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Wetter: Dürre-Deutschland

Foto: Julian Stratenschulte/ dpa

Heißer Sommer Wo es in Deutschland am trockensten ist

In einigen Regionen Deutschlands ist es derzeit so trocken wie noch nie seit Beginn der Wetteraufzeichnung. Was bedeutet das für Natur, Landwirtschaft und Wasserversorgung? Der Überblick.

Nirgendwo in Deutschland ist es derzeit so trocken wie in der thüringischen Kleinstadt Artern. Die Stadt liegt etwa 60 Kilometer nordöstlich von Erfurt. "So richtig geregnet hat es hier zuletzt im April", sagt Bürgermeisterin Christine Zimmer. Seitdem gab es nur kleinere Schauer. Laut dem Deutschen Wetterdienst sind in Artern seit Juni nur drei Prozent der sonstigsten Regenmenge gefallen, insgesamt schlappe 5,6 Liter pro Quadratmeter.

Nicht nur Thüringen leidet unter der Rekordtrockenheit. "Der Sommer ist nicht außergewöhnlich warm, die Durchschnittstemperatur liegt derzeit nur zwei Grad Celsius über dem Jahresmittel, aber es ist sehr trocken", sagt Meteorologe Andreas Friedrich. Besonders angespannt sei die Situation auf Bundesländerebene in Sachsen-Anhalt, Sachsen, Hessen und im Norden Bayerns und Baden-Württembergs. Auch der Nordosten hatte mit Trockenheit zu kämpfen, dort hat es aber zumindest in der vergangenen Woche geregnet.

Eine Karte des Deutschen Wetterdienstes zeigt die trockensten Regionen Deutschlands. In den hellgrünen und grünen Gebieten sind Pflanzen ausreichend mit Wasser versorgt, in den gelben Regionen hingegen ist der Wassergehalt im Boden zu niedrig. Pflanzen, die in den bräunlich eingefärbten Gebieten wachsen, stehen bereits unter Trockenstress, weil sie nicht ausreichend mit Wasser versorgt werden.

Bodenfeuchte

Bodenfeuchte

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Das bekommen auch die Bauern zu spüren. Sie beklagen erhebliche Ernteausfälle, für viele Betriebe gehe es um die Existenz, warnt der Bauernverband. In einigen Regionen hätten Landwirte nur ein Drittel der sonstigen Ernte eingefahren. Besonders für Getreide, Mais und Raps war es viel zu trocken. Obstbauern profitieren dagegen von den vielen sonnigen Tagen, ihre Früchte sind im Schnitt größer und süßer als im Vorjahr.

Die langanhaltende Dürre erhöht auch die Brandgefahr. In Mecklenburg-Vorpommern hatte beispielsweise ein Vogel einen Kurzschluss an einer Hochspannungsleitung ausgelöst und daraufhin ein ganzes Feld in Flammen gesetzt. Wie Landwirte mit Brandschäden umgehen, lesen Sie hier.

"Die Getreidefelder mussten bei uns bereits abgeerntet werden", erzählt auch Bürgermeisterin Zimmer. Die Ähren seien viel kleiner als in den Vorjahren. Außerdem fehle es an Futter für Tiere. Weil viele Wiesen vertrockneten, konnte auch kein Gras gemäht werden. Auch die Pflanzen in ihrem Garten habe es dahingerafft. "Meinen Garten gieße ich so gut wie nicht mehr, da ist nichts mehr zu retten", sagt Zimmer.

Mangeljahr 2018

Auch Pflanzen außerhalb des heimischen Gartens leiden unter der Trockenheit und wachsen nicht so schnell wie sonst. Das gilt beispielsweise für Nadelbäume, deren Wurzeln nicht besonders tief in die Erde reichen. "In den Jahresringen wird sich das Jahr 2018 als Mangeljahr bemerkbar machen", sagt Andreas Kinser von der Deutschen Wildtier Stiftung. Außerdem werden einige Bäume anfälliger für Parasiten. "Wenn dann noch der Trockenstress dazukommt, können sie im schlimmsten Fall absterben", sagt Kinser.

