Zweifel an Zertifizierung der Boeing 737 Max US-Senat setzt Flugaufsehern Ultimatum

Haben der Flugzeugbauer Boeing und die Aufsichtsbehörde FAA ein zu enges Verhältnis? Mit dieser Frage befasst sich derzeit der US-Senat. Ein Komitee will nun auch die Vorwürfe eines Whistleblowers untersuchen.

Boeing 737 MAX 8: "Wenn ich an Bord dieser Maschinen gewesen wäre, hätte ich einen Fallschirm haben wollen."
REUTERS

Boeing 737 MAX 8: "Wenn ich an Bord dieser Maschinen gewesen wäre, hätte ich einen Fallschirm haben wollen."


Die Beschuldigungen des Unbekannten sind gravierend: Sicherheitsinspektoren der Federal Aviation Administration, kurz FAA, seien nicht angemessen ausgebildet und zertifiziert gewesen, um die Boeing 737 Max überhaupt zuzulassen. So hat es jedenfalls ein anonymer Hinweisgeber zu Protokoll gegeben. Nach einem Bericht der "New York Times" hat ein Komitee des US-Senats nun die Flugaufseher aufgefordert, zu den Behauptungen Stellung zu nehmen.

Das Schreiben sei vom republikanischen Senator aus Mississippi, Roger Wicker, verfasst worden und gebe der Behörde zwei Wochen Zeit, sich in der Sache zu äußern. Es gehe konkret um die Frage, ob die zum US-Verkehrsministerium gehörende FAA die Vorwürfe untersucht und gegebenenfalls auch Maßnahmen zur Lösung des Problems getroffen habe.

Dem Bericht zufolge kennt die FAA laut Erkenntnissen des Senatskomitees die Vorwürfe seit dem vergangenen August. Eine interne Untersuchung sei kürzlich abgeschlossen worden.

Sitz der Flugaufsichtsbehörde FAA in Washington
Eric Baradat / AFP

Sitz der Flugaufsichtsbehörde FAA in Washington

"Hätte einen Fallschirm haben wollen"

Der kommissarische Leiter der FAA, Daniel Elwell, hatte in der vergangenen Woche zweieinhalb Stunden im Senat aussagen müssen. Außer ihm waren auch Robert Sumwalt, Chef der Schwesterbehörde NTSB, die Flugzeugabstürze untersucht, und Calvin Scovel, der Generalinspekteur des Transportministeriums befragt worden.

In der Anhörung hatte es über die Parteigrenzen hinweg Kritik an der Arbeit der Behörden gegeben. "Wir müssen besser werden", hatte etwa der Republikaner Ted Cruz gesagt. Der Demokrat Richard Blumenthal zeigte sich "schockiert" über die laxe US-Flugaufsicht und warf der FAA vor, "den Bock zum Gärtner gemacht" zu haben, indem sie die Prüfung kritischer Systeme aus Kostengründen Boeing überlasse: "Wenn ich an Bord dieser Maschinen gewesen wäre, hätte ich einen Fallschirm haben wollen."

Die FAA muss auch darüber entscheiden, wann die Boeing 737 Max wieder mit Passagieren in die Luft darf. Boeing arbeitet derzeit an einem Software-Update, mit dem das Assistenzsystem MCAS zur Lagekontrolle sicherer gemacht werden soll. Das System wird mit den Abstürzen der Maschinen von Ethiopian Airlines (10. März 2019, 157 Todesopfer) und Lion Air (29. Oktober 2018, 189 Todesopfer) in Verbindung gebracht. Nach Angaben von Boeing wird es noch mehrere Wochen dauern, bis das Update zur Verfügung steht.

Lufthansa interessiert sich nach wie vor für die 737 Max

Am Mittwoch berichtete das "Wall Street Journal", das MCAS-System sei vor dem Absturz der Ethiopian-Airlines-Maschine von den Piloten ausgeschaltet worden. Das hatte Boeing für den Fall von Problemen auch angewiesen. Nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters war das System anschließend aber weitere vier Male aktiv. Als Quelle der Information sind mit der Untersuchung des Unfalls vertraute Personen angegeben. Derzeit werde noch untersucht, ob die Besatzung das Programm wieder angeschaltet habe.

Das MCAS-System hatte sich bisher nur auf die Daten eines Sensors gestützt, um die Fluglage der Maschine zu ermitteln, obwohl zwei zur Verfügung gestanden hätten. In Zukunft sollen beide Sensoren für die Messungen verwendet werden. Zusätzlich deaktiviert sich das System bei einem zu großen Unterschied der Werte selbstständig.

Die Lösung wird, sobald Boeing sie fertiggestellt hat, von der FAA geprüft. In Europa ist die EASA zuständig, sie übernimmt laut bilateralen Vereinbarungen die Zertifizierung der Amerikaner standardmäßig. Die Behörde kann sich aber auch anders entscheiden, so hatte sie der Boeing 737 Max nach dem Absturz der Ethiopian-Airlines-Maschine früher als die FAA die Betriebsgenehmigung entzogen.

Bei Boeing liegt eine große Zahl von Vorbestellungen für die 737 Max vor, konkret geht es um etwa 5000 Jets. Weitere Airlines erwägen, das Flugzeug ebenfalls anzuschaffen, dazu zählt die Lufthansa. Der Reisekonzern Tui hat 15 Maschinen von Boeings 737-Max-Reihe in der Flotte. Bis Ende Mai sollten acht weitere Maschinen dazukommen, auch bei der deutschen Tochter Tuifly.

chs/pit

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