Größenstatistik Deutschland wächst um Fläche Liechtensteins

Deutschland ist im vergangenen Jahr offiziell um mehr als 17.000 Hektar gewachsen - mehr als die Fläche des Fürstentums Liechtenstein. Wo kommt das Land plötzlich her?
Vermessungsingenieur: Deutschland ist in der Statistik um 17.000 Hektar gewachsen

Vermessungsingenieur: Deutschland ist in der Statistik um 17.000 Hektar gewachsen

Foto: Frank Rumpenhorst/ picture alliance / dpa

Wie groß ist Deutschland? Die ungefähre Antwort lautet: 35,7 Millionen Hektar oder 357.000 Quadratkilometer. Die genauere Antwort variiert von Jahr zu Jahr. Wenn Landflächen neu vermessen werden oder an der Küste ein Teil des Wattenmeers trockenfällt, kann sich das Bundesgebiet schon mal etwas verkleinern oder vergrößern - ganz ohne Grenzverschiebung.

Gerade haben die Statistischen Ämter des Bundes und der Länder ihre jährlichen Zahlen veröffentlicht, wie groß Deutschland und die einzelnen Bundesländer Ende 2013 genau waren . Die Statistik sagt: Deutschland hat sich um mehr als 17.000 Hektar vergrößert - von 35,717 Millionen auf 35,734 Millionen Hektar. Als hätten die Statistiker plötzlich eine Fläche entdeckt, die größer ist als das rund 16.000 Hektar große Fürstentum Liechtenstein.

Taucht man tiefer in die Statistik ein, sticht ein Bundesland heraus, das nahezu allein für dieses Wachstum verantwortlich ist: Brandenburg. Nun hat Brandenburg weder ein Wattenmeer, noch haben sich seine Grenzen verschoben.

Modernere Messmethoden

Um zu verstehen, wie ein so deutlicher Zuwachs zustande kommt, muss man wissen, wie die Größenangaben für Gemeinden, Länder und den Bund zustande kommen. "Die Flächen werden aus den Angaben der amtlichen Liegenschaftskataster berechnet, in denen die Grundstücke, oder genauer die Flurstücke, einer Gemeinde nachgewiesen werden", sagt Michael Deggau vom Statistischen Bundesamt. Die Flächen aller Flurstücke einer Gemeinde ergeben in der Summe also die Gesamtgröße der Gemeinde.

Die heutigen Liegenschaftskataster seien um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert entstanden, so Deggau. "Die eingesetzten Berechnungsmethoden entsprachen den damaligen Möglichkeiten." Nur wenn ein Flurstück geteilt oder mit einem anderen verbunden wurde, hätten die Behörden neu vermessen und die Flächen nach moderneren Methoden neu berechnet.

Seit mehreren Jahren rüsten die Bundesländer nun ihre Liegenschaftskataster auf das elektronische Kartensystem "Alkis" um. "Die Eckpunkte jedes Flurstücks werden mit Koordinaten versehen", so Deggau, "dadurch lassen sich die Flurstücksflächen präzise berechnen." Dabei müssen die Vermessungsbehörden immer wieder geometrische Anpassungen vornehmen - beispielsweise dort, wo zwei Zuständigkeitsbereiche aufeinandertreffen.

Im vergangenen Jahr ist Brandenburg auf "Alkis" umgestiegen. Durch die neue Berechnung wurden die Flächenangaben für die meisten Gemeinden Brandenburgs nach oben korrigiert, wie das Amt für Statistik Berlin-Brandenburg bestätigte. Und dies führte in der Summe zum Rekordzuwachs.

Keine Auswirkungen auf die Länderfinanzen

Dass Brandenburg in der Statistik gewachsen ist, hat allerdings keine Auswirkungen auf die Finanzen des Landes. Zuweisungen wie beim Länderfinanzausgleich richten sich in der Regel nach der Einwohnerzahl der Bundesländer. Zahlungen, die sich an der Fläche eines Landes berechnen, gibt es nach Auskunft des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung nicht.

Neben Brandenburg sind auch die meisten anderen Bundesländer schon auf "Alkis" umgestiegen. Nach Angaben der Vermessungsverwaltungen der Länder sollen ab diesem Jahr auch in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern, Bremen und dem Saarland die Flächen mit dem neuen Verfahren bestimmt werden. 2015 sollen Bayern, Sachsen und Berlin folgen. Deutschland könnte also weiter wachsen.