Bielersee Behörden verschwiegen Radioaktivität

Der Schweizer Bielersee dient als Trinkwasserquelle, doch vor 13 Jahren gelangte Radioaktivität in das Gewässer. Behörden verschwiegen den Vorfall - Grenzwerte seien nicht überschritten worden.

AKW Mühleberg, Schweiz: Quelle der erhöhten Strahlung?
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AKW Mühleberg, Schweiz: Quelle der erhöhten Strahlung?


Hamburg/Zürich - Im Bielersee nahe dem Kernkraftwerk Mühleberg in der Schweiz ist nach einem Bericht der Schweizer "Sonntagszeitung" um das Jahr 2000 herum eine erhöhte radioaktive Belastung festgestellt worden - ohne dass die Öffentlichkeit darüber informiert wurde.

Wissenschaftler wiesen bei ihren Messungen damals ungewöhnlich hohe Werte für Cäsium nach, wie die Zeitung unter Berufung auf eine Studie von Genfer Geologen berichtete. Der Bielersee dient als Trinkwasserquelle: 70 Prozent des Trinkwassers in Biel stamme aus dem Gewässer. Dennoch geben Experten Entwarnung: Es habe keine Gesundheitsgefahr für die Bevölkerung bestanden.

Für die erhöhten Messwerte dürfte der Studie zufolge das etwa 17 Kilometer westlich von Bern gelegene Atomkraftwerk Mühleberg verantwortlich sein. Von dort aus fließt in geringen Mengen radioaktives Reinigungswasser in die Aare, das dann anschließend in den See gelangen kann.

Umweltaktivisten fordern Ermittlungen

Das Schweizer Bundesamt für Gesundheit bestätigte diese Einschätzung grundsätzlich. Die genauen Umstände seien im Nachhinein aber nicht mehr herauszufinden. Aus gesundheitlicher Sicht seien die Werte nicht alarmierend gewesen. Das Eidgenössische Nuklearsicherheitsinspektorat (Ensi) und der Betreiber der Anlage verwiesen darauf, dass die Grenzwerte nicht überschritten worden seien.

Politiker und Umweltaktivisten reagierten dennoch empört auf den Bericht. Niemand habe ihn über die ungewöhnlich hohe Cäsium-Konzentration informiert, sagte der langjährige Bürgermeister der Stadt Biel, Hans Stöckli, der Zeitung "Le Matin Dimanche". Die Umweltschutzorganisation Greenpeace kritisierte, dass das Ensi die Öffentlichkeit nicht über die erhöhte radioaktive Belastung informierte und forderte die Staatsanwaltschaft auf, Ermittlungen einzuleiten.

Bislang habe das Ensi keine klaren Bestimmungen erlassen, in welchen Fällen die Trinkwasserentnahme gestoppt werde, berichtet die "Sonntagszeitung". Notfallpläne würden derzeit überarbeitet. Das Schweizer Bundesamt für Gesundheit habe mitgeteilt, man habe "das Manko erkannt" - ein kontinuierliches Überwachungssystem sei nötig.

boj/AFP



insgesamt 41 Beiträge
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Seite 1
LDaniel 15.07.2013
1. Oh je
Vielleicht wurde deshalb nicht darüber berichtet, weil es nichts zu berichten gab? Werte weit unter allen Grenzwerten... . Auch etwas mehr weit unter Grenzwerten muss man nicht berichten, schließlich führt das nur zur Hysterie seitens einiger Ökos...wie man ja jetzt sehr schön sehen kann. Aber hier geht es ja um Strahlung und das ist ja immer ganz ganz böse....
no-panic 15.07.2013
2.
Zitat von LDanielVielleicht wurde deshalb nicht darüber berichtet, weil es nichts zu berichten gab? Werte weit unter allen Grenzwerten... . Auch etwas mehr weit unter Grenzwerten muss man nicht berichten, schließlich führt das nur zur Hysterie seitens einiger Ökos...wie man ja jetzt sehr schön sehen kann. Aber hier geht es ja um Strahlung und das ist ja immer ganz ganz böse....
13 Jahre später kann man ruhigen Wissens behaupten, es seien keine Grenzwerte überschritten worden. Kann ja keiner mehr nachprüfen.
outsider-realist 15.07.2013
3.
Zitat von LDanielVielleicht wurde deshalb nicht darüber berichtet, weil es nichts zu berichten gab? Werte weit unter allen Grenzwerten... . Auch etwas mehr weit unter Grenzwerten muss man nicht berichten, schließlich führt das nur zur Hysterie seitens einiger Ökos...wie man ja jetzt sehr schön sehen kann. Aber hier geht es ja um Strahlung und das ist ja immer ganz ganz böse....
Ihre Fürsorge was die Angst vor Hysterie angeht in allen Ehren.....aber ich als mündiger Bürger möchte bitte selbst entscheiden wie ich auf solche Störfälle reagiere und ob ich meinem Verstand oder der Politik vertraue, wobei ja letztere offensichtlich auch nicht informiert wurde. Sie haben offenbar ein "gesundes" Vertrauen in Industrie und Politik. Auch sie werden irgendwann lernen.....
laumo 15.07.2013
4. Cäsium gehört nicht in die Umwelt, Punkt!
Als Schweizer kann ich nur sagen: 25. September 1986. Dieser Zwischenfall hat es nur deshalb nicht in die weltweiten Medien geschafft weil Tschernobyl abgelenkt hat. Ich empfehle allen "die Akte Mühleberg" auf www.beobachter.ch (Schweizer Konsumentenzeitschrift) zu lesen. Schliesslich macht eine radioaktive Kontamination nicht an der Grenze zu Deutschland halt.
u.loose 15.07.2013
5. vor 13 Jahren
aha - weil es nichts aktuelles zu berichten gibt, kramt man olle Kamellen hervor...
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