Fehlerhafte Teile Boeing muss Hunderte 737-Jets prüfen lassen

Neuer Rückschlag für Boeing: Der US-Flugzeughersteller muss mehr als tausend seiner 737-Maschinen überprüfen lassen. Die Sicherheitsbehörde FAA warnt vor fehlerhaften Teilen, die im Extremfall dazu führen können, dass die Piloten die Kontrolle über das Flugzeug verlieren.

737 im Boeing-Werk in Renton (US-Staat Washington): FAA ordnet Überprüfung an
AP

737 im Boeing-Werk in Renton (US-Staat Washington): FAA ordnet Überprüfung an


Die US-Flugaufsichtsbehörde FAA hat angekündigt, mehr als tausend Maschinen vom Typ Boeing 737 zu untersuchen. Es gebe Informationen über eine "fehlerhafte Prozedur" beim Auftragen eines Anti-Korrosions-Anstrichs an einem Bauteil des Heckleitwerks, teilte die Behörde am Sonntag mit. Diese Bauteile müssten überprüft und wenn nötig ausgetauscht werden. Andernfalls könnten Piloten möglicherweise die Kontrolle über die betroffenen Maschinen verlieren.

Durch Probleme mit dem Anti-Korrosions-Anstrich verursachte Zwischenfälle werden jedoch in der FAA-Direktive nicht erwähnt. Den Angaben zufolge sollen die Kontrollen, die mit Boeing abgesprochen seien, am 20. Mai beginnen und 1050 Flugzeuge umfassen.

Betroffen sind laut FAA in den USA registrierte Flugzeuge im Dienst verschiedener US-Fluggesellschaften. Ihnen werden nach einer Schätzung der Behörde rund zehn Millionen Dollar (7,6 Millionen Euro) Kosten durch die Kontrollen entstehen. Ein Teil werde aber möglicherweise im Rahmen der Garantie von Boeing übernommen. Das Unternehmen hat bisher noch keine Stellung zu der FAA-Anordnung bezogen.

Bei den betroffenen Bauteilen handelt es sich um Stifte, mit denen die Höhenleitwerke befestigt sind. Sie dienen dazu, die Neigung der Flugzeugs zu kontrollieren. Schäden am Höhenleitwerk gelten als besonders gefährlich, weil sie ein Flugzeug in einen extremen Steig- oder Sinkflug bringen können.

737 macht nicht zum ersten Mal Ärger

Die Panne kommt für Boeing zur Unzeit. Zuletzt erhielt die gesamte Flotte des neuen Flugzeugtyps 787 Dreamliner ein Startverbot, weil die Akkus an Bord mehrerer Maschinen Feuer gefangen hatten. Boeing musste daraufhin das Batteriesystem ändern - obwohl die genaue Ursache der Brände nach wie vor unklar ist.

Auch die 737 macht nicht zum ersten Mal Probleme. Im Frühjahr 2011 stürzte eine Maschine dieses Typs beinahe ab, als sie in rund 11.000 Metern Höhe einen Teil des Rumpfs verlor und den Passagieren freien Blick auf den Himmel bescherte. Danach mussten rund 180 Exemplare der 737-Baureihe auf Schwachstellen überprüft werden. Ursache der Beinahe-Katastrophe waren offenbar Risse an den vernieteten Übergängen zwischen den Aluminiumplatten am Rumpf. Boeing-Ingenieure hatten sogar mit dem Problem gerechnet - aber geglaubt, dass es erst nach einer längeren Dienstzeit der Flugzeuge auftreten würde.

