Für den nuklearen Notfall Deutschland kauft 189,5 Millionen Jodtabletten

Der Bund stockt seinen Vorrat an Jodtabletten deutlich auf. Die Pillen sollen im Fall eines nuklearen Notfalls verteilt werden.

2017 hatte Aachen vorsorglich Jodtabletten an die Bevölkerung verteilt
Oliver Berg/ DPA

2017 hatte Aachen vorsorglich Jodtabletten an die Bevölkerung verteilt


Kommt es zu einem nuklearen Zwischenfall, halten Bund und Länder Jodtabletten für die Bevölkerung bereit. Sie sollen verhindern, dass sich radioaktives Jod in der Schilddrüse sammelt und so Krebs vorbeugen. Nun hat Deutschland seinen Vorrat deutlich aufgestockt: 189,5 Millionen Jodtabletten wurden bestellt, bestätigte das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) auf Anfrage des SPIEGEL.

Es handelt sich um eine reine Vorsichtsmaßnahme. Die Reaktorkatastrophe von Fukushima hatte gezeigt, dass deutlich mehr Gebiete von radioaktiven Strahlungen getroffen werden könnten als vermutet. Die deutsche Strahlenkommission hatte daraufhin empfohlen, die Notfallzonen um Atomkraftwerke deutlich zu vergrößern. Seitdem müssen auch in der gesamten Bundesrepublik Jodtabletten für Kinder und Schwangere vorgehalten werden. (Hier erfahren Sie, welches Risiko für Ihren Wohnort im Ernstfall besteht).

Für die Lagerung und Verteilung sind die Länder zuständig. "Die Anzahl der neu beauftragten Tabletten beruht auf einer Erhebung der Länder", teilte das Bundesamt für Strahlenschutz mit. Mit den Millionen zusätzlicher Tabletten soll sich der Vorrat laut Medienberichten vervierfacht haben, das konnte das BfS nicht bestätigen.

Deutschland will bis Ende 2022 aus der Atomkraft aussteigen. Die Jodtabletten werden jedoch auch für etwaige Zwischenfälle in ausländischen Kernkraftwerken vorgehalten. 2017 hatte die Stadt Aachen vorsorglich Jodtabletten an die Bevölkerung verteilt, weil Experten an der Sicherheit des belgischen Atomkraftwerks Tihange zweifelten.

koe



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