Roboter: Die unermüdlichen Dienstleister
Dienstleistungsroboter Wie die Menschmaschinen den Alltag erobern
Es brummt, quietscht, blinkt: Ein hütchenförmiger Automat, der aussieht wie ein Verkehrsleitkegel mit Trompetenohren, schlägt die Glupschaugen auf und verdreht den Schmollmund zu einem schiefen Grinsen. Daneben wackeln kleine grüne Saurierbabys auf Gummipfoten durch eine Sandkiste, während sich am Stand nebenan interessierte Besucher am Gebär-Simulator an einer Zangengeburt versuchen können. Derweil wiegt vor dem Konferenzraum eine lebensgroße Roboterdame ihren Plastekörper hin und her und zischt etwas mechanisch: "Ich bin mehrsprachig."
Willkommen auf der " Innorobo ". Die europäische Roboterschau ist spezialisiert auf Dienstleistungsroboter und hat vergangene Woche eine breite Auswahl der Wundermaschinen präsentiert - für Spiel, Haushalt und Forschung. Glaubt man den Veranstaltern, werden sie der Menschheit bald einen ungeahnten Fortschrittsschub bescheren. Die Maschinen, bislang vor allem in der Industrie im Einsatz, ziehen immer öfter in die Haushalte ein. "In fünf bis zehn Jahre werden Roboter so selbstverständlich sein wie Laptop und Internet", sagt Bruno Bonnel, der für die französische Firma Robopolis arbeitet.
Die Automaten sind längst mehr als bloße maschinelle Wasserträger, die lediglich festgelegte Aufgaben nach Plan abwickeln - wie etwa Schweißen, Schrauben oder Sortieren von Werkstücken. Noch weiter entfernt sind sie von praktischen Helferlein für die Hausfrau, die in den fünfziger Jahren mitunter als Roboter angepriesen wurden. "Wir stehen vor einer Entwicklung wie bei der Einführung des Automobils", glaubt Bonnel. Der Fachautor und Mitinitiator der Ausstellung spricht bereits vom Heraufziehen einer "Robolution". Inzwischen denken Wissenschaftler und Philosophen darüber nach, dass Roboter Gefühle entwickeln und auch Fehlentscheidungen treffen und Schuld auf sich laden könnten.
Dienstleister in Museen, Kaufhäusern und Kliniken
Tatsächlich sind die dienstbaren Automaten in Asien schon weit fortgeschritten. In Verwaltungen und Krankenhäusern schieben die Batterie-Butler Dokumente oder Medikamente. In Japans Museen oder Kaufhäusern geben sie, stets freundlich, nimmermüde Auskunft. In Südkorea - dem Gastland der Ausstellung in Lyon - werden die bunten Kästen gerade in Schulen und Kindergärten als interaktive Erzieher gepriesen.
Wie von Zauberhand sind brummende Scheiben als Staubsauger unterwegs, bewältigen mühelos ausgestreuten Dreck und straucheln höchstens über Teppichfransen. Im Garten dreht der automatische Rasenmäher seine abgesteckten Bahnen, umgeht dabei geschickt Bäume und Teiche. In denen schwimmt der digital blinkende Mini-Fisch, während die private Flugdrohne per Kamera einen indiskreten Blick in die Nachbarschaft zulässt. Gesteuert wird der Senkrechtstarter natürlich mit einem Smartphone.
Bonnel sieht drei Voraussetzungen für einen breiteren Einsatz der Dienstleistungsroboter:
- Sie müssen über eine programmierbare Einheit verfügen.
- Sie müssen Sensoren besitzen, um die Umwelt wahrnehmen zu können.
- Sie müssen mit der Umwelt interagieren können - also Greifer, Lautsprecher und ähnliches besitzen.
Ob die Maschinen dann als quietschbunte, bewegliche Boxen unterwegs sind, in der Zange Schampus und Häppchen, oder menschenähnliche Formen besitzen wie ein in Lyon auftretender glotzäugiger Humanoide aus Kabeln und Motoren, bleibt der Phantasie der Designer überlassen und richtet sich nach dem Einsatzgebiet.
Ein Geschäft sind die Roboter allemal. Der Umsatz steigt seit Jahren kräftig. Colin Angle, dessen Firma sowohl automatische Staubsauger als auch ferngesteuerte Minensucher produziert, die derzeit bei der Bundeswehr in Afghanistan im Einsatz sind, blickt hoffnungsvoll in die Zukunft: "Da ist noch eine Menge Luft drin."
Frankreich will an diesem expandierenden Markt mitverdienen. "Wir sind immer gefragt worden: 'Warum geht ihr nicht nach Südkorea, Japan oder in die USA?'", sagt Pierre Seguin von Pob-Technology, der im Alleingang eine Plattform für Schulroboter entwickelte und jetzt erlebt, dass der preiswerte Wunderkerl schon in Abwasserkanälen eingesetzt wird. "Wir haben im Raum Lyon solide Forschung und Fertigung - ein Netzwerk von kleinen Unternehmen und Entwicklern."
Gefördert wird die boomende Industrie mit finanzieller Unterstützung aus Paris und der Region Grand Lyon. Cap Robotique und Cap Digital, zwei sogenannte Entwicklungscluster, werkeln derzeit an einem Hausroboter zur Unterstützung von alleinstehenden Alten: Projektname "Roméo".
Das liegt im Trend. Japanische Ingenieure arbeiten an der Entwicklung eines Automaten mit menschlichem Äußeren. "Twendy One" könnte nachmittags Tee oder Kaffee servieren, beim Hinsetzen oder Aufstehen helfen oder Gegenstände bis 35 Kilo transportieren. Dank der demografischen Entwicklung werden solche Modelle zunehmend wichtiger; selbst gegen die Vereinsamung bringen die Erfinder die Roboter bereits zum Einsatz.
Für alleinstehende Senioren etwa empfiehlt sich der tierähnliche Roboter wie das japanische Robbenbaby, das als Kuscheltier konzipiert wurde. Der Hersteller verspricht wie bei echten Freunden des Menschen Linderung von Bluthochdruck, Ängstlichkeit, Schmerzen.