Korrekturen an Flugsimulator-Software Boeing räumt erstmals Fehler bei 737 Max 8 ein

Boeing hat bei der Erneuerung der Software des Flugsimulators für die 737 Max 8 Korrekturen vorgenommen. Der Konzern gestand damit erstmals Fehler ein - demnach konnten zuvor bestimmte Flugbedingungen nicht simuliert werden.

Eine Boeing 737 Max 8 während eines Testflugs im Mai 2019
Ted S. Warren / AP

Eine Boeing 737 Max 8 während eines Testflugs im Mai 2019


Nach zwei Unglücken mit Hunderten Toten will Boeing die Wiederzulassung für das Modell 737 Max 8 zurückerhalten. Doch zuvor muss der Konzern nachweisen, dass die Maschine sicher ist.

Nun hat Boeing erstmals Fehler bei der Software des Flugsimulators eingeräumt. Das Unternehmen teilte mit, es habe Korrekturen an der Flugsimulationssoftware für die 737-Max-Maschinen vorgenommen und die Nutzer darüber informiert.

Zudem habe man den Gerätebetreibern zusätzliche Informationen bereitgestellt, um sicherzustellen, dass das Simulatorerlebnis für verschiedene Flugbedingungen repräsentativ sei. Mit dem Simulator können Piloten für den Flug mit einer 737 Max trainieren.

Die inzwischen vorgenommene Änderung betrifft dem Unternehmen zufolge die Bedienung eines nur selten verwendeten manuell bedienbaren Steuerrads, mit dem der Flugwinkel der Maschine verändert werden kann.

Boeing teilte nicht mit, wann das Problem mit der Simulationssoftware auffiel und ob die zuständige Regulierungsbehörde darüber informiert wurde. Das Unternehmen versicherte allerdings, dass es bei den Veränderungen an der Software eng mit den Aufsichtsbehörden zusammenarbeite, um sicherzustellen, dass das Pilotentraining ungehindert fortgesetzt werden könne.

Boeing zufolge war die Flugsimulationssoftware nicht in der Lage, bestimmte Flugbedingungen zu simulieren, die denjenigen ähneln, die bei dem Absturz einer 737-Max-Maschine von Ethiopian Airlines im März in Äthiopien oder einer Lion-Air-Maschine desselben Typs im Oktober in Indonesien eingetreten waren. Bei den beiden Unglücken waren insgesamt 346 Menschen ums Leben gekommen.

Nach den beiden Abstürzen wurde ein weltweites Flugverbot für 737-Max-Maschinen verhängt. In beiden Fällen steht das speziell für die Boeing 737 Max entwickelte Stabilisierungssystem MCAS (Maneuvering Characteristics Augmentation System) im Verdacht, eine verheerende Rolle gespielt zu haben. Es drückt bei einem drohenden Strömungsabriss die Nase des Flugzeugs automatisch nach unten, auch wenn die Piloten gegensteuern.

Am Donnerstag hatte Boeing mitgeteilt, dass das Unternehmen ein Softwareupdate für Maschinen des Typs 737 Max abgeschlossen habe. Insgesamt seien 207 Flüge mit einer Gesamtdauer von 360 Stunden mit dem aktualisierten Stabilisierungssystem MCAS geflogen worden. Bevor die 737 Max den Flugbetrieb wieder aufnehmen kann, muss die US-Luftfahrtbehörde FAA einer Wiederzulassung zustimmen. US-Fluggesellschaften rechnen damit, dass die Maschinen ab August wieder abheben dürfen.

Die Fluggesellschaft Southwest Airlines hat 34 Maschinen der 737-Max in ihrer Flotte und ist damit ein großer Abnehmer des Flugzeugtyps. Das Unternehmen teilte mit, es rechne für Ende des Jahres mit der neuen Software. American Airlines erklärte, man habe einen 737-Max-Flugsimulator bestellt, der voraussichtlich im Dezember geliefert werde. Wegen der andauernden Ermittlungen zu den beiden Flugzeugabstürzen suche die Fluggesellschaft in Abstimmung mit der Aufsichtsbehörde FAA aber nach zusätzlichen Trainingsmöglichkeiten.

Laut FAA-Daten gibt es in den USA nur einen einzigen Flugsimulator, der speziell auf Flüge mit der 737 Max vorbereitet, und dieser ist im Besitz von Boeing. Aus Branchenkreisen hieß es, ansonsten habe nur Air Canada einen solchen Simulator. US-Fluggesellschaften bilden ihre Piloten an Simulatoren für die 737 NG, einem Vorgängermodell der 737 Max, für den neuen Maschinentyp aus. Die 737 NG verfügt allerdings nicht über das MCAS-System.

Die FAA hält ein Training an Flugsimulatoren nicht für unbedingt notwendig. Die Piloten sowie die kanadische Luftfahrtbehörde sehen das hingegen anders. Die FAA wird kommende Woche bei einem internationalen Treffen im texanischen Fort Worth versuchen, die Aufsichtsbehörden aus anderen Ländern von der Verlässlichkeit des Zulassungsverfahrens bei der überarbeiteten 737 Max zu überzeugen.

mmq/AFP/dpa

insgesamt 71 Beiträge
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gammoncrack 19.05.2019
1. Also, das glaube ich nun nicht,
dass Boeing erst jetzt den Fehler eingestanden hat, "Der Konzern räumte am Sonntag ein, bereits einige Monate nach Auslieferungsbeginn der 737 Max im Mai 2017 festgestellt zu haben, dass ein Warnsystem in den Cockpits nicht richtig funktionierte." Das ist eine Mitteilung vom 5.5.2019 https://www.tag24.de/nachrichten/boeing-737-max-abstuerze-probleme-seit-2017-bekannt-software-indonesien-aethiopien-1056449
frenchie3 19.05.2019
2. Ab August wieder fliegen?
Weltweit nur ein Simulator und eine Airline bekommt einen erst im Dezember. Soll das nun heißen daß Piloten ohne Training ab August fliegen? Oder daß alle einen Crashkurs (sorry, heißt ja wirklich so) bei Boeing machen und bis August fertig sind? Was wird die deutsche Behörde mn, der FAA vertrauen oder selbst testen?
ddcoe 19.05.2019
3. Ist das Vertrauen
erst einmal verloren, dann können auch alle Schlampreien eingestanden werden. Ich persönlich denke eine Maschine, die ohne Krücken - diese Software - nicht fliegen kann ist eine Fehlkonstruktion.
hamburgwolfgang 19.05.2019
4. Ich frage mich
wieso geht noch kein Gericht der betroffenen Länder massiv gegen Boeing mit Milliardenstrafen vor, so wie das die Amerikaner mit den Automobilbauern gemacht haben? Da sollten sich die Länder doch einig sein und bei Boeing keine Flugzeuge mehr kaufen und die bestehenden Bestellungen stornieren.
equigen 19.05.2019
5. @gammoncrack
Es geht hier um den SIMULATOR, also die SW die zur Ausbildung der Piloten benutzt wird. Auch die hat einen Fehler. ALLES hat Fehler: die MCAS SW, die SW für die Warnlampe, die Flugsimulator SW, das iPad Dokument in dem MCAS nicht erwähnt wird. Alles! Unfassbar was das für eine Schlamperei ist.
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