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23. Juli 2012, 11:56 Uhr

Debatte um CCS-Technologie

Altmaier gegen CO2-Speicherung

Treibhausgase im Boden entsorgen, um die Klimaerwärmung zu bremsen - das wollte die Bundesregierung in Deutschland erproben. Doch nun erteilt Umweltminister Altmaier dem Vorhaben eine Absage. Zustimmung findet die CO2-Entsorgung in Brandenburg.

Hamburg/Berlin - Bundesumweltminister Peter Altmaier sieht wegen des Widerstandes in der Bevölkerung keine Chancen für die unterirdische CO2-Speicherung in Deutschland. "Wir müssen realistisch sein: Gegen den Willen der Bevölkerung ist eine Einlagerung von CO2 im Boden nicht durchzusetzen", sagte er der "Saarbrücker Zeitung".

Für Steinkohle- und Braunkohlekraftwerke mit der sogenannten CCS-Technologie (Carbon Capture and Storage) sehe er derzeit in keinem einzigen Bundesland eine politische Akzeptanz, sagte Altmaier. Allenfalls für Industrieanlagen sei CCS möglicherweise attraktiv.

Der brandenburgische CDU-Bundestagsabgeordnete Jens Koeppen hingegen hat die umstrittene unterirdische Speicherung von Kohlendioxid gegen Kritik verteidigt. "Nach allem möglichen Ermessen ist CCS eine Technologie, die man vertreten kann", sagte er am Montag der Nachrichtenagentur dapd. Anstatt Ängste zu schüren, müsse über die Technologie aufgeklärt werden, mahnte Koeppen.

Letzte Woche war bekannt geworden, dass die Bundesregierung auch anderen Technologien des sogenannten Geo-Engineerings keine Chancen einräumt. Neben der Speicherung von CO2 waren zunächst auch Schwefelwolken, Sonnenspiegel oder künstliche Algenblüten zur Klimakühlung in Betracht gezogen worden. Die Bundesregierung möchte die Technologien aber nun nicht fördern.

Proteste der Länder

Bei CCS waren die Vorbereitungen am weitesten: Ein soeben in Kraft getretenes Gesetz hatte den Weg für die unterirdische Speicherung von CO2 bereits frei gemacht. Nach langer Debatte zwischen Bund und Ländern wurde als Kompromiss festgelegt, die verpresste CO2-Menge auf 1,3 Millionen Tonnen pro Jahr und Speicher zu begrenzen; zunächst waren 3 Millionen Tonnen geplant gewesen.

Die Länder hatten zudem eine Klausel durchgesetzt, die es ihnen ermöglicht, Speicher zu verhindern. Schleswig-Holstein zum Beispiel will die unterirdische CO2-Speicherung verbieten.

Die Bundesregierung und selbst Umweltverbände sahen die Abscheidung von Kohlendioxid (CO2) bei der Kohleverbrennung und in der Industrie als Beitrag zum Klimaschutz. Viele Bürger sind gegen die Technologie, weil sie Gefahren für die Umwelt befürchten.

Zuletzt wollte nur noch der Energiekonzern Vattenfall die CCS-Technologie anwenden, um Braunkohlekraftwerke in Brandenburg klimafreundlicher zu machen. Doch nach dem mehrjährigen Gezerre um ein Gesetz wurden Ende 2011 Pläne für ein CCS-Demonstrationskraftwerk auf Eis gelegt.

boj/dpa/dapd

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