Strahlendes Erbe Was, wie viel und wohin damit - die deutsche Atommüll-Bilanz

Deutschland sucht Endlager für seinen Atommüll. Um welche Mengen geht es - und wo lagern sie bis dahin?
Atommüllfässer im Endlager Morsleben (Archivbild)

Atommüllfässer im Endlager Morsleben (Archivbild)

Foto: Jens Wolf/ dpa

Wenn am 31. Dezember 2022 die letzten deutschen Kernkraftwerke vom Netz gehen, wird auch ein Stück deutsche Geschichte abgeschaltet. 60 Jahre lang versorgte Atomstrom Haushalte und Fabriken mit Energie, fast ebenso lange organisierte sich der Widerstand gegen diese Art der Stromerzeugung und die damit verbundenen Risiken. Der Protest gegen die Kernkraft brachte mit den Grünen auch eine neue Partei hervor, deren Politiker zeitweise sogar auf das Bundeskanzleramt schielten.

Nach dem 31. Dezember 2022 wird von der Kernkraft nur noch eines bleiben: der Müll.

Zwei Generationen haben von der Stromversorgung profitiert, mindestens 40.000 Generationen werden mit dem Müll leben müssen. Dies entspricht einer Million Jahren, dem Zeitraum, für den Endlager laut Gesetz konzipiert sein müssen. Aber um welche Mengen geht es? Und wo sollen die hin? Der Überblick.

Wie viel Müll gibt es?

In Deutschland werden zwei Gruppen von radioaktiven Abfällen unterschieden:

  1. Abfälle mit hoher Radioaktivität, deren Strahlung große Hitze erzeugt. Das sind zum Beispiel abgebrannte Brennelemente aus den Reaktoren der Kernkraftwerke.

  2. Abfälle, die kaum Wärme erzeugen. Das können Strahlungsquellen aus der Medizin sein, die in der Krebstherapie eingesetzt werden, aber auch Reste von alten Kernkraftwerken.

Nach einer Schätzung des Bundesumweltministeriums werden bis zum Jahr 2080 circa 650.000 Kubikmeter Atommüll anfallen. Von diesen sind nur rund fünf Prozent hoch radioaktive Abfälle, sie produzieren jedoch 99 Prozent der Radioaktivität des gesamten deutschen Atommülls, wie die Grafik zeigt.

Die übrigen 623.000 Kubikmeter produzieren nur ein Prozent der Radioaktivität. Diese Abfälle existieren teilweise heute noch gar nicht, sie werden erst beim Rückbau der Kernkraftwerke und Forschungsreaktoren anfallen. Die Müllmenge wird dadurch in den kommenden Jahrzehnten deutlich ansteigen.

In den 623.000 Kubikmetern sind auch 220.000 Kubikmeter Abfälle aus dem Endlager Asse II enthalten. Sie wurden dort zwischen 1967 und 1978 eingelagert. Doch seit Jahren dringt Wasser in das Bergwerk ein, die Anlage droht einzustürzen. Die Abfälle sollen deshalb geborgen werden . Weitere 100.000 Kubikmeter Atommüll werden voraussichtlich aus der Urananreicherung kommen.

Empfohlener externer Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel ergänzt und von der Redaktion empfohlen wird. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.
Externer Inhalt

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Wo lagert der Müll im Moment?

In Deutschland gibt es derzeit drei unterirdische Endlagerstandorte für Atommüll, der kaum Wärme produziert. In zwei davon, Morsleben und Asse, wurde der letzte Müll bereits vor Jahrzehnten eingelagert und danach nichts mehr. Im Fall der Asse soll dieser wieder herausgeholt werden. Das dritte Endlager ist der Schacht Konrad bei Salzgitter in Niedersachsen, der sich noch im Bau befindet und rund 300.000 Kubikmeter Atommüll aufnehmen soll. Seine Kapazität wird für die Abfälle aus der Asse und Urananreicherung aber nicht ausreichen, es braucht daher ein weiteres Endlager für diese Art des Atommülls.

Für hoch radioaktiven Atommüll gibt es noch gar kein Endlager, die Bundesgesellschaft für Endlagerung sucht derzeit nach einem geeigneten Standort. Dieser soll bis 2031 feststehen. Zwar hatte die Politik den Salzstock Gorleben als Endlager bestimmt, dazu kam es jedoch nie. Es gab jahrzehntelange Proteste und Zweifel, ob Gorleben als Endlager geeignet ist. 2013 wurde die Suche deshalb neu gestartet.

Da Endlager fehlen, wird der überwiegende Teil des Atommülls derzeit überirdisch in Zwischenlagern aufbewahrt. Davon gibt es in Deutschland mehr als 30 Stück, wie die Karte zeigt.

Die hoch radioaktiven Abfälle lagern in den zwei zentralen Zwischenlagern Ahaus, Gorleben, in Jülich und Lubmin, sowie direkt an zwölf Kernkraftwerken. In den übrigen Lagern werden schwach- und mittelradioaktive Abfälle gesammelt.

Wie lange strahlt Atommüll?

Radioaktivität nimmt mit der Zeit ab, ebenso die Wärmeentwicklung durch die radioaktive Strahlung. Die Internationale Atomenergieorganisation hat beispielhaft die Aktivität des Atommülls von einer Tonne Brennelement berechnet. Die Grafik zeigt den Verlauf innerhalb der ersten 300 Jahre:

Zu Beginn beträgt die Aktivität rund 11.000 Terabecquerel, für den Menschen innerhalb kürzester Zeit tödlich. Innerhalb von 300 Jahren fällt die Aktivität auf 75 Terabecquerel. Das liegt daran, dass viele Stoffe in dem Atommüll sehr schnell zerfallen, beispielsweise Strontium-90. Nach einigen Tausend Jahren entspricht die Aktivität in etwa der von Uranerz, wie es in der Natur vorkommt.

Das Endlager für hoch radioaktiven Müll, das derzeit gesucht wird, soll eine bestmögliche Sicherheit für eine Million Jahre aufweisen. Und auch nach dieser langen Zeitspanne gibt es noch radioaktive Zerfälle: Stoffe wie Neptunium-237 oder Cäsium-135 haben zwar eine vergleichsweise geringe Aktivität, strahlen aber über Millionen Jahre konstant weiter.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.