnell umsetzbar.
...wohl erst mal durch die Zulassung bringen müssen:-) Ich glaube nicht, dass das die Zulassungskriterien auch nur im Ansatz erreichen kann! . In einer Branche in der JEDE Schraube "zertifiziert" sein muss, ist dein Vorschlag wohl nicht so einfach umzusetzen! . Das o.a. ist ja genau das, was an dieser Maschine so wunderlich ist. Eine existenzielle Software, die so MASSIV in die Stabilität eines Fliegers eingreift, ist von der FAA zugelassen worden? . Das warum ist da mMn. sehr sehr interessant!
schnubbeldu 12.04.2019
5. spätestens wenn Sie ...
Zitat von hileutehervorragend ausfallen ist klar. Ebenso aber auch das das Modell nunmal keine Zukunft hat, weil der Ruf hinüber ist.
... das nächste Mal im Reisebüro oder im Internetportal für Flugreisen schauen, werden Sie Ihre Worte wieder vergessen haben. Warum? Weil Sie selber KEINEN Einfluss beim Buchen der Reise haben, welches Flugzeug die Reise-/Fluggesellschaft einsetzen wird. Selbst wenn eine Boing 737 MAX Maschine als Ersatzmaschine ans Terminal andockt, werden Sie in den Flieger einsteigen. Warum? Weil Sie für die Reise gebucht und bezahlt haben! Keine AGBs der Reise-/Fluggesellschaften schließt diese Möglichkeit aus.
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