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Chemische Analyse Forscher finden Kokain-Spuren auf fast allen US-Geldnoten

Kokain ist in den USA enorm beliebt. Forscher haben Geldscheine auf Spuren der Droge untersucht und sind in neun von zehn Fällen fündig geworden - deutlich öfter als bei einer Untersuchung vor zwei Jahren.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Wie sehr Drogenkonsum in der Bevölkerung verbreitet ist, haben Wissenschaftler bisher meist anhand von Umfragen zu klären versucht. In den vergangenen Jahren aber sind naturwissenschaftliche Methoden immer beliebter geworden, vor allem chemische Analysen von Abwässern und Geldscheinen. So hat eine von SPIEGEL ONLINE in Auftrag gegebene Suche nach Kokain-Abbauprodukten in deutschen Flüssen bereits 2005 erstaunliche Ergebnisse über den Drogenkonsum zutage gefördert. Auch anderswo, etwa in Italien und USA, wurde die Methode erfolgreich angewandt.

Jetzt haben US-Forscher erneut Geldscheine aus mehreren Ländern untersucht. Das Ergebnis: Neun von zehn Dollar-Noten in US-Städten sind mit Kokain verschmutzt. In der nach Angaben der Chemiker bislang aufwendigsten Untersuchung dieser Art fanden sich insbesondere auf Banknoten aus großen US-Metropolen häufig Spuren der Droge. Auch in Kanada und Brasilien seien die weitaus meisten Banknoten mit dem Pulver kontaminiert gewesen, wie Studienleiter Yuegang Zuo von der University of Massachusetts in Dartmouth jetzt beim Jahrestreffen der American Chemical Society in Washington berichtet hat. Dagegen scheinen Japaner und Chinesen deutlich seltener zu dem Rauschgift zu greifen.

Mit Kokain kann Papiergeld auf den verschiedensten Wegen in Kontakt kommen - etwa über verunreinigte Hände, weil manche Konsumenten sich das Pulver durch zusammengerollte Banknoten in die Nase ziehen, oder weil kontaminierte Geldscheine etwa in der Brieftasche oder der Ladenkasse mit anderen Banknoten in Kontakt kommen.

Mit Hilfe der Gaschromatografie prüfte Zuo nun Papiergeld aus Städten der USA sowie von Kanada, Brasilien und erstmals auch von Japan und China auf Kokainreste. In den USA trugen 90 Prozent der 234 Banknoten derartige Spuren, wobei vor allem große Städte wie Baltimore, Boston oder Detroit betroffen waren. Spitzenreiter war die Hauptstadt Washington, wo die Forscher auf 95 Prozent aller Scheine fündig wurden.

In Kanada waren 85 Prozent der Proben belastet, in Brasilien waren es 80 Prozent. Deutlich weniger Zuspruch findet Kokain dagegen in Asien: In Japan trugen 20 Prozent des Papiergeldes Spuren der Droge, in China waren es zwölf Prozent.

Wirtschaftskrise könnte Drogenkonsum fördern

In den USA scheint der Konsum deutlich anzusteigen: Als Zuo vor zwei Jahren US-Dollar auf Kokain untersuchte, enthielten nur zwei Drittel der Geldscheine Pulverreste. "Zu meiner Überraschung finden wir immer häufiger Kokain auf Banknoten", sagt der Forscher.

Möglicherweise, so spekuliert er, habe die Wirtschaftskrise die Menschen stark belastet und so den Konsum der Droge gefördert. Der Kokaingehalt pro Schein schwankte allerdings beträchtlich: Er lag zwischen 0,006 und 1240 Mikrogramm. Letzteres entspricht etwa dem Gewicht von 50 Sandkörnern. Dennoch sollten Menschen sich beim Umgang mit Papiergeld keine Sorgen machen, betont der Wissenschaftler. Selbst wenn man daran schnüffle, könne die in den Körper gelangende Menge weder die Gesundheit schädigen noch sonst einen Effekt erzielen. Auch sei diese Dosis zu gering, als dass ein Blut- oder Urintest auf Drogen darauf anschlage.

In den USA nehmen schätzungsweise sechs Millionen Menschen regelmäßig Kokain. Jährlich werden dort zwischen 260 und 450 Tonnen der Droge mit einem Wert von 35 bis 70 Milliarden Dollar konsumiert.

mbe/AP