Erreger in Gewässern Wie Ehec sich in der Umwelt einnistet

Ein verseuchter Bach bei Frankfurt, Keime auf einem Salatkopf aus Frankfurt: Die neuesten Ehec-Funde bereiten den Experten Sorgen. Sie sind ein Indiz dafür, dass sich der gefährliche Erreger in der Umwelt einnisten könnte.

Klärwerk: Risiko durch mit Keimen verseuchte Fäkalien
dapd

Klärwerk: Risiko durch mit Keimen verseuchte Fäkalien


"Heute geschlossen." Tagelang stand das auf einem Öffnungszeiten-Schild eines Frankfurter Gemüsehofs geschrieben. Vor gut einer Woche waren auf einem Salatkopf Ehec-Erreger gefunden worden. Auch im Wasser der Gemüsewaschanlage fand man den Keim. Seit Mittwoch darf der Gemüsehof jedoch wieder verkaufen: Bei dem Ehec-Fund handelte es sich nicht um den gefährlichen Ehec-Typus O104:H4.

Unterdessen ist aber weiterhin unklar, wie hoch die Keimbelastung in einem Gewässer bei Frankfurt ist. Denn im Erlenbach, der nur wenige hundert Meter von dem Gemüsehof entfernt liegt, war am Freitag vergangene Woche just der aggressive Ehec-Erregertyp Husec 41, wie er auch genannt wird, gefunden worden.

Das Umweltbundesamt hatte zuvor vor Panikmache gewarnt. "Dass nun in einem Fluss mit Abwassereinfluss ein Ehec-Typ vom Ausbruchsstamm nachgewiesen werden konnte, ist nicht überraschend", hatte der Präsident des Amtes, Jochen Flasbarth, mitgeteilt. "Abwasser enthält immer auch Krankheitserreger, vor allem von solchen Krankheiten, die in der Bevölkerung gerade grassieren."

Die meisten Kläranlagen können Keime nicht vollständig eliminieren

Einzelne Ehec-Funde verschlimmerten die Gefahrensituation nicht. Da Kläranlagen Krankheitserreger nicht völlig eliminieren könnten, gebe es schon immer Badeverbote stromabwärts davon. "Durch einzelne Ehec-Funde besteht zurzeit keine neue Situation. Es besteht auch keine erhöhte Erkrankungsgefahr durch Wassersport."

Ähnlich sieht es der Infektionsbiologe Helge Karch von der Universität Münster. Er geht davon aus, dass sich der Keim in der Umwelt weiter ausbreiten wird: "Viele Menschen scheiden derzeit den Erreger aus. Wir können also nicht ausschließen, dass er sich in unserer Umwelt bereits eingenistet hat", sagte Karch.

Wie der Erreger in den Bach gelangen konnte, ist weiterhin unklar. Das hessische Verbraucherministerium aber rechnet bald mit neuen Erkenntnissen. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) schließt derzeit seine Analysen ab.

"Im Ablauf einer Kläranlage wird man immer Keime finden", sagte Ulf Theilen, Dozent für Siedlungswasserwirtschaft an der Technischen Hochschule Mittelhessen. Die herkömmlichen Anlagen würden Ehec-Erreger nicht zurückhalten. Das "gereinigte Abwasser" enthalte eine gewisse "Rest-Verunreinigung". Dazu gehörten auch E. coli-Bakterien, zu denen Ehec zählt.

"Dieses Abwasser geht in der Regel direkt in einen Fluss." Da in Hessen Flüsse per Definition nicht als Badegewässer gelten, gebe es bisher keine Notwendigkeit, Keime aus dem Abwasser herauszufiltern, sagte Theilen.

In anderen Bundesländern ist die Lage teilweise anders. Wie etwa in Bayern: Dort darf man in der Isar auch baden, da man am Ende des Klärprozesses eine "Entkeimungsstufe" angefügt hat - eine UV-Anlage tötet dort die Keime nahezu vollständig ab. Allerdings sind solche Anlagen sehr teuer. In Bayern investierte man hohe Zuschüsse in die Kläranlagen, um keimfreies Flusswasser zu garantieren.

