Boeing 737 Max Flugaufsicht soll bereits nach erstem Absturz hohes Risiko gesehen haben

Hätte der zweite Absturz einer Boeing 737 Max mit 157 Toten verhindert werden können? Der US-Flugaufsichtsbehörde FAA lagen laut "Wall Street Journal" bereits nach dem ersten Unglück Hinweise auf eine Gefahr vor.

Flugzeuge vom Typ Boeing 737 Max 8 auf einem Flugfeld in Seattle
GARY HE/EPA-EFE/REX

Flugzeuge vom Typ Boeing 737 Max 8 auf einem Flugfeld in Seattle


Das Risiko eines weiteren Notfalls mit Flugzeugen vom Typ Boeing 737 Max war der US-Luftfahrtbehörde FAA offenbar früher bekannt als bislang angenommen. Bereits nach dem ersten von zwei Abstürzen habe die Behörde eine hohe Gefahr gesehen, meldet das "Wall Street Journal" unter Berufung auf einen FAA-Vertreter.

Die Prüfung der Aufseher habe ergeben, dass für eine erneute Fehlfunktion ähnlicher Art nicht viel zusammenkommen müsse. Die Behörde äußerte sich dazu bislang nicht.

Erst nach dem Absturz einer zweiten Boeing 737 Max mit 157 Toten in Äthiopien im März 2019 hatten die Behörden schließlich ein weltweites Flugverbot für entsprechende Flugzeuge verhängt. Zuvor war bereits im Oktober 2018 ein solches Boeing-Modell vor der indonesischen Insel Java abgestürzt, alle 189 Insassen starben.

Warnung an Piloten als ausreichend erachtet?

Bei der Suche nach der Ursache beider Abstürze steht die Steuerungssoftware MCAS im Verdacht. Dem "Wall Street Journal" zufolge sah die FAA nach dem ersten Absturz eine Warnung an Piloten zunächst als ausreichend an. Boeing sollte demnach zehn Monate Zeit für Änderungen der Steuerungssoftware MCAS erhalten.

Das MCAS-Programm soll die Unglücksmaschinen automatisch Richtung Boden gelenkt haben. Ein erster Untersuchungsbericht zur Absturzursache in Äthiopien kommt zum Schluss, dass die Piloten keine Chance hatten, das Unglück zu verhindern.

Sollte der Bericht der US-Zeitung zutreffen, würde das den Druck auf die FAA stark erhöhen. Die Behörde steht ohnehin in der Kritik, weil sie bei der Zulassung der 737 Max wichtige Sicherheitsprüfungen dem Hersteller überlassen haben soll. Gegen die FAA und Boeing wird deswegen ermittelt.

Boeing hat nach eigenen Angaben die Entwicklung eines Updates für die Steuerungssoftware des Flugzeugs abgeschlossen, die möglicherweise für die Abstürze verantwortlich ist. Wann die US-Luftfahrtbehörde FAA die Änderungen zertifiziert und der Flugbetrieb wieder aufgenommen wird, ist offen.

Hersteller Boeing will derweil keinen neuen Geschäftsausblick abgeben. Der Gewinn des Konzerns brach zuletzt stark ein, der Umsatz sank durch das Flugverbot um rund 35 Prozent. Der europäische Konkurrent Airbus holt seither stark auf.

apr/dpa



insgesamt 14 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
mundi 31.07.2019
1.
Meines Wissen stammten die Hinweise von anonymen Anzeigen der Piloten.
rennerfra 31.07.2019
2. Hinweise von Piloten waren nicht notwendig...
...für Menschen, die was von Luftfahrt was verstehen: schon der erste Absturz deutete auf ein (prinzipielles) Problem des Fliegers hin. Zudem sind folgende Aussagen der FAA widersprüchlich, wenn sie stimmen: "...habe die Behörde eine hohe Gefahr gesehen...Boeing sollte demnach zehn Monate Zeit für Änderungen der Steuerungssoftware MCAS erhalten" -> hat man 10 Monate Zeit, wenn ein dringender Verdacht besteht ???
h.hass 31.07.2019
3.
Mit diesen Kisten will niemand mehr fliegen, ganz egal ob Boeing die Software neu schreibt oder nicht. Keiner traut mehr Boeing oder der FAA.
gerd0210 31.07.2019
4.
Zitat von h.hassMit diesen Kisten will niemand mehr fliegen, ganz egal ob Boeing die Software neu schreibt oder nicht. Keiner traut mehr Boeing oder der FAA.
Wird in den USA auch mal eine Behörde angeklagt?
mohsensalakh 31.07.2019
5. Irre führende Darstellung!
"Erst nach dem Absturz einer zweiten Boeing 737 Max mit 157 Toten in Äthiopien im März 2019 hatten die Behörden schließlich ein weltweites Flugverbot für entsprechende Flugzeuge verhängt." Das ist nicht ganz richtig - zunächst hat die Welt reagiert und ein Flugverbot für 737 Max weltweit erteilt! US-Behörde sprach zunächst davon, dass die Flugzeuge "Absolut sicher seien". Nach dem weltweites Flugverbot dürften diese Flugzeuge noch weiterer Monat in USA fliegen, bis auch dort ein Verbot ausgesprochen wurde.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.