Britische Atomanlage Sellafield wegen Schlechtwetter geschlossen

Auch Großbritannien kämpft mit dem Wintereinbruch im März. Nun wurde die Atomanlage Sellafield wegen des schlechten Wetters abgeschaltet. Es handle sich um eine Vorsichtsmaßnahme, beteuert der Betreiber.
Blick auf Sellafield (Foto vom Februar): Abschaltung wegen ungünstiger Wetterbedingungen

Blick auf Sellafield (Foto vom Februar): Abschaltung wegen ungünstiger Wetterbedingungen

Foto: Christopher Furlong/ Getty Images

London - In Deutschland drehen die aus Süden kommenden Zugvögel wieder um und fliegen zurück in wärmere Gefilde. In Großbritannien führt der Wintereinbruch sogar zum Abschalten einer Atomanlage.

Wegen Sturmböen und Schnee ist am Freitag der Betrieb der Atomanlage Sellafield im Nordwesten Englands vorübergehend ausgesetzt worden, teilte die Betreiberfirma Sellafield Ltd mit. "Angesichts der derzeitigen und vorhergesagten ungünstigen Wetterbedingungen in und um die Anlage Sellafield" sei diese "als Vorsichtsmaßnahme sicher in einen kontrollierten Abschaltungszustand versetzt worden", hieß es.

Die Beschäftigten der Wiederaufbereitungsanlage und Einrichtungen zur Lagerung von Atommüll seien nach Hause geschickt worden. Es bestehe aber keine Gefahr für die Sicherheit der Anlage.

"Sellafield besteht aus mehr als 1300 Gebäuden, und wenn die Anlage in Betrieb ist, gleicht sie einer kleinen Stadt - mit mehr als 10.000 Leuten, die dort arbeiten und sich auf dem Gelände bewegen", erklärt der Betreiber. Wegen der Sturmböen, des starken Schneefalls und der Tatsache, dass viele Straßen bereits gesperrt seien, sei es für die Arbeiter schlicht nicht sicher genug.

Heftiger Wind, Schnee- und Regenfälle hatten in zahlreichen Teilen Großbritanniens für schwere Behinderungen gesorgt. In Cornwall stürzte ein Haus bei einem Erdrutsch ein, eine Frau galt zunächst als vermisst. Tausende Schulen blieben geschlossen. In Nordirland waren mehr als 30.000 Häuser ohne Strom. Über das Wochenende soll das Wetter anhalten.

Größte Atomanlage Großbritanniens

Sellafield ist die größte Atomanlage Großbritanniens und liegt an der Küste der Irischen See in der Grafschaft Cumbria. Das Gelände beherbergt neben dem 2003 stillgelegten Atomkraftwerk Calder Hall eine Wiederaufbereitungsanlage. In dem Komplex lagert heute der Großteil des britischen Plutoniums.

In Sellafield ereignete sich im Oktober 1957 ein Reaktorbrand, der als "ernster Unfall" der Stufe fünf gemäß der weltweit gültigen Bewertungsskala Ines eingeordnet wird.

Außerdem war Sellafield der Ort eines Wissenschaftskandals: Britische Forscher hatten jahrelang Organe und Körperteile von verstorbenen Atomanlagen-Arbeitern ohne Zustimmung der Angehörigen eingesammelt und zu Forschungszwecken untersucht.

wbr/AFP/dpa