Trinkwasser wird aus Grundwasser bezogen, das in Wasserwerken aufbereitet wird. Es muss den Normen der Trinkwasserverordnung entsprechen. Keime wie E. coli-Bakterien dürfen nicht enthalten sein - andernfalls müssen sie nach Angaben des Umweltbundesamts abgetötet werden. "Trinkwasser aus größeren öffentlichen Versorgungen ist sehr sicher vor Ehec", so die Behörde.

Andere Experten aber sehen die Lage kritischer: Vor allem in kleineren Wasserwerken wird das Wasser bisweilen nur einmal im Jahr getestet. Und schon vor dem Ausbruch der Ehec-Epidemie war das Trinkwasser immer wieder mit E.-coli-Bakterien belastet. Laut einer Untersuchung der Weltgesundheitsorganisation WHO schwammen in fünf Prozent der Proben aus kleineren Wasserwerken Baden-Württembergs und in fast jedem zweiten privaten Brunnen des Landes Darmbakterien. Die Trinkwasserkommission fordert deshalb strengere Kontrollen für das Trinkwasser aus kleineren Wasserwerken.

Ehec - die wichtigsten Informationen im Überblick

cib/dpa



insgesamt 5 Beiträge
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Schwede2 23.06.2011
1. Vorratsdatenspeicherung ist das geilere Thema für Politiker
Zitat von sysopEin verseuchter Bach bei Frankfurt, Keime auf einem Salatkopf aus Frankfurt: Die neuesten Ehec-Funde bereiten den Experten Sorgen. Sie sind ein Indiz dafür, dass sich der gefährliche Erreger in der Umwelt einnisten könnte. http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/0,1518,769946,00.html
Der internationale Terrorismus eignet sich perfekt dafür, Menschenrechte einzuschränken und von seinen Bürgern höchst für-/vor-sorglich möglichst alle verfügbaren Daten abzugreifen. Wenn ich mir das politische Gekreische auf der gerade gelaufenen Innenminister-Konferenz vergegenwärtige, wird mir nur noch übel. Die reale Gefahr, die in der Nahrungskette und den natürlichen Resourcen schlummert, bleibt praktisch unerwähnt. Lebensmittelsicherheit in diesem Lande wird sträflich vernachlässigt. Seuchenschutz ist ein Lacher, wenn man bedenkt, dass die Fragebögen zur Erfassung der Krankheitsgeschichte mit der Briefpost versandt werden. Hier schlafen unsere Politiker von CDU/CSU/FDP + SPD. Der Bürger erwartet eine erheblich verbesserte Vorsorge bei der Nahrungsmittelsicherheit. Das kostet bei Nachlässigkeiten massiv Menschenleben, wie wir immer noch sehen können. Was mich angeht, können dazu jederzeit Resourcen der Sicherheitsbehörden verwendet werden. Solange dort multiresistente Keime gesucht werden, haben die keine Zeit zur Bürgerbespitzelung. Der allerwichtigste Schritt aber muss sein, den unverantwortlichen Umgang mit Antibiotika in der Fleischproduktion radikal einzudämmen. Wir graben uns sonst mit dieser Handhabung unsere eigenen Massengräber. Damit hätte sich die Innenministerkonferenz auseinandersetzen müssen. Dass sie es nicht tat, lässt für mich ganz tief blicken. In einen ganz schwarzen Sumpf!
Europa! 23.06.2011
2. Kläranlagen
Warum sind Flüsse in Hessen keine Badegwässer? Sind die Hessen zu dreckig oder zu geizig? Oder setzt die hessische Landesregierung die falschen Akzente? Kinder wird man nie von Flüssen und Bächen fernhalten können. Kläranlagen, die das Wasser nicht wirklich reinigen, sind eine Schande!
unclevanya 24.06.2011
