Erster Test Dreamliner fliegt mit neuem Batteriesystem

Neue Chance für den Pannenflieger: Erstmals ist Boeings Dreamliner mit einem veränderten Batteriesystem zu einem Testflug gestartet. Seit Mitte Januar mussten die neuen Langstreckenmaschinen weltweit am Boden bleiben, weil die Energiespeicher gebrannt hatten.
Polnische Boeing 787 beim Start in Seattle: "Umfassendes Lösungskonzept"

Polnische Boeing 787 beim Start in Seattle: "Umfassendes Lösungskonzept"

Foto: REUTERS/ Boeing

Der US-Flugzeugbauer Boeing hat erstmals ein neues Batteriesystem des fehlergeplagten Modells Dreamliner in der Luft getestet. Wie das Unternehmen mitteilte, hob am Montag eine 787 im US-Bundesstaat Washington zu einem zweistündigen Probeflug ab. Mit dem nächsten Flug soll bereits die Phase für eine Wiederzulassung des Dreamliners beginnen - obwohl unklar ist, warum die Batterien überhaupt versagt hatten.

Die umgebaute 787 der polnischen Fluggesellschaft LOT startete auf dem Flugplatz Paine Field in Everett, einem Boeing-Standort nahe Seattle. Die sechsköpfige Besatzung, neben den Piloten vier Techniker, hätten von einem "Flug nach Plan" berichtet, teilte Boeing kurz nach der Landung mit.

Bei dem Probeflug seien vor allem Funktionstests durchgeführt worden. Nach Angaben von Boeing wurden das Fahrwerk, die Sicherheitssysteme und die Elektrik überprüft. Es handelte sich um den ersten Dreamliner-Flug seit Februar, als Boeing kurz nach dem weltweiten Betriebsverbot zur Fehlersuche benötigte Flüge unternommen hatte.

Die US-Flugaufsicht FAA hatte Mitte Januar ein weltweites Flugverbot gegen den Dreamliner verhängt, nachdem sich Lithium-Ionen-Batterien in zwei Maschinen überhitzt hatten und in Brand geraten waren. Betroffen sind 50 bereits ausgelieferte Flugzeuge sowie weitere Modelle, weil Boeing seine Produktion fortsetzte. Im März genehmigte die FAA schließlich einen von Boeing vorgelegten Plan zur Zulassung eines modifizierten Batteriesystems.

Wie hoch sind die Kosten?

Boeing hat nach eigenen Angaben ein "umfassendes Lösungskonzept" für das Problem entwickelt. So habe man mit Thales, dem französischen Hersteller der Bordelektronik, und dem japanischen Batterieproduzenten GS Yuasa den Herstellungsprozess der Akkus verbessert.

Die Zertifizierungsphase durch die FAA solle schon mit dem nächsten Testflug beginnen, teilte Boeing mit. Dann werde dasselbe Flugzeug wie am Montag zum Einsatz kommen und "zeigen, dass sich das neue System im Flugbetrieb wie vorgesehen verhält", hieß es in der Unternehmensmitteilung. Ray Conner, der bei Boeing die Sparte für zivile Luftfahrt verantwortet, hatte schon Mitte März angekündigt, dass die Wiederzulassung des Dreamliners eher eine Frage von Wochen denn von Monaten sei.

Tatsächlich aber wissen weder Boeing noch die US-Behörden mit Sicherheit, wo der Fehler beim einstigen Hoffnungsträger Dreamliner steckt. So kommt es, dass das neue Batteriesystem auch nicht die Ursache der bisherigen Defekte ausschließt. Vielmehr zielen die Umbauten, die dem Dreamliner eine Rückkehr in die Luft ermöglichen sollen, darauf ab, dass künftige Batteriedefekte keine gravierenden Auswirkungen auf den sicheren Flugbetrieb haben sollen.

Boeing hält an den neuartigen Akkus fest, weil sie eine bessere Leistung bei geringerem Gewicht aufweisen als die in der Luftfahrt bisher üblichen Nickel-Cadmium-Batterien. In Zeiten steigender Treibstoffpreise ist die Wirtschaftlichkeit des Dreamliners Boeings wichtigstes Verkaufsargument.

Der Flugzeugbauer hält sich bislang bedeckt, wie viel Kosten die Pannenserie bereits verursacht hat. Allein der größte Dreamliner-Kunde Japan Airlines bezifferte in der vergangenen Woche die durch das Flugverbot bis zum Mai entstehenden Ausfälle mit 3,4 Milliarden Yen, also umgerechnet 28 Millionen Euro.

boj/AFP
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