Nach tödlichen Abstürzen Boeing hat Steuerungssoftware erneuert - Behörde will "rigorose Prüfung"

Zwei Unglücke mit Hunderten Toten: Boeing war massiv unter Druck, ein Update der Steuerungssoftware für die 737 Max 8 zu entwickeln. Fliegen werden die Maschinen noch nicht so schnell.

Unten im Bild: Einer der beiden Sensoren an einer Boeing 737 Max 8
Stephen Brashear / Getty Images / AFP

Unten im Bild: Einer der beiden Sensoren an einer Boeing 737 Max 8


Der US-Flugzeughersteller Boeing hat nach eigenen Angaben das Update für die Software der 737 Max 8 abgeschlossen. Man sei zuversichtlich, dass das Modell mit der aktualisierten Software des Steuerungssystems MCAS "eines der sichersten Flugzeuge sein wird, das jemals geflogen ist", erklärte Boeing-Chef Dennis Muilenburg in einer Mitteilung des Konzerns.

Ein Ende des Flugverbots für die Maschinen dieses Typs bedeutet das zunächst allerdings nicht. Die US-Flugaufsichtsbehörde FAA muss die Änderungen noch zertifizieren, bevor die Boeing 737 Max wieder eingesetzt werden darf. Die Behörde hatte angekündigt, die Software einer "rigorosen Sicherheitsüberprüfung" zu unterziehen.

Beim Absturz einer Boeing 737 Max von Ethiopian Airlines im März und einer Maschine gleichen Typs der indonesischen Fluglinie Lion Air im Oktober waren insgesamt 346 Menschen ums Leben gekommen. In beiden Fällen war möglicherweise die MCAS-Software verantwortlich. Der Bordcomputer soll die Nase der Flugzeuge automatisch nach unten gedrückt haben - die Besatzung war nicht in der Lage, die Maschinen unter Kontrolle zu kriegen.

Boeing teilte am Donnerstag in Chicago mit, die aktualisierte Software sei bereits im Flugsimulator und auf Testflügen erprobt worden. Bislang sei das MCAS-System mit dem Update mehr als 360 Stunden lang auf insgesamt 207 Testflügen eingesetzt worden. Flüge ohne Passagiere sind noch erlaubt. Boeing habe zudem verbesserte Trainingsmaterialien entwickelt, die nun von der FAA, von Flugaufsichtsbehörden anderer Länder und von Boeing-737-Max-Kunden überprüft würden.

737 Max 8 für Ferienverkehr wohl nicht verfügbar

In der Mitteilung des Konzerns hieß es weiter, man arbeite daran, der FAA noch weitere Informationen zur Verfügung zu stellen. Dabei gehe es unter anderem darum, wie Piloten in verschiedenen Szenarien mit der Flugzeugsteuerung und den Anzeigen umgehen. Sobald diese Anforderungen erfüllt seien, werde Boeing mit der FAA einen Testflug zur Zertifizierung vereinbaren.

Das "Wall Street Journal" hatte am Montag berichtet, es sei unwahrscheinlich, dass die Maschinen vom Typ 737 Max vor Mitte August wieder fliegen dürften. Damit stünden sie für einen großen Teil des Ferienverkehrs nicht zur Verfügung. Die Zeitung schrieb, die endgültige Zertifizierung durch die FAA hänge auch von der Reaktion ausländischer Flugaufsichtsbehörden ab, die ihre eigenen Untersuchungen vornehmen wollten.

Die FAA war in die Kritik geraten, weil sie erst drei Tage nach dem Absturz in Äthiopien ein Flugverbot für die Boeing 737 Max erlassen hatte. Boeing empfahl als Vorsichtsmaßnahme ein Startverbot für alle Flugzeuge der Baureihe weltweit.

Die Entwicklung des Software-Updates wirkte sich auch auf die Börsenkurse in New York aus. Die Boeing-Aktie baute ihre Kursgewinne aus und notierte zuletzt zweieinhalb Prozent höher als am Vortag.

Erst in dieser Woche war erneut bekannt geworden, dass es bei der Zulassung der Boeing 737 Max 8 Ungereimtheiten gegeben hatte. Eine vorläufige interne Untersuchung der FAA hatte laut einem Medienbericht ergeben, dass leitende Beamte bei wichtigen Sicherheitsprüfungen des umstrittenen Flugkontrollsystems MCAS gefehlt oder diese nicht überwacht hatten. Mehr dazu lesen Sie hier.

joe/dpa

insgesamt 32 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Ottokar 17.05.2019
1. Das Ding ist eine
mit heisser Nadel gestrickte Fehlkonstruktion von Boing um Airbus Paroli zu bieten. Ein Flugzeug das nur mit einer aufwendigen Software in der Luft zu halten ist sollte am Boden bleiben.
DerBlicker 17.05.2019
2. Neuzulassung erforderlich
Es geht ja nicht nur um die MCAS Software, auch die Sensoren müssen redundant ausgelegt und gestest werden. Das muss dieses Mal im Detail gestest werden, hoffentlich wird auch der Ausfall der Sensoren gestest und die Funktion von MCAS unter widrigen Bedingungen. Es muss sichergestellt werden, dass MCAS von den Piloten jederzeit übersteuert werden kann.
suferone 17.05.2019
3. ottokar
dann sollte die Typhoon also der Eurofighter auch am Boden bleiben und auch viele andere Msschienen! Klar sind Passagiermaschinen eine andere Nummer als Militärmaschinen aber die Entwicklung geht nunmal in die Richtung mit immer mehr Software. Die meisten modernen Militärmaschinen (Jets) sind eigentlich unstabil in der Luft. Die Software machts möglich. Wie sagte einst jemand: Krieg ist der Vater aller Dinge! Irgendwann werden auch zivile Maschinen diesem Vorbild folgen!
Romulus 17.05.2019
4. Verhaftungen
Wo bleiben eigentlich die Verhaftungen der entsprechenden Boeing-Manager? Wenn ich überlege, wie radikal gegen VW-Manager wegen überhöhter Stickoxid-Werte vorgegangen wurde, dann frage ich mich, wo hier die Behördenreaktionen bleiben. Schließlich sind hier mehr als 300 Tote auf eindeutiges Missmanagement wenn nicht Vorsatz bei den Absprache mit den Zulassungsbehörden zurückzuführen. Das hat eine ganz andere Dimension als Abgasmanipulation.
Stäffelesrutscher 17.05.2019
5.
»Man sei zuversichtlich, dass das Modell mit der aktualisierten Software des Steuerungssystems MCAS "eines der sichersten Flugzeuge sein wird, das jemals geflogen ist"«- auf Deutsch: »Wir hoffen inständig, dass es diesmal länger als fünf Monate dauert, bis wieder eines runterkracht.« Verwunderlich ist auch, dass man nicht prahlt, es sei »das sicherste ...«, sondern nur »eines der sichersten«. Die Sicherheit ist also nach eigener Einschätzung geringer als in ... ja: wievielten? 10? 100? 1.000? ... anderen jemals gebauten Modellen. Also knapp über dem Niveau der Comet?
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.