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27. Dezember 2011, 18:11 Uhr

Erfolgreicher Test

Russland will Atom-Keule 2012 in Betrieb nehmen

Russland erweitert sein Atom-Arsenal: Nach dem Test einer neuen Interkontinentalrakete soll das Modell bald an die Truppen ausgeliefert werden. Die Flugkörper können zehn Atomsprengköpfe tragen.

Moskau/Hamburg - Russland hat die Testreihe der neuen Nuklear-Rakete "Bulawa" abgeschlossen. Präsident Dmitrij Medwedew kündigte bei einem Treffen mit leitenden Militärs am Dienstag an, dass das Raketensystem bald in Betrieb genommen werden soll. "Unsere Industrie hat nachgewiesen, dass sie neue moderne und hocheffektive Arten strategischer Waffen entwickeln kann", sagte Medwedew.

Die "Bulawa"-Rakete, die eine neue Generation von Atom-U-Booten ausrüsten soll, gilt als künftiger Grundstein des nuklearen Arsenals Russlands. Die Tests hatten sich nach diversen technischen Fehlschlägen und Fehlstarts jahrelang hingezogen. Erst seit kurzem sind die Proben erfolgreich verlaufen - vergangene Woche wurden zwei Raketen gleichzeitig abgeschossen. Zweifel am teuersten militärischen Projekt im postsowjetischen Russland scheinen damit aus dem Weg geräumt.

Die zwölf Meter lange "Bulawa" (russisch für "Keule") hat eine Reichweite von 8000 Kilometern und kann zehn Atomsprengköpfe tragen. Sie wiegt 36,8 Tonnen. Die Rakete ist die für den See-Einsatz angepasste Version der neuen russischen Interkontinentalrakete vom Typ Topol-M.

Am Freitag waren zwei Raketen von einem U-Boot in arktischen Gewässern abgefeuert worden und hätten ihre Ziele auf der Halbinsel Kamtschatka getroffen, erklärte das Verteidigungsministerium in Moskau. Die Raketen trugen statt atomarer Sprengköpfe nur Attrappen. Im Juni gab es bereits einen erfolgreichen Versuch von einem U-Boot aus. Bis 2015 will Russland zudem mindestens fünf Atom-U-Boote der Juri-Dolgoruki-Klasse ausliefern, die dann mit "Bulawa" ausgerüstet werden sollen.

Die Armee schoss zudem zu Testzwecken eine Rakete vom Typ RS-18 (SS-19 "Stiletto") ab, deren Betriebsdauer verlängert wurde. Die vom Weltraumbahnhof Baikonur in Kasachstan aus gestartete Rakete sei wie geplant auf der Pazifik-Halbinsel Kamtschatka eingeschlagen, sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums.

wbr/dadp/dpa/Reuters

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