Sparsamer Riese Norweger plant Megafrachter mit Windantrieb

Die Idee könnte die Schifffahrt revolutionieren: Ein Norweger will große Containerschiffe mit Windenergie antreiben - ohne Segel.
Simulation: Containerschiff hart am Wind

Simulation: Containerschiff hart am Wind

Foto: dpa

Die Frachtschifffahrt soll umweltfreundlicher werden. Dafür hat der norwegische Erfinder Terje Lade ein neuartiges Schiff entwickelt. Es soll etwa 60 Prozent der Energie einsparen, die ein durchschnittliches Containerschiff verbraucht. Der Trick: Das Schiff wird hauptsächlich mit Windenergie betrieben.

Laut EU-Kommission ist die Schifffahrt für drei Prozent der weltweit ausgestoßenen Treibhausgase verantwortlich. Das entspricht etwa einer Milliarde Tonnen und ist das Doppelte der CO2-Menge, die im Flugverkehr entsteht.

Einige Firmen arbeiten bereits seit Jahren an Alternativen zum herkömmlichen Antrieb. Reeder, die die enormen Kosten für die Schiffsbetankung tragen müssen, könnten ihre Ausgaben mit solch einer Technologie deutlich senken. Ein mittelgroßes Containerschiff verbraucht je nach Beladung gut 300 Tonnen Treibstoff in 24 Stunden.

Containerschiff in Segelform

Bislang wurde vor allem mit Segeln experimentiert, die auf das Schiffsdeck montiert werden sollen. Das Problem: Die Segel verbrauchen Platz, der eigentlich für Ladung vorgesehen ist. Lade verfolgt mit seiner Firma "LadeAS"  deshalb ein anderes Konzept: Sein ganzes Schiff hat Ähnlichkeit mit einem Segel und bietet dem Wind somit große Angriffsfläche, ohne Stauraum zu verbrauchen. Laut Lade könnte das Boot bis zu 7000 Autos transportieren, das ist vergleichbar mit einem normalen Frachtschiff.

Das gesamt Schiff hat eine ähnliche Form wie ein Segel

Das gesamt Schiff hat eine ähnliche Form wie ein Segel

Foto: dpa

Im Wesentlichen funktioniert der Antrieb wie bei einem Segelboot, das hart am Wind fährt. In Bewegung versetzt wird das Transportschiff mit einem gasbetriebenen Motor. Einmal in Bewegung, kann der Wind den Vortrieb verstärken oder ganz übernehmen - je nach Kurs und Windrichtung.

Um möglichst viel Energie zu sparen, plant Lade, die Route des Schiffes über einen Computer zu errechnen. Dieser soll Wettervorhersagen und aktuelle Wetterdaten auswerten. Der Kapitän darf dann entscheiden, ob er die schnellste oder sparsamste Route fahren möchte.

Finanzierung unklar

Schließlich sollen Winddaten und Motor so aufeinander abgestimmt werden, dass das Schiff mit einer konstanten Geschwindigkeit von etwa 18 Knoten fährt, etwa 35 Kilometern pro Stunde. Das ist in etwa die Geschwindigkeit eines herkömmlichen Containerschiffs, wenn es sich mit vergleichsweise energiesparendem Tempo bewegt.

In einem ersten Test mit einem Modell im Windtunnel an der Cranfield University in Großbritannien erreichte das Schiff allein mit Windantrieb 14 Knoten, das entspricht gut 25 Kilometern pro Stunde.

Lade hofft, dass sein Schiff bis 2018 bereit zum Auslaufen ist. Bisher hat er das Projekt mit Investorengeld, eigenem Geld und einer Förderung vom norwegischen Staat vorangetrieben. Nun muss er jemanden finden, der einen großen Prototypen bauen kann. Und auch wichtige technische Fragen sind noch offen: Etwa, wie das riesige, aus dem Wasser ragende Schiff starkem Seegang standhält.

jme
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