Sicherheitsmängel beim 787 "Dreamliner" Boeing-Ingenieur erhebt schwere Vorwürfe gegen US-Flugzeugbauer

Nach SPIEGEL-Informationen warnte ein Mitarbeiter vor womöglich fehlerhaften Bauteilen in Boeing-Maschinen. Mit dem 787 "Dreamliner" gerät nun der zweite Flugzeugtyp des US-Herstellers in die Schlagzeilen.
Boeing 787-10: "Die Untersuchung hat untermauert, dass hier Vorschriften der FAA bezüglich der Sicherheit von Fluggesellschaften verletzt wurden"

Boeing 787-10: "Die Untersuchung hat untermauert, dass hier Vorschriften der FAA bezüglich der Sicherheit von Fluggesellschaften verletzt wurden"

Foto: BOEING

Ein deutschstämmiger Boeing-Ingenieur hat vor Sicherheitsmängeln bei der Produktion von Flugzeugen des Modells 787 "Dreamliner" gewarnt. Das geht aus Unterlagen hervor, die dem SPIEGEL vorliegen.

Nach dem Absturz zweier Boeing 737 Max 8 wurde ein weltweites Flugverbot für Maschinen dieses Typs verhängt - mit den Bedenken gegenüber dem "Dreamliner" steht nun auch das Boeing-Vorzeigemodell in der Kritik. Die SPIEGEL-Recherchen bekräftigen Vorwürfe gegen den US-Flugzeugbauer, die durch einen Bericht der "New York Times" bereits im April öffentlich wurden.

Offenbar wurden von Zulieferern Flugzeugteile wie Mittelrumpf oder Tragflächen geliefert, bei denen gar nicht kontrolliert worden ist, ob sie den ursprünglich vereinbarten Qualitätsmaßstäben und Eigenschaften entsprechen. Sie können womöglich Fehler enthalten und trotzdem verbaut worden sein.

In einem der Dokumente heißt es: "Unter 'Sicherheitsangelegenheiten' meldete der Beschwerdeführer, dass 787-Rumpf-Lieferanten keine Konfiguration der Teile bewerkstelligen konnten." Nach SPIEGEL-Informationen hat der Boeing-Mitarbeiter, der bei der Entwicklung der 787 für die Begutachtung des Produktionsprozesses verantwortlich war, die Vorwürfe im Juni gegenüber der Europäischen Luftfahrtbehörde Easa wiederholt. Offensichtlich aus Misstrauen gegenüber der amerikanischen US-Luftfahrtbehörde FAA.

  • Was zum Absturz von zwei Boeing-Flugzeugen führte: Lesen Sie hier Teil I  der SPIEGEL-Titelstory
  • Das Ungeheuer von Seattle: Lesen Sie hier Teil II  der SPIEGEL-Titelstory
  • Wie Boeing bei der Zulassung der 737 Max trickste: Lesen Sie hier Teil III  der SPIEGEL-Titelstory

Diese scheint einige der Vorwürfe zumindest zum Teil untersucht zu haben. In einem Dokument schreiben deren Prüfer am 22. Februar 2016 Bezug nehmend auf seine Angaben an den Ingenieur: "Die Untersuchung hat untermauert, dass hier Vorschriften der FAA bezüglich der Sicherheit von Fluggesellschaften verletzt wurden." Der SPIEGEL konnte einen Teil der Dokumente mithilfe des Informationsfreiheitsgesetzes bei US-Behörden erstreiten.

Darin heißt es unter anderem, Management und hohe Führungskräfte bei Boeing hätten die Anweisung gegeben, die Abstimmungsprobleme "zu verbergen", und zwar, um "das Produktionszertifikat für die 787 zu erhalten". Der Ingenieur, der sich gegenüber dem SPIEGEL nicht äußern wollte, wird vom Berliner Luftfahrtrechtler Elmar Giemulla vertreten. Auf Anfrage erklärte ein Boeing-Sprecher: "Boeing und die FAA haben die Vorwürfe untersucht, und Boeing ging auf alle Bedenken ein."

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