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Die Gewinner der Trockenheit seien dagegen viele Säugetier- und Vogelarten. Feldhasen oder Küken von Feldvögeln können beispielsweise leicht an Unterkühlung sterben, wenn es zu nass und kalt wird. Das gilt beispielsweise auch für Storchenjunge. In diesem Jahr hätten Jungtiere dagegen sehr gute Überlebenschancen. "Die Situation mag übel aussehen", sagt Kinser. "Aber die Natur ist an solche Wetterperioden angepasst und übersteht sie gut."

So steht es um die Wasserversorgung

Auch Probleme bei der Wasserversorgung, die man leicht vermuten könnte, gibt es offenbar nicht. "Trockene Felder und braune Wiesen bedeuten nicht, dass das Trinkwasser für den Bürger knapp wird", sagt ein Sprecher des Verbands kommunaler Unternehmen (VKU), der die Interessen der meisten Wasserversorger in Deutschland vertritt.

Der Grund: Die Trinkwasserversorgung speist sich vor allem aus dem Grundwasser, auf das die aktuelle Trockenheit kaum Einfluss hat. Denn Regenwasser braucht Jahre, wenn nicht Jahrzehnte, bis es in die Grundwasserreservoirs sickert. In den vergangenen Jahren habe es ausreichend geregnet, die Grundwasserspeicher und Talsperren sind deshalb gut gefüllt, so der VKU. Außerdem halten Wasserversorger einen gewissen Puffer vor.

Dass die Situation in Deutschland so entspannt ist, liegt auch daran, dass nicht einfach jeder so viel Grundwasser nutzen darf, wie es ihm passt. Die Trinkwasserversorgung hat immer Vorrang. Wer darüber hinaus an das Grundwasser will, braucht eine Genehmigung. Das gilt auch für Bauern, die ihre Felder wässern wollen.

Wird das Wasser trotzdem in einer Region knapp, springt eine andere ein. Der Bodensee kann beispielsweise Gebiete bis zur hessischen Landesgrenze mit Trinkwasser versorgen. In sehr angespannten Regionen können örtliche Versorger auch die Nutzung des Trinkwassers einschränken. Im Oberhavelkreis war es Anfang Juni zum Beispiel zeitweise verboten, Gärten und Sportplätze mit Sprinkleranlagen zu bewässern oder Pools zu befüllen.

In Norddeutschland gab es im Frühjahr trotz aller Sicherheitsvorkehrungen kurzzeitig Probleme mit dem Trinkwasser. In einigen Regionen Niedersachsens blieben die Wasserhähne vor allem in weiter abgelegenen Wohngebieten trocken, weil der Druck in den Leitungen wegen des steigenden Wasserverbrauchs nicht mehr ausreichte. Mit einem niedrigen Grundwasserspiegel hatte das jedoch nichts zu tun. Laut VKU handelt es sich um Extrembeispiele, die sich meist auf wenige Wochen beschränken.

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Die Wetteraussichten

In den kommenden Tagen soll es in vielen Teilen Deutschlands weiter warm und sonnig bleiben. Für Freitag werden Rekordtemperaturen um 35 Grad Celsius erwartet. Vor allem für Süddeutschland rechnen Meteorologen am Wochenende dagegen mit heftigen Regenfällen und Gewittern, die zu Überschwemmungen führen können. Ab Mitte nächster Woche kommt voraussichtlich schon das nächste Hochdruckgebiet, das Temperaturen um 30 Grad Celsius mit sich bringt.

Längerfristige Vorhersagen sind auf den Tag genau nicht möglich. Trendprognosen gehen jedoch davon aus, dass es in den kommenden vier Wochen heiß und trocken bleiben wird. Demnach könnte es in Europa in dieser Zeit bis zu sechs Grad Celsius wärmer sein als üblich.