3. Flüsse "per definition" Abwasserkanäle + Verkehrswege ?
"Da in Hessen Flüsse per Definition nicht als Badegewässer gelten, gebe es bisher keine Notwendigkeit, Keime aus dem Abwasser herauszufiltern, sagte Theilen." (SPIEGEL9 Der Planet verkommt offensichtlich immer mehr zu einer gigantischen, globalen Müllkippe, deren Abwässer-Brühe (siehe auch Fukushima) irgendwie im Meer landet. - Aber was solls, - solange man/frau noch ein Quentchen Profit aus Mensch & Dreck herauspressen kann! - Und die Politik, welcher couleur auch immer, ist williger Erfüllungsgehilfe; von den Medien ganz zu schweigen... - Dann lieber zurück zur verpönten Steinzeit, als man im Wasser noch baden + es sogar trinken konnte: - wie primitiv !
Osis, 24.06.2011
4. Sch**** Titelzwang
Und NRW diskutiert über die Dichtheitsprüfung von Hausanschlüssen... Dürfen Keime als einfach so im Boden unter Häusern, Altenheimen, Krankenhäusern versickern? Ahja... Wie hoch muss den die Konzentration im Fluss sein, damit man den Keim überhaupt erwischt? So wenig kann es ja dann nicht sein, wenn da so vielleicht 5-10l Wasserprobe gezogen wurden...
n13l5 25.06.2011
5. expendable
Zitat von Schwede2Der internationale Terrorismus eignet sich perfekt dafür, Menschenrechte einzuschränken und von seinen Bürgern höchst für-/vor-sorglich möglichst alle verfügbaren Daten abzugreifen. Wenn ich mir das politische Gekreische auf der gerade gelaufenen Innenminister-Konferenz vergegenwärtige, wird mir nur noch übel. Die reale Gefahr, die in der Nahrungskette und den natürlichen Resourcen schlummert, bleibt praktisch unerwähnt. Lebensmittelsicherheit in diesem Lande wird sträflich vernachlässigt. Seuchenschutz ist ein Lacher, wenn man bedenkt, dass die Fragebögen zur Erfassung der Krankheitsgeschichte mit der Briefpost versandt werden. Hier schlafen unsere Politiker von CDU/CSU/FDP + SPD. Der Bürger erwartet eine erheblich verbesserte Vorsorge bei der Nahrungsmittelsicherheit. Das kostet bei Nachlässigkeiten massiv Menschenleben, wie wir immer noch sehen können. Was mich angeht, können dazu jederzeit Resourcen der Sicherheitsbehörden verwendet werden. Solange dort multiresistente Keime gesucht werden, haben die keine Zeit zur Bürgerbespitzelung. Der allerwichtigste Schritt aber muss sein, den unverantwortlichen Umgang mit Antibiotika in der Fleischproduktion radikal einzudämmen. Wir graben uns sonst mit dieser Handhabung unsere eigenen Massengräber. Damit hätte sich die Innenministerkonferenz auseinandersetzen müssen. Dass sie es nicht tat, lässt für mich ganz tief blicken. In einen ganz schwarzen Sumpf!
Das waehre schoen, aber sehr unwarscheinlich. Da sich im Laufe der Zeit scheinbar jede Demokratie selbst entmachtet und zum reinen Erfuellungsgehilfen der Industrie verkommt, ist der Schutz der Buerger nicht wirklich ein zentrales Anliegen. In Multinationalen Konzernen lassen sich Mitarbeiter schliesslich leicht ersetzen. Da ist es viel nuetzlicher Buerger auf Vorrat zu bespitzeln, damit sich bestimmt keine Gruppen bilden koennen die das jetzige profitable System bedrohen koennten. Die Wachowski Brothers haben ja Matrix nicht als Science Fiction gemeint, sondern als Parabel dafuer wie unsere 'moderne' Gesellschaft funktioniert in ihren Augen.
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