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Jetzt vorgeschrieben: Glimmstängel mit Glutstopper

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EU-Vorschrift Brandschutz-Zigarette soll Hunderte Leben retten

Ab 17. November dürfen EU-weit nur noch Zigaretten mit vermindertem Zündpotential verkauft werden. Die Vorschrift soll Brände durch vergessene  Glimmstängel verhindern. Viele Raucher haben die neuen Zigaretten bereits kennengelernt: Sie gehen aus, wenn man nicht ständig an ihnen zieht.

Für die Boulevardpresse haben die neuen Zigaretten mit eingebautem Brandschutz längst einen eigenen Namen: Sie heißen ZIEHgarette, weil sie nur weiterbrennen, wenn man immer wieder an ihnen zieht. Das mag für Raucher ärgerlich sein, ist aber ganz im Sinne der neuen EU-Vorschrift für Glimmstängel, die am Donnerstag (17. November) in Kraft tritt. Ab dann dürfen in der EU nur noch Zigaretten verkauft werden, die eine verminderte Zündneigung besitzen, wie es im schönen Amtsdeutsch heißt.

Das Papier der neuen Zigaretten ist an zwei Stellen durch je einen Ring verstärkt - siehe Fotostrecke. Diese Bänder sind weniger luftdurchlässig als das normale Zigarettenpapier. Wenn die Glut eines der Bänder erreicht, erlischt sie, weil nicht mehr genug Sauerstoff durch das Papier an den Tabak kommt.

Die Umstellung auf die selbstlöschenden Glimmstängel wurde schon 2008 beschlossen, aber die EU gab der Industrie drei Jahre Zeit dafür. Mittlerweile verfügen fast alle Zigaretten im Handel über die Brandschutzringe. Vielen Rauchern ist dies auch schon aufgefallen, weil die Zigaretten viel leichter ausgehen als früher.

"Wir liefern seit Juli nur noch Zigaretten nach der neuen EU-Norm aus", sagte Reemtsma-Sprecherin Svea Schröder im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. Bei dem Hamburger Zigarettenhersteller, hinter dem Marken wie Gauloises, West und Davidoff stehen, geht man davon aus, dass mittlerweile auch in den Geschäften und Automaten nur noch die neuen Glimmstengel verkauft werden. Die Philip Morris GmbH (Marlboro, L&M, f6) hat ihre Produktion bereits Anfang Mai 2011 umgestellt.

Opferzahlen um 43 Prozent gesunken

Unbeaufsichtigt brennende Zigaretten gehören zu den Hauptursachen für Brände mit Todesfolge. Nach Angaben der EU-Kommission gibt es europaweit pro Jahr über 30.000 Brände, die von Glimmstängeln verursacht werden. Dabei sterben mehr als tausend Menschen, mehr als 4000 werden verletzt.

Selbstlöschende Zigaretten sind beispielsweise in den USA und Kanada schon lange Standard. Nachdem Finnland sie eingeführt hatte, sei die Zahl der Opfer von Bränden um 43 Prozent zurückgegangen, teilte die EU mit. Umgerechnet auf die gesamte EU würde dies bedeuten, dass jedes Jahr an die 500 Menschenleben gerettet werden könnten.

Absolute Sicherheit bietet die neue Vorschrift freilich nicht. "Eine Zigarette ist immer noch ein Zündherd", sagt Peter Königsfeld vom Deutschen Zigarettenverband (DZV). Die Vorschriften der EU besagten, dass 75 Prozent dieser Zigaretten an den beiden mit Ringen verstärkten Stellen ausgehen müssten. Ein Viertel glimmt also dennoch weiter.

Der für Gesundheit und Verbraucher zuständige EU-Kommissar John Dalli räumte ebenfalls ein, dass es eine wirklich sichere Zigarette nicht gibt: "Am sichersten ist es ohnehin, überhaupt nicht zu rauchen!"

Damit hat Dalli den Nagel auf den Kopf getroffen. Rund tausend Tote nach Zigarettenbränden pro Jahr sind eine verschwindend kleine Zahl gegenüber den etwa 500.000 Europäern, die jedes Jahr an den Folgen des Rauchens sterben. EU-Gesundheitskommissar Dalli kündigte daher für Anfang 2012 einen Vorschlag für eine strengere Tabakrichtlinie an. Dann sollen die schon lange diskutierten abschreckenden Bilder - wie das Foto einer zerstörten Lunge - neben den schriftlichen Warnhinweisen auf Zigarettenpackungen erscheinen.

Eigentlich sollten die Schockbilder auch in Deutschland längst auf Zigarettenschachteln zu sehen sein. Im Mai 2009 hatte die damalige Bundesdrogenbeauftragte Sabine Bätzing (SPD) angekündigt, die abschreckenden Fotos spätestens 2010 einzuführen. Doch die Zigarettenindustrie wehrt sich heftig dagegen - bislang mit Erfolg.