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25. Januar 2013, 15:11 Uhr

Aufrüstung der Bundeswehr

EADS verspricht Kampfdrohne binnen einem Jahr

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Die Bundeswehr könnte schon bald über bewaffnete Drohnen verfügen: Die EADS-Tochter Cassidian behauptet, nur sechs bis zwölf Monate für den Umbau vorhandener "Heron"-Maschinen zu brauchen. Experten bezweifeln das jedoch - und es wäre nur eine Notlösung.

Bewaffnete Drohnen gelten als die Zukunft der Luftkriegführung: Die USA setzen die Modelle "Predator" und "Reaper" bereits seit Jahren intensiv ein und stehen kurz vor der Einführung einer Tarnkappen-Kampfdrohne, die auf Flugzeugträgern einsetzbar ist. Auch andere Staaten - allen voran China - arbeiten mit Hochdruck an der Entwicklung unbemannter Kampfflugzeuge. Unter Rüstungsexperten herrscht weitgehende Einigkeit, dass die USA nicht mehr lange das einzige Land sein werden, das derartige Systeme besitzt.

Demnächst könnte auch Deutschland bewaffnete Drohnen besitzen: Cassidian, die Rüstungssparte des Luft- und Raumfahrtkonzerns EADS, könnte nach eigenen Angaben binnen weniger Monaten die "Heron"-Drohnen der Bundeswehr mit Waffen ausrüsten. Das bestätigte ein Sprecher des Unternehmens im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE.

Die Bundeswehr hat 2010 drei Exemplare der israelischen "Heron" geleast. Die 8,5 Meter langen und bis zu 1150 Kilogramm schweren Drohnen werden bisher nur zur Aufklärung eingesetzt, könnten aber auch umgerüstet werden. Dass die Israelis die "Heron" des Rüstungskonzerns IAI bereits in bewaffneten Versionen fliegen, halten Branchenkenner für ausgemacht. Von diesem Know-how könnten auch die Deutschen profitieren.

"Heron"-Umbau in sechs bis zwölf Monaten?

"Ein Umbau der 'Heron 1' wäre technisch in sechs bis zwölf Monaten möglich", sagte der Cassidian-Sprecher. Die Zertifizierung durch die Bundeswehr und die Ausbildung der Soldaten könnten parallel stattfinden. Cassidian ist für die Wartung der deutschen "Heron"-Drohnen verantwortlich, seitdem EADS und Rheinmetall im Januar 2012 ihre Drohnensparten fusioniert haben.

Die Bundeswehr hatte in einer Antwort auf eine Kleine Anfrage der Linksfraktion die Einführung von Kampfdrohnen als "unbedingt erforderlich"bezeichnet. Beobachter glauben allerdings, dass die Bundeswehr noch lange auf ihre neuen Kampfdrohnen warten könnte - wesentlich länger, als es durch die Ankündigung von Cassidian den Anschein hat.

Grundsätzlich haben die Deutschen zwei Möglichkeiten: Sie können entweder die US-Modelle "Predator" oder "Reaper" kaufen. Das hätte den Vorteil, dass sie erprobte Systeme direkt übernehmen könnten. "Bis 'Predators' oder 'Reapers' aber bestellt, gebaut und ausgeliefert wären und das deutsche Personal geschult wäre, würden mindestens 24 bis 36 Monate vergehen", meint ein Brancheninsider. Ein Umbau der "Heron" wiederum "würde zwar Cassidian und die Bundeswehr glücklich machen, aber wohl noch länger dauern und teurer werden als ein Einkauf in den USA - je nachdem, welche Bewaffnung genau gewählt würde".

Zudem wäre die umgebaute "Heron" keine Tötungsmaschine vom Kaliber der "Predator" oder gar der wesentlich größeren "Reaper". Nach der Umrüstung könnte die "Heron" eine Waffenlast von nur noch etwa hundert Kilogramm tragen. Zum Vergleich: Die Nutzlast der "Predator" liegt bei 200 Kilogramm, was für zwei jeweils 46 Kilogramm schwere "Hellfire"-Raketen reicht. Die "Reaper" kann dagegen fast 1,4 Tonnen an Waffen mitnehmen.

Die umgebaute "Heron" wäre deshalb nur eine Zwischenlösung. Wie aus Branchenkreisen verlautet, peilt die Bundeswehr langfristig die Beschaffung von deutlich kampfstärkeren Drohnen an. Allerdings: Mit einer solchen "Endbefähigung" rechne man nicht vor dem Jahr 2020.

Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums stellte am Freitag klar, dass noch keine endgültige Entscheidung über den Kauf bewaffneter Drohnen getroffen worden sei: "Wir sind in einem Planungsprozess." Der Entschluss werde wahrscheinlich in der ersten Jahreshälfte fallen.

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