Donna Strickland Die erste Physik-Nobelpreisträgerin seit 55 Jahren

Als dritte Frau überhaupt wird Donna Strickland mit dem Physik-Nobelpreis ausgezeichnet. Die entscheidende Arbeit schrieb sie im Alter von 26 Jahren.
Donna Strickland

Donna Strickland

Foto: REUTERS/Peter Power

Der wichtige Tag liegt lange zurück: Im Dezember 1985 wurde der erste Fachartikel von Donna Strickland im Fachmagazin "Optics Communications" veröffentlicht . Sie war damals 26 Jahre alt und erforschte für ihre Doktorarbeit hochenergetische Laserpulse. Gerade mal drei Seiten lang war die Arbeit. Doch der Inhalt hatte es in sich.

Mehr als 30 Jahre später, am 2. Oktober 2018, bekommt sie dafür den Nobelpreis für Physik - als dritte Frau überhaupt und als erste seit 55 Jahren.

Zuletzt war Maria Goeppert-Mayer im Jahr 1963 für die Entwicklung des Schalenmodells von Atomkernen ausgezeichnet worden. Noch mal 60 Jahre früher hatte Marie Curie für ihre Erkenntnisse über radioaktive Stoffe die Ehrung erhalten. Strickland teilt sich die Hälfte des Preisgeldes mit ihrem Doktorvater Gérard Mourou aus Frankreich, die andere Hälfte ging an den Amerikaner Arthur Ashkin.

"Hart und lang gearbeitet - meistens zumindest"

Als Strickland den Anruf mit der Nachricht bekam, habe sie zunächst gedacht, es handele sich um einen Streich, erzählt die heute 59-Jährige in einem Telefonat bei der öffentlichen Bekanntgabe des Physik-Nobelpreises. Dann sei ihr aber eingefallen, dass der Tag passte und ein Streich da schon ziemlich gemein gewesen wäre. Der Physik-Nobelpreis wird jedes Jahr am Dienstag der ersten Oktoberwoche verliehen.

Strickland am Telefon

Strickland am Telefon

Foto: REUTERS/Peter Power

"Die Experimente haben mir damals großen Spaß gemacht, also habe ich viele Stunden im Labor verbracht", sagt Strickland mit Blick auf ihre für den Nobelpreis entscheidende Veröffentlichung. "Es war die eine Zeit in meinem Leben, in der ich sehr hart und lang gearbeitet habe - meistens zumindest." Ihre Vorgängerin, Maria Goeppert-Mayer, habe sie passenderweise in ihrer Doktorarbeit zitiert.

Strickland ist inzwischen Associate Professorin an der University of Waterloo in Kanada. Ihr Nobelpreis fällt in eine Zeit, in der verstärkt über Frauen in den Naturwissenschaften gesprochen wird. Derzeit diskutieren Physikerinnern und Physiker weltweit über den Vortrag eines ihrer Kollegen am Teilchenbeschleuniger Cern, der die Förderung von Frauen in den Naturwissenschaften als ungerechte Bevorteilung dargestellt und die Eignung einiger Physikerinnen in angesehenen Ämtern infrage gestellt hatte.

"Wir müssen Physikerinnen feiern"

Direkt dazu äußert sich Strickland in dem ersten Telefonat zu ihrem Nobelpreis nicht. Sie betont aber, dass sich etwa im Vergleich zur Zeit, in der ihre Vorgängerin Goeppert-Mayer gelebt habe, schon einiges verbessert habe, was die Position von Frauen in der Forschung betreffe. Goeppert-Mayer habe die meiste Zeit kein Geld verdient und sei kaum als Forscherin anerkannt gewesen.

"Wir müssen Physikerinnen feiern, denn es gibt sie da draußen", ergänzt Strickland später in einem Telefonat mit der königlich-schwedischen Akademie der Wissenschaften. "Ich fühle mich geehrt, eine dieser Frauen zu sein."

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"Wer will schon ein Nerd sein"

Die lokale Nachrichtenseite "The Record" in Waterloo  hatte Strickland 2010 gefragt, warum es so schwierig ist, junge Frauen für Physik zu begeistern. Strickland zufolge spielen dabei heute auch Serien wie "The Big Bang Theory" eine Rolle.

"Es gibt diesen hartnäckigen Glauben, dass die Physik ein Gebiet ist für super Nerds und Mega-Streber", wird die Forscherin zitiert. "Wer will schon ein Nerd oder ein Streber sein oder wie auch immer sie uns jetzt nennen? Das ist ein Problem." Strickland selbst bezeichnete sich in dem Gespräch als Laser-Enthusiastin ("laser jock").

Hinzu komme, dass es Schulen nicht gelinge, Schülerinnen für das zugegebenermaßen anspruchsvolle Fachgebiet der Physik und insbesondere der Laser-Physik zu begeistern, so Strickland.

Bevor die Forscherin den Physik-Nobelpreis erhielt, war sie der breiten Öffentlichkeit trotz ihrer Professur kaum bekannt. Im Gegensatz zu den beiden Männern gab es über sie auch keinen Eintrag bei Wikipedia. Schon länger wird angeprangert, dass in der Online-Enzyklopädie hauptsächlich Männer schreiben und dadurch ein Ungleichgewicht entsteht.

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