Angeblicher Vorschlag von Donald Trump Hurrikans mit Atombomben zu stoppen, ist keine gute Idee - und unmöglich

Der US-Präsident soll vorgeschlagen haben, Wirbelstürme mithilfe von Atombomben zu stoppen. Aus wissenschaftlicher Sicht sprechen gleich mehrere Argumente dagegen. Trump dementiert die Berichte.

Strand in Florida nach Hurrikan Michael: Das Atombomben-Verfahren birgt gleich mehrere Probleme
ZUMA Press/ imago images

Strand in Florida nach Hurrikan Michael: Das Atombomben-Verfahren birgt gleich mehrere Probleme

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Laut einem Medienbericht hat sich US-Präsident Donald Trump über die Möglichkeit erkundigt, Hurrikans mit Atombomben bekämpfen zu können. Die Nachrichtenseite "Axios" schrieb, er habe während einer Unterrichtung über Wirbelstürme gegenüber Experten gefragt, ob man einen Hurrikan verhindern kann, indem man eine Atombombe ins Auge des Sturms werfe.

Teilnehmer hätten das Treffen ratlos verlassen, schreibt "Axios" unter Berufung auf eine anonyme Quelle. Wie lange das Treffen zurückliegt, schreibt die Nachrichtenseite nicht. Trump selbst dementiert den Bericht - welche Schilderung stimmt, lässt sich nicht klären. Fest steht aber: Neu ist der Vorschlag nicht, Atombomben gegen Stürme einzusetzen.

Bereits in den 1950er Jahren hatte ein Regierungswissenschaftler unter Präsident Dwight D. Eisenhower vorgeschlagen, Wirbelstürme mithilfe von Atombomben zu verhindern. Heute taucht die Frage in den USA immer wieder auf - vor allem in der Hurrikansaison. Experten sind sich jedoch einig, dass das Verfahren weder sinnvoll noch praktikabel ist. Das hat gleich mehrere Gründe.

"Es ist überflüssig zu sagen, dass das keine gute Idee ist"

Das größte Problem: Atombomben setzen radioaktives Material frei, das nach einem Einsatz gegen einen Sturm über dem Meer auch über Land abregnen könnte. "Es ist überflüssig zu sagen, dass das keine gute Idee ist", schreibt die US-Ozeanbehörde Noaa in der Einleitung eines Beitrags zum Thema.

Abgesehen davon seien Atombomben schlicht nicht in der Lage, einen Hurrikan aufzulösen. Dazu reiche ihre Energie nicht aus. Die Noaa nennt folgende Zahlen: Ein ausgeprägter Hurrikan kann eine Leistung von 50 bis 200 Billionen Watt freisetzen. Der Großteil davon wird als Wärme frei. Um dem etwas entgegenzusetzen, müsste man alle 20 Minuten eine zehn Megatonnen-Atombombe im Zentrum des Sturms detonieren lassen.

Alle 20 Minuten eine Atombombe

Im Inneren eines Hurrikans herrscht ein Unterdruck, der ihn vorwärts treibt. Um den Sturm zu bremsen, müsste der Unterdruck aufgelöst und Luft ins Auge transportiert werden.

Zur Einordnung: Um einen Hurrikan der Kategorie fünf in einen Sturm der Kategorie zwei umzuwandeln, müsste eine halbe Tonne Luft pro Quadratmeter Fläche ins Sturminnere gebracht werden. Bei einem 20 Kilometer breiten Auge wären etwas mehr als eine halbe Milliarde Tonnen Luft nötig, um die Druckverhältnisse auszugleichen. Selbst wenn das möglich wäre - eine Atombombe hilft bei diesem Manöver nicht weiter.

Bleibt die Idee, die Stürme mit einer Atombombe zu ersticken, bevor sie sich zu einem Hurrikan entwickeln. Doch auch das wäre laut Noaa nicht praktikabel. 80 solcher kleineren Hurrikan-Keimlinge gibt es jedes Jahr im Atlantik. Nur ungefähr fünf davon entwickeln sich typischerweise zu einem Wirbelsturm. Welche das sind, lässt sich vorher nicht abschätzen - man müsste sie also alle mit Atomwaffen beschießen, um sicher zu gehen.

Politische Gegner Trumps nutzten die Nachricht, um Stimmung gegen den US-Präsidenten zu machen. In den sozialen Netzwerken gab es viel Spott und Staunen über Trump. Die demokratische Präsidentschaftsbewerberin Kamala Harris kommentierte den "Axios"-Artikel auf Twitter mit den Worten: "Der Kerl muss gehen."

Mit Material von AFP



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