Ein Boeing-Sprecher betonte damals, wie sicher die 737 dennoch sei: Statistisch würden in jeder Sekunde am Tag zwei Maschinen dieses Typs irgendwo auf der Welt starten oder landen. Man sei "extrem stolz" auf die Sicherheitsbilanz des Fliegers. Die 737 ist das erfolgreichste Modell von Boeing. Mit mehr als 10.000 ausgelieferten Exemplaren gilt es als eine der meistverkauften Flugzeugtypen überhaupt. Nahezu alle großen Gesellschaften der Welt fliegen die 737.

mbe/Reuters/AFP

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Ontologix II 15.04.2013
1. Gutes Flugzeug
Die 37er ist bei Piloten beliebt und verursacht nach einem Flug im Schnitt weniger Fehlermeldungen als ein Airbus. Allerdings werden Boeing-Flugzeuge meist von angelernten Kräften zusammengenietet, die schon mal schlampen. Es gibt immer mal wieder dramatische Ereignisse, die von den Fluggesellschaften aber nicht immer veröffentlich werden, außer die Passagiere haben was gemerkt.
harmlos01 15.04.2013
2. AD Notes sind völlig normal
Sogenannte AD-Notes sind völlig normal und werden alle Naslang ausgegeben. Wo ist also der Nachrichtenwert? Wenn jede Behördenforderung einen prominenten Platz bei SPON bekommt, dann wäre hier eine Luftfahrtseite im entstehen! Das ist die zweite Meldung dieser Art in wenigen Tagen (Tailstrike in Chicago), wo ohne viel Hintergrund über Luftfahrtthemen berrichtet wird.
Alternator 15.04.2013
3. Klamauk
Für einen Flugzeugtyp, der in 35 Jahren in fast siebeneinhalbtausend Exemplaren gebaut wurde, und der auf belastungsintensiven Kurzstrecken mit oft geringeren Flughöhen innerhalb der Einwirkung von Wettergeschehen (Thermik, Turbulenz, Leuten, die von "Heckleitwerken" reden eher als "Luftlöcher" bekannt), mit häufigen Starts und Landungen, finde ich, dass gerade die 737 eine sehr gute Figur gemacht hat, und weiter macht. Wegen einer popeligen LTA, wie sie vom Luftfathrtbundesamt zu JEDEM Flugzeugtyp regelmäßig herausgegeben werden, einen verschreckten Artikel ins Internet zu schmeißen, empfinde ich als Klamauk-Journalismus. Wenn dann in dem Artikel auch noch Grundschulvokabular wie "Heckletwerk" verwendet wird, tut es weh. So ein Nicht-Niveau erwarte ich bei der Bild, aber nicht beim Spiegel! Es ist das "Leitwerk", offenbar das "Höhenleitwerk". Findet sich ein Leitwerk nicht am Heck, sondern vorne am Flugzeug, die sogenannte Entenkonfiguration oder "Canard", dann heißt das "Leitwerk" "Canard" oder "Canard-Flügel", manchmal auch "Entenflügel". Also Bitte. Danke.
diathermie 15.04.2013
4. Zufall?
Zitat von sysopAPNeuer Rückschlag für Boeing: Der US-Flugzeughersteller muss mehr als tausend seiner 737-Maschinen überprüfen lassen. Die Sicherheitsbehörde FAA warnt vor fehlerhaften Teilen, die im Extremfall dazu führen können, dass die Piloten die Kontrolle über das Flugzeug verlieren. http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/boeing-muss-hunderte-737-jets-pruefen-lassen-a-894403.html
„Boeing 737-800 vor der beliebten Ferieninsel Bali… schlug am Samstag unmittelbar vor der Landung auf der Ferieninsel im Meer auf…“ Zufall?: „…Typ Boeing 737…"fehlerhafte Prozedur" beim Auftragen eines Anti-Korrosions-Anstrichs an einem Bauteil des Heckleitwerks…weil sie ein Flugzeug in einen extremen Steig- oder Sinkflug bringen können… Piloten möglicherweise die Kontrolle über die betroffenen Maschinen verlieren.“ Mein ja nur so...
paulinenaue 15.04.2013
5. Warum ist alles was mit Luftfahrt zu tun hat immer laienhaft recherchiert?
"Mit mehr als 10.000 ausgelieferten Exemplaren". 10000 Exemplare eines Airliners hat es seit der DC3 nicht mehr gegeben. Die 737 steht bei respektvollen 7500.
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