Nächste Krise beim Flugzeughersteller Zweifel an der Sicherheit von Boeings "Dreamliner"

Boeing soll in einem US-Werk etliche Mängel ignoriert haben. Betroffen ist laut Medien-Bericht die Produktion des "Dreamliner" in South Carolina. Das könne die Flugsicherheit der Maschine gefährden, klagen Mitarbeiter.
Triebwerk einer 787-8 Dreamliner von Boeing

Triebwerk einer 787-8 Dreamliner von Boeing

Foto: Alejandro Cegarra/ Bloomberg/ Getty Images

Bevor der Flugzeugbauer Boeing am Mittwoch die neuen Quartalszahlen vorstellen wird, droht neuer Ärger: Wie Recherchen der "New York Times " ergaben, habe das Unternehmen etliche Sicherheitsbedenken ignoriert, die von Mitarbeitern vorgetragen worden seien. Betroffen ist dieses Mal die Produktion des "Dreamliner".

Die Recherchen kommen für Boeing zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Zwei Abstürze des Typs Boeing 737 Max binnen weniger Monate setzen den Konzern erheblich unter Druck. 346 Menschen starben bei den Unfällen. Boeings Bestseller-Jet steht seit März still.

Wie die "New York Times" nun aus internen Mails, Dokumenten und Gesprächen mit Boeing-Mitarbeitern erfuhr, sei bei der Produktion des "787 Dreamliner" am Standort North Charleston in South Carolina geschlampt worden. Damit kommen Zweifel an einem der wichtigsten Flugzeuge aus Boeings Portfolio auf.

Die Rede ist von Metallspänen, Werkzeug und Bauteilen, die man einfach nach Fertigstellung im Flugzeug gelassen habe - etwa an den Triebwerken oder nahe kritischer elektronischer Systeme, was zu katastrophalen Unfällen führen könne. Außerdem seien defekte Bauteile in Maschinen eingesetzt worden.

Boeing bestreitet die Vorwürfe

"Ich habe meiner Frau gesagt, dass ich niemals damit fliegen werde. Es ist eine Frage der Sicherheit", zitiert die New York Times einen Mitarbeiter. Überdies heißt es, die Leitungsebene habe Druck auf Mitarbeiter ausgeübt, die Mängel nicht den Behörden zu melden und stattdessen auf einen schnellen Produktionsablauf zu achten.

Als Kunden in fabrikneuen Boeing-Flugzeugen herrenlose Gegenstände fanden, beraumte das Unternehmen eilig ein Treffen in der Fabrik in South Carolina an, um die Probleme abzustellen, heißt es weiter. Aufgrund der Mängel habe beispielsweise Großkunde "Qatar Airways" zeitweise keine Flugzeuge aus dem Werk in North Charleston mehr akzeptiert.

Boeing bestreitet die Vorwürfe. "Boeing South Carolina produziert den höchsten Grad an Qualität unserer Geschichte. Ich bin stolz auf unser Bekenntnis zur Qualität und stehe hinter der Arbeit, die unsere Mitarbeiter Tag für Tag verrichten", sagte Kevin McAllister, Chef von Boeings kommerzieller Flieger-Abteilung zur "New York Times."

tin
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