737 Max US-Flugaufsicht fordert von Boeing Erklärung zu belastendem Dokument

Ein Boeing-Pilot hatte sich offenbar bereits lange vor den Abstürzen zweier 737 Max 8 intern über das Flugverhalten der Maschinen beschwert. Nun fordert die FAA von Boeing eine "sofortige Erklärung".
Unlackierte Boeing 737 MAX auf dem Boeing-Produktionsgelände in Renton im US-Bundesstaat Washington

Unlackierte Boeing 737 MAX auf dem Boeing-Produktionsgelände in Renton im US-Bundesstaat Washington

Foto: Lindsey Wasson/REUTERS

Die US-Luftfahrtbehörde FAA hat wegen angeblicher Versäumnisse bei der Zulassung des Flugzeugs 737 Max Vorwürfe gegen Boeing erhoben. Der Flugzeughersteller habe ein Dokument, in dem sich ein technischer Leiter negativ über die Flugeigenschaften der 737 Max geäußert hatte, schon vor Monaten aufgetrieben, dem Verkehrsministerium jedoch erst am späten Donnerstag vorgelegt.

Wie unter anderem die "New York Times"berichtet , soll der technische Chefpilot Mark Forkner sich bereits vor Jahren nach Testflügen in einem Flugsimulator über die schlechten Flugeigenschaften der 737 Max beschwert haben. "Selbst wenn man annimmt, ich sei ein schlechter Pilot, war das ungeheuerlich", zitiert die Zeitung aus einem Transkript von einem Gespräch, das Forkner mit einem Kollegen geführt haben soll.

Über das umstrittene Stabilisierungssystem MCAS soll Forkner gesagt haben: "Es tobt im Simulator." Außerdem soll der Pilot laut " New York Times" angegeben haben, gegenüber der FAA gelogen zu haben. Er soll sich zudem bei der Flugaufsicht erkundigt haben, ob aus Sicht der Behörde etwas gegen eine Streichung des MCAS aus dem Pilotenhandbuch spreche.

FAA-Chef Steve Dickson forderte in einem von der Behörde veröffentlichten Brief an Boeing-Chef Dennis Muilenburg eine "sofortige Erklärung", warum ein "beunruhigendes Dokument" den Aufsehern erst so spät gezeigt wurde. Boeing äußerte sich zunächst nicht.

Die Boeing-Aktie verlor nach Bekanntwerden der Vorwürfe knapp vier Prozent an Wert. Sie fiel damit auf das tiefste Niveau seit Anfang September.

Einer Mitteilung der FAA zufolge geht es konkret um Nachrichten zweier Boeing-Mitarbeiter, in denen ein bestimmter Informationsaustausch zwischen der Behörde und dem Flugzeugbauer zur ursprünglichen Zulassung der nach zwei Abstürzen mit Startverboten belegten 737 Max im Jahr 2016 beschrieben wurde.

Sowohl Boeing als auch die FAA sind durch die 737-Max-Abstürze, bei denen im Oktober und März insgesamt 346 Menschen starben, schwer in die Kritik geraten. US-Ermittler untersuchen, ob bei der Zulassung der Unglücksflieger alles mit rechten Dingen zuging.

fek/dpa
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