Darmstadt Teilchenbeschleuniger kostet 500 Millionen Euro mehr als geplant

Der Bau des Teilchenbeschleunigers Fair in Darmstadt wird mindestens 1,7 Milliarden Euro verschlingen. Zu teuer, moniert der Bundesrechnungshof - und prangert schlechtes Kostenmanagement an.

Einer von insgesamt 110 Dipol-Magneten für den neuen Teilchenbeschleuniger Fair
DPA

Einer von insgesamt 110 Dipol-Magneten für den neuen Teilchenbeschleuniger Fair


Beim Bau des Teilchenbeschleunigers Fair in Darmstadt drohen die Kosten zu explodieren. Laut einem Bericht des Bundesrechnungshofs werden die Kosten die ursprüngliche Planung um mehr als eine halbe Milliarde Euro übersteigen - mindestens. In dem 20-seitigen Papier, das dem SPIEGEL vorliegt, listen die Rechnungsprüfer eine Reihe von Versäumnissen beim Bau und beim Kostenmanagement auf.

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Der Bauarbeiten begannen im Juli 2017; doch bereits in der Planungsphase stiegen laut Bundesrechnungshof die Kosten auf 1,4 Milliarden Euro. Inzwischen wird gar mit über 1,7 Milliarden Euro kalkuliert. Diesen Betrag, monieren die Prüfer, habe das Bundesforschungsministerium "weder an das Parlament noch im Bundeshaushaltsplan vollständig und transparent ausgewiesen".

Weltweit ist Fair eines der größten Forschungsvorhaben. In der Versuchsanlage wollen Wissenschaftler von 2025 an Materie erzeugen, wie sie sonst nur im All vorkommt. Sie versprechen sich davon neue Erkenntnisse über die Entwicklung des Universums. An Fair sind auch noch andere Länder beteiligt, ob sie jedoch auch einen Teil der Mehrkosten übernehmen werden, ist derzeit noch unklar.

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Wegen der steigenden Kosten und drohender Bauverzögerungen fürchten die Prüfer, dass die angestrebte einzigartige wissenschaftliche Bedeutung nicht erreicht werde. Denn auch andere Länder arbeiten an ähnlichen Anlagen.

Eine Sprecherin des Bundesforschungsministeriums bestätigte Kostensteigerungen, wies aber die Vorwürfe von schlechtem Kostenmanagement zurück: Die Anlage sei technologisch hochkomplex, woraus sich extreme Anforderungen an den Brand- und Strahlenschutz ergeben hätten.

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insgesamt 22 Beiträge
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Seite 1
ehrenwerter_geschäftsmann 28.12.2018
1. Dann soll es eben mehr kosten
Bei so einem Projekt sollte nicht gespart werden. Unser Geld ist auch in der Grundlagenforschung gut aufgehoben. Irgendwann wollen wir Menschen ja auch einmal Raumfahrt betreiben. Dafür brauchen wir Erkenntnisse über die Materie.
m.klagge 28.12.2018
2. Immerhin scheint es eine gewisse Wahrscheinlichkeit
zu geben, dass das Teil in absehbarer Zeit fertig wird und benutzt werden kann. Dann ist die Verschwendung im Vergleich zum neuen Groß-Flughafen in Berlin nicht der Rede wert. Ach ja, die Verantwortlichen für BER sind immer noch nicht im Knast, sondern verzehren weiterhin ihre Renten und Pensionen.
Kanalysiert 28.12.2018
3.
Jedes miserable Projektmanagement kostet Geld - mal mit realistischen Planzahlen starten, statt immer so zu tun, als wäre es billiger, um die Genehmigung zu erzwingen?
frankfurtbeat 28.12.2018
4. und ...
und ... das kennt man doch ... schlappe 500 Mio sind doch kaum erwähnenswert .. zumal es lediglich um das Geld der Steuerzahler geht ... wir haben eben geballte Kompetenz an allen Ecken und in allen Stuben!
BettyB. 28.12.2018
5. Voraussehbar?
Deutsche Ingenieurskunst und die Ausführung von Großprojekten scheinen miteinander nicht in Einklang zu bringen sein. Erstaunlich nur, dass man es immer wieder versucht, in diesem Lande Großprojekte durchzusetzen ohne ausländischen Firmen die Leitung der Projekte zu überlassen.
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